Medieninformation zum Pressetermin »Ortsumgehung Wellaune«
30.03.2026, 10:30 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)
3000 Jahre alte Hausgrundrisse wie gemalt!
Am heutigen Tag fand ein Presserundgang auf der archäologischen Ausgrabung »Ortsumgehung Wellaune« bei Bad Düben statt.
Ansprechpartner waren:
- Dr. Kathrin Balfanz, wissenschaftliche Grabungsleiterin (LfA)
- Dr. Saskia Kretschmer, Referatsleiterin (LfA)
Hintergrund:
Wellaune bekommt eine neue Ortsumgehung. Aus diesem Grund untersucht das Landesamt für Archäologie Sachsen im Vorfeld die für den Straßenbau benötigten Flächen. Das ist notwendig, denn die zukünftige Straße führt durch ein fundreiches archäologisches Relevanzgebiet.
Nachdem ab Mai letzten Jahres eine Fläche von rund 2 ha untersucht werden konnte, konzentrieren sich seit November 2026 die Arbeiten nun auf ein nordwestlich davon gelegenes Areal.
Siedlungsreste aus der späten Bronzezeit
Ein bis zu zehnköpfiges Team hat unter der Leitung von Dr. Kathrin Balfanz
die exzellent erhaltenen Reste eines Siedlungsplatzes aus der späten Bronzezeit entdeckt. In der Zeit um 1300 bis 1100 vor Christus haben an dieser Stelle sesshafte Menschen rechteckige Langhäuser in Pfostenbauweise errichtet. Sie dienten in der Regel als Wohn-/Stallhäuser. Die Pfosten, die die Außenwände tragen, wurden in ausgehobenen Gräben auf Schwellbalken gesetzt. Darum heißen die Häuser ‚Wandgräbchenhäuser‘.
Diese Gräben zeichnen sich auf der Grabungsfläche scharf ab und umgrenzen die Gebäudegrundrisse.
Zahlreiche Überschneidungen belegen, dass am Fundort Häuser zeitversetzt über einen längeren Zeitraum immer wieder errichtet worden sind. Die hervorragende Erhaltung der spätbronzezeitlichen Hausgrundrisse ist in Sachsen einzigartig. Im anstehenden Boden bilden sich die Grundrisse so deutlich ab, als wären sie gemalt!
Siedlungsreste aus der älteren Römischen Kaiserzeit
Rund 1400 Jahre später suchten die Menschen der älteren Kaiserzeit diesen Siedlungsplatz wieder auf. Das belegt die dort aufgefundene Keramik mit der typischen Rollrädchenverzierung, die in das 1. bis 2. Jahrhundert nach Christus datiert. In der Siedlung aus der älteren römischen Kaiserzeit findet man auch zahlreiche Grubenhäuser. Sie zeichnen sich im anstehenden Boden als dunkle rechteckige Gruben unterschiedlicher Größe ab. Grubenhäuser waren – wie der Name schon sagt – in den Boden eingetieft. Es handelt sich um ‚Nurdachhäuser‘, die weniger zu Wohnzwecken, sondern als Wirtschafts- oder Lagergebäude genutzt wurden.
Die Funde
Das Fundmaterial in Siedlungen besteht zumeist aus für die damaligen Bewohner unbrauchbar gewordenen Gegenständen, die beispielsweise in Abfallgruben entsorgt wurden. Deswegen ist der Anteil an Keramikscherben zerbrochener und zumeist unvollständiger Gefäße sehr hoch. Umso erstaunlicher ist es, dass sich im Bereich der Häuser in Wellaune noch ganze Vorratsgefäße im Boden befanden, die vermutlich zur Lagerung von Getreide / Lebensmitteln dienten.
Bronzezeit zum Hören
Für große Überraschung sorgte schon eine im letzten Jahr in einer bronzezeitlichen Abfallgrube aufgefundene vollständige Tonkugel. Nachdem der etwas feuchte Ton nach der Auffindung getrocknet war, stellte sich heraus, dass sich im Kugelinneren vermutlich kleine Steinchen befinden, die rasseln, wenn man die Kugel bewegt. Im Allgemeinen kommen Bronzerasseln aus dieser Zeit nur in Gräbern vor. Umso erstaunlicher, dass die Tonrassel von Wellaune in einer Siedlungsgrube aufgefunden wurde.
Landesarchäologin Dr. Regina Smolnik: «Die Trassengröße der Ortsumgehung von Wellaune gibt uns die Größe der zu untersuchenden Fläche vor. Die Dichte der allein in diesem Ausschnitt erkennbaren gut erhaltenen Bodenfunde und die Qualität der Hausgrundrisse geben eine Fülle von Informationen preis. Sie gewähren uns und Ihnen einen wertvollen Blick in das Alltagsleben und die Kultur der Menschen vor mehreren Tausend Jahren in unserem Land. Logistisch hat das Landesamt für Archäologie Sachsen mit der Grabung in Wellaune eine große Herausforderung gemeistert. Unsere wissenschaftliche Auswertung dieser Maßnahme wird noch Vieles zum Kenntnisstand über die archäologische Vergangenheit Sachsens beitragen.«