Medieninformation der Polizeidirektion Chemnitz Nr. 139|2025

02.04.2025, 11:32 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)

Polizeiliche Kriminalstatistik 2024 - Polizeidirektion Chemnitz

(1126) Im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Chemnitz wurden im Jahr 2024 insgesamt 45.510 Straftaten registriert. 29.828 Fälle konnten aufgeklärt werden. Die Aufklärungsquote beträgt somit 65,5 Prozent.

Rein rechnerisch entfielen auf jeweils 100.000 Einwohner 5.184 Fälle (Häufigkeitszahl).

In der Gesamtbetrachtung ist die Anzahl der Straftaten gegenüber dem Vorjahr um 669 Fälle (1,4 Prozent) zurückgegangen.

Im Bereich der allgemeinen Kriminalität stieg die Fallzahl leicht um 343 auf nun 43.201 Fälle. Von diesen wurden 27.552 Taten aufgeklärt, was einer Aufklärungsquote von 63,8 Prozent entspricht.

Der leichte Anstieg der Fallzahlen bei den Straftaten der allgemeinen Kriminalität betrifft die Stadt Chemnitz und den Landkreis Mittelsachsen. Im Erzgebirgskreis hingegen ist ein minimaler Rückgang der Fallzahlen zu verzeichnen.

Gegen das Aufenthalts-, Asyl- und Freizügigkeitsgesetz sind 2.309 Straftaten (-1.012 Fälle) aktenkundig. Die Aufklärungsquote beträgt hierbei 98,6 Prozent. Der Rückgang bei Straftaten gegen das Aufenthalts-, Asyl- und Freizügigkeitsgesetz um insgesamt 30,5 Prozent der Fälle ist in allen regionalen Teilen ersichtlich. Aufgrund der Erstaufnahmeeinrichtung in Chemnitz und des Grenzbezugs im Erzgebirgskreis weisen diese Regionen deutlich höhere Fallzahlen als der Landkreis Mittelsachsen auf.

Polizeipräsident Carsten Kaempf (56):
»Der Blick auf die Polizeiliche Kriminalstatistik 2024 der Polizeidirektion Chemnitz stimmt mich optimistisch, auch im Hinblick auf das Kulturhauptstadtjahr 2025. Die Gesamtzahl der Delikte ist auf ähnlichem Niveau wie im Vorjahr. Zugleich halten wir den Verfolgungsdruck hoch und es ist uns abermals gelungen, die überdurchschnittliche Aufklärungsquote zu steigern. Das ist das Ergebnis überaus engagierter Arbeit unserer Polizistinnen und Polizisten, die Tag für Tag dafür gesorgt haben, dass Chemnitz, der Landkreis Mittelsachsen und der Erzgebirgskreis nicht nur in Sachsen zu den sichersten Regionen zählen.
Und doch werden wir angesichts der guten Entwicklung keine Augenwischerei betreiben. Körperverletzungsdelikte, Diebstahlsdelikte oder Sachbeschädigungen sind Delikte, die uns auch in diesem Jahr stark fordern werden. Als Polizei stehen wir der Herausforderung gegenüber, schnell auf sich ändernde Kriminalitätsphänomene sowie sich abzeichnende Schwerpunkte zu reagieren. Auch die anhaltend hohe Zahl Tatverdächtiger im Kinder- und Jugendalter ist nicht von der Hand zu weisen. Hier müssen wir gemeinsam mit den Partnern in der Stadt und den Landkreisen sowie der Justiz noch intensiver zusammenarbeiten und zielorientiertere Lösungen finden. Dass das keine leichte und oft personal- sowie kostenintensive Aufgabe ist, steht außer Frage, aber jedes Kind und jeden Jugendlichen, den wir gemeinsam auf den richtigen Weg zurückführen können, ist ein nachhaltiges Ergebnis für unsere Gesellschaft. Das gemeinsame Ziel muss lauten, sich mit aller Kraft diesem Trend hoher Kinder- und Jugendkriminalität zu stellen.«

Im Bereich der Polizeidirektion Chemnitz wurden 2024 10.148 Personen Opfer (1) einer Straftat. Betroffen waren zu 57,9 Prozent männliche und zu 42,1 Prozent weibliche Personen.

Der gemeldete finanzielle Schaden betrug insgesamt ca. 33,9 Millionen Euro. Davon entstanden etwa 11,6 Millionen Euro Schaden durch Wirtschaftskriminalität und etwa 13,1 Millionen Euro durch Diebstahlshandlungen.

Insgesamt wurden 19.469 Tatverdächtige ermittelt. Dabei handelt es sich um
13.052 deutsche Tatverdächtige und 6.417 nichtdeutsche Tatverdächtige, wobei
über ein Drittel der nichtdeutschen Tatverdächtigen (2.204/34,3 Prozent) gegen Bestimmungen des Aufenthalts-, Asyl- und Freizügigkeitsgesetzes verstieß.
Für Straftaten der allgemeinen Kriminalität wurden insgesamt 17.439 Tatverdächtige ermittelt. Dabei handelt es sich um 13.049 deutsche Tatverdächtige und 4.390 nichtdeutsche Tatverdächtige (25,2 Prozent).

