Medieninformation der Polizeidirektion Zwickau Nr. 097|2025
02.04.2025, 12:00 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)
Vogtlandkreis und Landkreis Zwickau: Polizeiliche Kriminalstatistik 2024
Verantwortlich: Christina Friedrich
Polizeiliche Kriminalstatistik 2024
Zeit: 01.01.2024 bis 31.12.2024
Ort: Vogtlandkreis und Landkreis Zwickau
Die Polizeidirektion Zwickau berichtet über die Kriminalitätsentwicklung sowie die politisch motivierte Kriminalität im Vogtlandkreis und Landkreis Zwickau im Jahr 2024.
Im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Zwickau ist die Kriminalität im Jahr 2024 leicht angestiegen. Insgesamt wurden 26.932 Straftaten registriert, was einem Anstieg um 1,3 Prozent entspricht. Die Häufigkeitszahl erhöhte sich auf 5.072 Straftaten pro 100.000 Einwohner. Die Aufklärungsquote sank um etwa einen Prozentpunkt auf 59,9 Prozent.
Entwicklungen in einzelnen Deliktbereichen
Die Fälle von Gewaltkriminalität nahmen im Vergleich zum Vorjahr um 11,9 Prozent auf 1.053 Fälle zu. Dabei stieg auch die Aufklärungsquote um mehr als einen Prozentpunkt auf 84,8 Prozent. Für das Jahr 2024 wurde die Jugendkriminalität erstmals explizit betrachtet. Dabei zeigte sich, dass bei der Gesamtkriminalität insgesamt 23,5 Prozent der ermittelten Tatverdächtigen Kinder, Jugendliche oder Heranwachsende bis zu einem Alter von 21 Jahre sind. Bei Gewaltdelikten stellt diese Altersgruppe sogar 39 Prozent der ermittelten Tatverdächtigen. Dies entspricht einem Anstieg, der auch sachsenweit zu beobachten war. Messerangriffe werden für die zurückliegenden Jahre ebenfalls erstmals ausgewiesen: Im Jahr 2024 registrierte die Polizeidirektion Zwickau 193 Fälle. Seit 2021 stieg die Zahl der Messerangriffe kontinuierlich an.
Bei der Rauschgiftkriminalität wurde ein starker Rückgang an erfassten Straftaten verzeichnet, der vor allem auf das Inkrafttreten des Konsumcannabisgesetzes zurückzuführen ist. Die Fallzahlen von Rauschgiftkriminalität im Zusammenhang mit Cannabis haben sich im Vergleich zum Vorjahr mehr als halbiert. Auch im Zusammenhang mit anderen Betäubungsmitteln ließ sich ein Rückgang beobachten, ebenso gingen die Sicherstellungsmengen zurück. Im Jahr 2024 wurden 18,9 Kilogramm Marihuana, 778 Gramm Haschisch, 593 Gramm Crystal, 134 Gramm Amphetamin und 435 Ecstasy-Tabletten sichergestellt.
Im Bereich Kinderpornografie erfasste die Polizeidirektion Zwickau im Betrachtungszeitraum 318 Fälle - damit bewegen sich die Fallzahlen seit mehreren Jahren auf hohem Niveau. Die Aufklärungsquote bei Fällen von Kinderpornografie lag im Jahr 2024 bei 96,9 Prozent.
Die Zahl der Straftaten mit dem Tatmittel Internet (inklusive Cybercrime) steigen seit Jahren an - im vergangenen Jahr wurden 2.302 Fälle registriert. Hinzu kommen 2.896 sogenannte Auslandstaten: Dabei handelt es sich um Straftaten, bei denen die Geschädigten im Vogtlandkreis oder Landkreis Zwickau gemeldet sind, die Taten aber aus dem Ausland begangen wurden. Diese Fälle gehen nicht in die PKS ein, da sich der Tatort außerhalb des Zuständigkeitsbereichs befindet. Diese Auslandstaten wurden für das Jahr 2024 erstmals ausgewiesen. Zudem ist im Bereich der Straftaten mit dem Tatmittel Internet von einer hohen Dunkelziffer auszugehen.
Die Fälle von Wohnungseinbruchdiebstahl und Kraftwagendiebstahl nahmen im vergangenen Jahr zu, bewegen sich im Zehnjahresvergleich aber dennoch auf niedrigem Niveau. Die Aufklärungsquote stieg in beiden Bereichen. Insgesamt wurden 230 Wohnungseinbruchdiebstähle angezeigt, von denen 29,6 Prozent aufgeklärt werden konnten. Zu den 96 Kraftwagendiebstählen (einschließlich des unbefugten Gebrauchs) konnten in 61,5 Prozent der Fälle Tatverdächtige ermittelt werden - dies stellt die höchste Aufklärungsquote der vergangenen zehn Jahre dar.
