Hügelgräber in der Laußnitzer Heide
26.03.2026, 12:00 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)
Medieninformation
Am heutigen Tag fand ein Pressetermin auf der archäologischen Ausgrabung im Kieswerk Ottendorf-Okrilla / Würschnitz mit dem Titel: "Hügelgräber in der Laußnitzer Heide" statt.
Ansprechpartner vor Ort waren:
- Dr. des. Matthias Conrad, wissenschaftlicher Grabungsleiter (LfA)
- Dr. Saskia Kretschmer, Referatsleiterin (LfA)
- Julia Schönfeld (Kieswerk Ottendorf-Okrilla)
Hintergrund:
Das Kieswerk Ottendorf Okrilla erschließt neue Abbauflächen in der
Laußnitzer Heide. Aus diesem Grund fanden in enger Abstimmung mit dem Investor seit August letzten Jahres archäologische Ausgrabungen statt, die nun kurz vor ihrem Ende stehen. Ein siebenköpfiges Team hat unter der Leitung von Dr. des. Matthias Conrad eine Fläche von insgesamt 7,2 ha untersuchen können.
Bestattungsplatz aus der Zeit der Schnurkeramik
Entdeckt wurden mehrere Grabhügel, die an das Ende der Jungsteinzeit datieren. Es handelt sich um den zweitgrößten Bestattungsplatz aus dieser Zeit in Sachsen, östlich der Elbe. Die zehn ausgegrabenen Hügelgräber wurden im Zeitraum zwischen 2750 bis 2200 vor Christus angelegt und gehören zur sogenannten Kultur der Schnurkeramik. Ihren Namen trägt diese Kultur, die von der Ukraine im Osten bis zur Schweiz und dem Niederrhein im Westen mit verschiedenen Zentren verbreitet war, aufgrund der typischen Verzierung ihrer Keramik: Mit einer zumeist gedrehten Schnur wurden umlaufende Muster in den noch feuchten Ton gedrückt, wodurch die charakteristischen Rillenmuster entstanden.
Obwohl die Menschen zur Zeit des Endneolithikums bereits sesshaft waren und Ackerbau und Viehzucht betrieben, findet man nur selten ihre Siedlungen. Wir kennen aus dieser Zeit vor allem die Gräber dieser Kultur. Typisch sind Bestattungen in Hockerlage unter Grabhügeln, d.h., die Verstorbenen lagen mit angezogenen Beinen auf der Seite. Kennzeichnend ist aber auch eine geschlechtsspezifische Bestattungssitte. Während Männer rechtsseitig mit dem Kopf nach Westen beigesetzt wurden, lagen Frauen linksseitig mit dem Kopf nach Osten.
Überhügelte Gräber
Die Grabhügel in der Laußnitzer Heide waren durch eine erhaltene Hügelschüttung von maximal 0,75 m auch noch obertägig sichtbar. Das ist besonders erwähnenswert, da schnurkeramische Grabhügel durch Erosion und Landwirtschaft fast regelhaft eingeebnet sind und sich im Gelände nicht mehr abzeichnen. Die Hügel hatten durchschnittlich einen Durchmesser von rund sechs bis sieben Metern und waren von tiefen, massiven Kreisgräben umgeben. Die Grabgrube lag im Zentrum der Hügel. Da der Boden in der Laußnitzer Heide sehr kalkarm, also sauer ist, haben sich von den Gebeinen, mit einer Ausnahme, keine Überreste erhalten.
Landesarchäologin Dr. Regina Smolnik: «Die Entdeckung des schnurkeramischen Grabhügelfeldes von Würschnitz zeigt deutlich, wie wichtig systematische archäologische Untersuchungen im Vorfeld von Abbauvorhaben, wie hier im Kieswerk Ottendorf-Okrilla, sind. Wissenschaftliche Fragestellungen und die Dokumentation und Bergung der archäologischen Kulturdenkmale durch ein kompetent und effizient arbeitendes Team des Landesamtes für Archäologie liefern sensationelle Ergebnisse für den Freistaat Sachsen und seine Geschichte. Eine Geschichte, die ansonsten unbeobachtet zerstört worden wäre. Die letzte Gelegenheit, Hügelgräber dieser Zeitepoche in Sachsen zu untersuchen, liegt mehr als 40 Jahre zurück. Allein dieser Umstand zeigt schon, wie bedeutend dieser Fund für Sachsen ist.«
Reiche Beigaben
Bis auf einen Grabhügel, der vermutlich schon zur jüngeren Bronzezeit (1400 -800 v. Chr.) gestört wurde, waren alle übrigen Hügelgräber ungestört und mit reichen Grabbeigaben ausgestattet.
Das Beigabenspektrum bestand aus zahlreichen Tongefäßen, wie Amphoren und Becher, Geräten und Waffen aus Feuerstein und anderen Gesteinsarten. Bemerkenswert ist, dass sich in drei Gräbern alleine 10 Pfeilspitzen aus Feuerstein befanden und dass die sechs aufgefundenen Äxte, sowie die fünf Beile, im Vergleich zu anderen schnurkeramischen Grablegen, überproportional zahlreich sind.
Für Überraschung sorgte der Fund von knapp 20 Kupferperlen in einem Grab, die vermutlich als Halsschmuck getragen wurden. Durch das korrodierte Kupfer hat sich in diesem Grab der Knochen eines Unterkiefers erhalten, die einzige Knochenerhaltung an diesem Bestattungsplatz. Bisher kennen wir in Sachsen nur drei schnurkeramische Gräber mit erhaltenem Kupferschmuck, in Form von kleinen Ringen oder Spiralen. Kupferperlen in dieser großen Anzahl sind bisher einzigartig und die Fundstücke zählen zum ältesten Kupferschmuck in Sachsen!