Bei den insgesamt 19.469 Tatverdächtigen handelt es sich um 14.943 Erwachsene, 1.518 Heranwachsende, 1.828 Jugendliche sowie 1.180 Kinder.
Betrachtet man nur die Tatverdächtigen zu Straftaten der allgemeinen Kriminalität, so sind 13.491 Erwachsene, 1.336 Heranwachsende, 1.727 Jugendliche und 885 Kinder erfasst.

Entwicklungen in den verschiedenen Obergruppen

Straftaten gegen das Leben

In dieser Obergruppe ist ein Rückgang um zehn Taten auf nun 13 ersichtlich. Der Rückgang speist sich hauptsächlich aus einem Rückgang bei Mordfällen. Bei genauer Betrachtung ist jedoch ersichtlich, dass sich sieben der 13 in die Statistik eingeflossenen Fälle bereits im Jahr 2023 ereigneten. Die Fallzahl in dieser Obergruppe beinhaltet sechs Versuchshandlungen.

Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung

In dieser Obergruppe sind die Fallzahlen mit 1.199 Fällen (+6 Fälle) nahezu gleichgeblieben. Die höchsten Fallzahlen entfallen wie in den Vorjahren auf Delikte der Verbreitung von pornografischen Inhalten, sexuelle Belästigung sowie sexueller Missbrauch von Kindern.

Rohheitsdelikte/Straftaten gegen die persönliche Freiheit

Mit nun insgesamt 7.509 Fällen ist die Anzahl der registrierten Delikte im Jahr 2024 um 301 Fälle gestiegen. Fast 80 Prozent dieser Fälle entfallen auf vorsätzliche einfache Körperverletzungen (3.159), Bedrohungen (1.520) sowie gefährliche und schwere Körperverletzungen (1.241). Die Zahl der Raubdelikte ging um 12,9 Prozent auf nun 298 Fälle zurück.

Diebstahlsdelikte

Die Zahl der Diebstähle ist minimal auf nun 13.456 Fälle gestiegen. Diebstahlsdelikte machen insgesamt etwa 29,6 Prozent der Gesamtkriminalität im Bereich der Polizeidirektion Chemnitz aus. Im Bereich des Diebstahls ohne erschwerende Umstände ist ein Anstieg um 177 Fälle ersichtlich. Der Diebstahl unter erschwerenden Umständen weist einen Rückgang um 134 Fälle aus.

Die Anzahl der Wohnungseinbrüche ist 2024 auf nun 405 Fälle (+43 Fälle) gestiegen. Bei 171 dieser Fälle blieb die Tat im Versuchsstadium stecken. Unter den erfassten Wohnungseinbrüchen sind 168 Fälle des Tageswohnungseinbruchs, bei dem die Tatzeit zwischen 06:00 Uhr und 21:00 Uhr liegt.

Erstmals seit 2021 ist wieder ein Anstieg bei Diebstählen von Kraftwagen zu verzeichnen. Mit 167 Fällen wurden ebenso viele Autodiebstähle registriert wie im Jahr 2021.
Die Fallzahl bei Diebstählen motorisierter Zweiräder (Mopeds und Krafträder) ist mit 149 fast gleichgeblieben (+3 Fälle).
Die Anzahl der Diebstähle an oder aus Kraftfahrzeugen ist um neun Prozent auf nun 1.209 Fälle gesunken. Ebenso ist die Anzahl von Fahrraddiebstählen leicht gesunken (1.313 Fälle).

Deutlich steigende Fallzahlen weisen die Ladendiebstähle auf. Diese sind um 485 Fälle auf 3.419 gestiegen. Die Zahl der Taschendiebstähle ist hingegen um 50,5 Prozent deutlich zurückgegangen (195 Fälle).

Vermögens- und Fälschungsdelikte

Die Zahl der Vermögens- und Fälschungsdelikte ist leicht auf 6.422 Fälle gestiegen. In dieser Straftatenobergruppe weisen Fälle des Waren- und Warenkreditbetruges (1.304 Fälle), sonstige Betrugsfälle (1.519 Fälle), Unterschlagungen (1.030 Fälle) sowie Erschleichen von Leistungen (1.271 Fälle) die höchsten Fallzahlen auf.

Sonstige Straftaten nach StGB

Die Zahl der sonstigen Straftaten nach Strafgesetzbuch ist um 4,9 Prozent auf nun 11.546 Fälle gestiegen. Über die Hälfte dieser Taten entfallen mit 6.588 auf Sachbeschädigungen. Darunter befinden sich 1.811 Sachbeschädigungen an Kfz und 1.838 sonstige Sachbeschädigungen auf Straßen, Wegen und Plätzen. 1.304 Fälle bzw. 19,8 Prozent dieser Sachbeschädigungen waren Graffitistraftaten, bei welchen ein leichter Rückgang im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen ist.

