8. März: Internationaler Frauentag – »Stark. Sächsisch. Sichtbar. – Junge Frauen zwischen Abwanderung und Aufbruch«

07.03.2026, 15:11 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)

/
Festveranstaltung zum Internationalen Frauentag_Podiumsgespräch (© SMS)

Festveranstaltung zum Internationalen Frauentag_Podiumsgespräch (© SMS)

/
Festveranstaltung zum Internationalen Frauentag_Blick in den Plenarsaal (© SMS)

Festveranstaltung zum Internationalen Frauentag_Blick in den Plenarsaal (© SMS)

/
Festveranstaltung zum Internationalen Frauentag_Ministerin am Stehpult (© SMS)

Festveranstaltung zum Internationalen Frauentag_Ministerin am Stehpult (© SMS)

Gleichstellungsministerin Köpping: »Regionen, in denen Frauen sich sicher fühlen, Perspektiven sehen und mitgestalten können, sind lebenswerter für Alle!«

Anlässlich des morgigen internationalen Frauentages am 8. März hat Sachsens Gleichstellungsministerin Petra Köpping heute rund 140 Gäste zu einem Festakt in den Plenarsaal des Sächsischen Landtags geladen. Musikalisch begleitet wurde die Festveranstaltung durch den Frauenchor »VocalBerries«.

Der Fokus der Veranstaltung richtete sich auf die Perspektiven junger Frauen in ländlichen Gebieten. Neben Staatsministerin Köpping sprachen der Landtagspräsident Alexander Dierks, die Kinder- und Jugendbeauftragte der Sächsischen Staatsregierung Susann Rüthrich, die Kommunale Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Hoyerswerda Korina Jenßen sowie Franziska Stölzel, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit in Potsdam (RIFS). Im Fokus der Podiumsdiskussion standen stellvertretend die Erfahrungen der jungen Frauen Hanna Muriel Richter und Ella Peter, die beide aus ländlichen Regionen Sachsens stammen und sich unter anderem im »Forum junge Perspektiven« der Kinder- und Jugendbeauftragten engagieren.

Gleichstellungsministerin Köpping: »Wir sind als Gesellschaft gemeinsam gefordert, uns darüber auszutauschen und nachzudenken, wie wir Gleichstellung, Teilhabe und gute Lebensbedingungen im ländlichen Raum in Sachsen weiter voranbringen können. Das ist eine zentrale Voraussetzung für soziale Gerechtigkeit, wirtschaftliche Entwicklung und den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. Regionen, in denen Frauen sich sicher fühlen, Perspektiven sehen und mitgestalten können, sind lebenswerter für Alle. Wegzugehen bedeutet für viele junge Menschen persönliche Entwicklung, Erweiterung des eigenen Horizonts. Das ist völlig legitim und sinnvoll. Die Verantwortung von Politik und Gesellschaft liegt darin, Strukturen zu schaffen und zu erhalten, die eine Rückkehr zu guten Bedingungen ermöglichen. So dass Weggehen und auch Wiederzurückkommen eine Entscheidung aus freien Stücken ist. Dass das gelingt, ist eine zentrale Herausforderung für unsere ländlichen Regionen in Sachsen, die sich regional sehr unterschiedlich gestaltet. Eines gilt dabei universell: Eine Gesellschaft, die Frauen nicht schützt, ihre Arbeit nicht anerkennt oder ihre Stimmen leiser werden lässt, die schwächt sich selbst.«