Regionale Verteilung der Straftaten bleibt unverändert
Sowohl im Landkreis Zwickau als auch im Vogtlandkreis erhöhten sich im Jahr 2024 die Zahlen der polizeilich bekannt gewordenen Kriminalität leicht. Im bevölkerungsreicheren Landkreis Zwickau wurden mehr Straftaten registriert als im Vogtlandkreis. Die Häufigkeitszahl war hingegen im Vogtlandkreis höher.
Die höchste Kriminalitätsbelastung im Zuständigkeitsgebiet hatten unverändert die beiden größten Städte zu verzeichnen. Jeweils rund 24 Prozent der erfassten Straftaten wurden in Plauen oder Zwickau begangen. Plauen ist nach wie vor die Stadt mit der größten Häufigkeitszahl: Auf 100.000 Einwohner gerechnet wurden dort 9.491 Straftaten (ohne ausländerrechtliche Verstöße) erfasst - und damit etwas weniger als im Jahr zuvor.
Mit Bösenbrunn befindet sich die Gemeinde mit der niedrigsten Häufigkeitszahl (839) im Vogtlandkreis. Im Landkreis Zwickau variieren die Straftaten pro 100.000 Einwohner (ohne ausländerrechtliche Verstöße) zwischen 1.084 in Oberwiera und 7.416 in Zwickau.
Ermittelte Tatverdächtige (ohne ausländerrechtliche Verstöße)
Im Jahr 2024 konnten im Bereich der Polizeidirektion Zwickau 10.777 Tatverdächtige ermittelt werden. Wie bereits in den Vorjahren waren von den Personen rund drei Viertel männlich. Bei 76,5 Prozent der ermittelten Tatverdächtigen handelt es sich um Erwachsene, die älter als 21 Jahre alt waren. 5,5 Prozent der Tatverdächtigen waren Kinder, 10,8 Prozent Jugendliche und 7,3 Prozent Heranwachsende. Von allen ermittelten Tatverdächtigen waren 75,9 Prozent deutscher Nationalität. Der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger nahm zu und lag bei 24,1 Prozent. Dabei handelte es sich um Personen mit 89 verschiedenen Nationalitäten. Am häufigsten wurden ukrainische, syrische, rumänische, tschechische und slowakische Tatverdächtige registriert.
Einschätzung der PKS-Zahlen durch den Polizeipräsidenten
»Die Polizeiliche Kriminalstatistik kann nur die reinen Fallzahlen abbilden - also die Straftaten, die angezeigt wurden und die sich im sogenannten Hellfeld befinden. Das Dunkelfeld, das je nach Deliktbereichen unterschiedlich groß ist, wird nicht abgebildet - auch nicht das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung. Für uns als Polizei ist daher wichtig, was hinter den Zahlen steht: Welche Auswirkungen haben Straftaten auf das Leben einzelner Menschen und der ganzen Gesellschaft? Wie müssen wir reagieren, damit sich Menschen im Landkreis Zwickau und Vogtlandkreis sicher fühlen können?«, sagte Polizeipräsident Dirk Lichtenberger, Leiter der Polizeidirektion Zwickau. »Bei der Kriminalitätsbekämpfung hat es sich bewährt, dass wir uns auf Schwerpunkte konzentrieren, dabei zeitnah reagieren und alle beteiligten Akteure von Anfang an eng mit einbeziehen. Durch gemeinsame, koordinierte Maßnahmen aller Beteiligten lassen sich spürbare, nachhaltige Erfolge erzielen. Dies zeigt sich beispielsweise in Plauen, wo wir einer Häufung von Straftaten im Herbst 2024, begangen durch Jugendliche, mit der Ermittlungsgruppe ›Aura‹ begegnet sind. Im Ergebnis ging die Zahl der Straftaten deutlich zurück, in vielen Fällen konnten Tatverdächtige ermittelt werden.«
Politisch motivierte Kriminalität (PMK)
Die Zahl der Straftaten im Bereich der politisch motivierten Kriminalität lag im Jahr 2024 bei 979, was einem Zuwachs von 408 Fällen im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Insbesondere die politisch rechts motivierten Straftaten stiegen deutlich an und machen mit 706 Fällen einen Großteil der Straftaten aus. Dabei handelt es sich in 537 Fällen um Propagandadelikte, also beispielsweise das Anbringen von verfassungsfeindlichen Symbolen - das sind 238 rechte Propagandadelikte mehr als im Jahr 2023. Eine weitere Erklärung für den starken Anstieg im vergangenen Jahr sind 201 PMK-Fälle im Zusammenhang mit den Europa-, Landtags- und Kommunalwahlen. Die Zahl der registrierten Angriffe auf Amts- und Mandatsträger sowie Parteieinrichtungen lag bei 45 und damit höher als in den zurückliegenden Jahren. Die Aufklärungsquote im Bereich PMK stieg auf 39,2 Prozent. (cf)