Ebenso fallen 1.789 Fälle der Beleidigung sowie 280 Fälle des Widerstandes gegen oder Angriffes auf die Staatsgewalt in diesen Straftatenbereich.

Straftaten gegen strafrechtliche Nebengesetze

In der Obergruppe der strafrechtlichen Nebengesetze sind in 2024 erhebliche Veränderungen aufgetreten. Zum einen ist die Zahl der Straftaten gegen das Aufenthalts-, Asyl- oder Freizügigkeitsgesetz 2024 um 30,5 Prozent zurückgegangen. Zum anderen resultiert aus der Einführung des Cannabisgesetzes und der einhergehenden Änderung des Betäubungsmittelgesetzes ein weiterer deutlicher Rückgang der Fallzahlen.

2024 wurden 2.144 Rauschgiftdelikte und damit 692 Fälle weniger erfasst als im Vorjahr. Es dominieren weiterhin die allgemeinen Verstöße, sogenannte Konsumentendelikte, mit insgesamt 1.486 Fällen. Trotz der Gesetzesänderung zum 1. April 2024 sind 869 Verstöße mit Cannabis und dessen Zubereitungen erfasst. Die Zahl der allgemeinen Verstöße mit Crystal ist leicht rückläufig.
Im Jahr 2024 wurden 198 Verstöße gegen das Konsumcannabisgesetz erfasst.

Die Fallzahl bei unerlaubtem Handel und/oder Schmuggel von Betäubungsmitteln ging um 80 auf nun 252 Fälle zurück.

Entwicklungen in den verschiedenen Kriminalitätsbereichen

Gewaltkriminalität ''(2) (Summenschlüssel)''

Im Bereich der Gewaltkriminalität ist die Anzahl der Fälle leicht um 85 Fälle auf 1.600 gesunken. Das Gros der Delikte im Bereich der Gewaltkriminalität sind erneut gefährliche und schwere Körperverletzungen (1.241) sowie Raub bzw. räuberische Erpressung (298).

Straßenkriminalität ''(3) (Summenschlüssel)''

Im Bereich der Straßenkriminalität ist ein leichter Anstieg ersichtlich. Die Zahl der hier zusammengefassten Delikte stieg um 238 auf nun 7.289. 3.649 dieser Fälle entfallen auf Sachbeschädigungen an Kfz sowie sonstigen Sachbeschädigungen auf Straßen, wobei hier ein deutlicher Anstieg der Fälle (+507) vorliegt.
Teils deutliche Rückgänge der Fallzahlen sind bei Diebstählen an oder aus Kfz, gefährlichen und schweren Körperverletzungen auf Straßen und Taschendiebstählen ersichtlich.

Ergänzung zur Art der Statistik

Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) spiegelt das polizeiliche Ermittlungsergebnis zum Zeitpunkt der Aktenabgabe an die Staatsanwaltschaft oder das Gericht wider. Sie beinhaltet je nach Länge der Bearbeitungsdauer auch Straftaten zurückliegender Zeiträume. Delikte, zu denen die Ermittlungen noch laufen, fehlen dagegen.

Die PKS enthält die der Polizei bekannt gewordenen und bearbeiteten rechtswidrigen Straftaten einschließlich der mit Strafe bedrohten Versuche.

In der PKS werden die von Polizei, Zoll und Bundespolizei bearbeiteten (Straf-)Taten nach bundeseinheitlichen Richtlinien erfasst. Die Auswertung erfolgt territorial, unabhängig davon, durch welche Organisation die Bearbeitung erfolgt.

Nicht enthalten sind Staatsschutzdelikte, Verkehrsdelikte, Ordnungswidrigkeiten sowie Delikte, die nicht zum Aufgabenbereich der Polizei gehören (z. B. Finanz- und Steuerdelikte).

(1) Die Polizeiliche Kriminalstatistik versteht unter Opfer eine natürliche Person, gegen die sich eine mit Strafe bedrohte Handlung unmittelbar richtete. Nicht jeder durch eine Straftat Geschädigte zählt deshalb als Opfer. Opfer werden nur zu ausgewählten, im Straftatenkatalog gekennzeichneten Delikten erfasst.
(2) Gewaltkriminalität setzt sich statistisch gesehen zusammen aus: Mord, Totschlag und Tötung auf Verlangen, Vergewaltigung und sexuelle Nötigung, Raub, räuberische Erpressung, Körperverletzung mit Todesfolge, gefährliche und schwere Körperverletzung, erpresserischer Menschenraub, Geiselnahme und Angriff auf den Luftverkehr
(3) unter dieser Sammelbezeichnung sind alle Delikte registriert, die zu öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen einen Bezug haben


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