Landtagspräsident Alexander Dierks: »Wer unser Land stärken will, muss Frauen überall gleiche Chancen und Möglichkeiten geben. Der Internationale Frauentag erinnert uns daran: Die Gleichberechtigung von Frauen und Männern muss selbstverständlich sein und in allen Bereichen unserer Gesellschaft gelebt werden. Gerade im ländlichen Raum leisten Frauen einen unschätzbaren Beitrag: in Unternehmen als Unternehmerinnen und Arbeitnehmerinnen, in ehrenamtlichen Strukturen, in der Versorgung vor Ort und bei der Pflege lebendiger Dorfgemeinschaften. Frauen und junge Familien sind die Zukunft des ländlichen Raums, die eine lebens- und liebenswerte Heimat gestalten. Der Internationale Frauentag ist ein wichtiger Anlass, den Frauen in unseren Familien, auf der Arbeit, im Ehrenamt und überall in unserer Gesellschaft Danke zu sagen. Ich persönlich wünsche mir mehr Frauen, die ihre Sicht politisch einbringen, etwa in den Stadt- und Gemeinderäten oder auch in der Landespolitik. Denn eine starke Demokratie lebt von der Vielfalt der Stimmen. Dafür braucht es Frauen, die Verantwortung übernehmen und unsere Zukunft aktiv mitgestalten.«

Ella Peter: »Als Tochter einer alleinerziehenden Mutter mit Behinderung im Erzgebirge aufzuwachsen, hat mich geprägt und sensibilisiert. Nach meinem Umzug in eine Großstadt habe ich jedoch Angst, zurückkehren zu müssen, falls die Versorgung meiner Mutter im Rentenalter nicht gewährleistet werden kann. Für viele junge Frauen ist deshalb die Abwanderung mit Angst, Risiken, aber auch dem Gedanken, in der Region nichts verändern zu können, verbunden. Diesem Gedanken möchten Hanna und ich entgegentreten. Wir müssen lernen, aus Herausforderungen, mit denen wir als junge Frauen im ländlichen Raum konfrontiert werden, Kraft und Selbstvertrauen zu schöpfen. Mit diesen Eigenschaften können wir Gestalterinnen der ländlichen Region werden.«

Hanna Muriel Richter: "Für viele junge Frauen aus dem ländlichen Raum, wie Ella und mich, entscheiden Mobilität sowie gute Ausbildungs- und Arbeitsplätze über ihre Zukunft. Wenn Busse selten fahren oder Arbeitsstellen nur schwer erreichbar sind, schränkt das Chancen, Sicherheit und Selbstbestimmung ein. Gleichzeitig fehlen oft attraktive Ausbildungs- und Arbeitsplätze in strukturschwachen Regionen, die Perspektiven bieten und Leistung anerkennen. Gleichstellung bedeutet für mich, dass junge Frauen echte Wahlfreiheit haben – zu bleiben, zu gehen oder zurückzukommen."

Susann Rüthrich, Kinder- und Jugendbeauftragte der Sächsischen Staatsregierung: »Jungen Frauen zuzuhören ist unerlässlich, wenn wir verstehen wollen, was sie gehen oder bleiben lässt in ländlichen Regionen. So können und sollten wir mit Ihnen gemeinsam darauf hinwirken, dass sie sicher sind und ihre Potentiale ausschöpfen können. Ich bin überzeugt davon, dass sich viele junge Frauen vorstellen können, in den ländlichen Regionen Sachsens ihre Zukunft aufzubauen, wenn die Rahmenbedingungen passen, sie sich wohl fühlen und sie ihr Leben bestmöglich gestalten können.«

Korina Jenßen, Kommunale Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Hoyerswerda: »Das Bündnis Gleichstellung Lausitz, die Mitglieder und ich, setzen uns für eine lebenswerte Lausitz für alle ein. Unser Ziel ist, dass der Strukturwandel geschlechtergerechter wird und dass der besondere Fokus auf Frauen nicht mehr nötig sein wird, weil alle Menschen ihre Bedarfe und Fähigkeiten berücksichtigt wissen. Maßnahmen des Strukturwandels sollten dies fördern. Dabei ist ein guter Arbeitsplatz wichtig. Er allein bestimmt aber nicht das Kommen, Bleiben oder Gehen – das soziale Umfeld ist ein einflussreicher Faktor und die Möglichkeit, eigene Berufs- und Lebensvorstellungen zu verwirklichen.«


zurück zum Seitenanfang