Jetzt erst recht! Die Wiedergründung der Jüdischen Gemeinde Chemnitz | Foyerausstellung 22.05.- 09.08.2026 im smac - Staatliches Museum für Archäologie Chemnitz

21.05.2026, 11:30 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)

/
Hausplakette (© LfA Sachsen/smac, Laura Frenzel)

Kurator Dr. Alexander Walther mit der DDR-zeitlichen Emaille-Plakette der Jüdischen Gemeinde Chemnitz, damals Karl-Marx-Stadt.

Hausplakette (© LfA Sachsen/smac, Laura Frenzel)

Kurator Dr. Alexander Walther mit der DDR-zeitlichen Emaille-Plakette der Jüdischen Gemeinde Chemnitz, damals Karl-Marx-Stadt.

Kurator Dr. Alexander Walther mit der DDR-zeitlichen Emaille-Plakette der Jüdischen Gemeinde Chemnitz, damals Karl-Marx-Stadt.

Jetzt erst recht!

Die Wiedergründung der Jüdischen Gemeinde Chemnitz 1945

Foyerausstellung 22.05. – 09.08.2026 im smac

Nur wenige Monate nach der Befreiung vom Nationalsozialismus wagten Überlebende der Shoah in Chemnitz einen Neuanfang: Am 7. September 1945 gründeten sie die Jüdische Gemeinde neu.
Ab dem morgigen Donnerstag, 22. Mai 2026, erinnert die Foyerausstellung »Jetzt erst recht! Die Wiedergründung der Jüdischen Gemeinde Chemnitz 1945" im smac – Staatliches Museum für Archäologie Chemnitz – mit Bildern von Personen, Orten und Dokumenten an dieses mutige Kapitel der Stadtgeschichte.

Die Ausstellung ist Teil von TACHELES 2026 – Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen – und begleitet die Sonderausstellung »Threads – Verflechtungen", die sich im smac noch bis zum 26. Juli den Biografien jüdischer Familien aus Chemnitz widmet.

Eintritt frei

Öffnungszeiten:
Dienstag, Mittwoch, Freitag: 9–17 Uhr
Donnerstag: 9–20 Uhr
Samstag, Sonntag, Pfingstmontag: 10–18 Uhr

Ein Neuanfang zwischen Trümmern

Als im Mai 1945 der Zweite Weltkrieg endete, lag Chemnitz in Trümmern. Von den einst rund 3.400 Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde hatten nur etwa 70 die Verfolgung überlebt – versteckt, emigriert oder als Überlebende der Konzentrationslager und Ghettos. Was folgte, war bemerkenswert: Bereits am 7. September 1945 gründeten 18 Überlebende die Jüdische Gemeinde Chemnitz neu.
Die Foyerausstellung »Jetzt erst recht!" zeichnet diesen Neuanfang nach und gibt den Menschen, die ihn wagten, ein Gesicht. Im Mittelpunkt stehen die Biografien der 18 Gründungsmitglieder, die sich trotz ihrer traumatischen Erfahrungen entschlossen, in Chemnitz zu bleiben und das jüdische Leben wiederaufzubauen, darunter Siegmund und Marianne Rotstein, Leo und Justin Sonder sowie Salomon Sterinberg.
Anders als bei den in der zeitgleichen »Threads«-Ausstellung präsentierten Familien, gibt es kaum Nachfahren und keinerlei Nachlässe, die tiefere Einblicke in das Privatleben der Menschen erlauben. Die Biografien erzählen eher vom Leben im Chemnitzer Arbeitermilieu oder dem Mittelstand. Viele waren vor der nationalsozialistischen Verfolgung im Kleinhandel tätig oder Angestellte in großen Textilfabriken der Stadt.

Orte der Erinnerung, Orte des Neubeginns

Neben den persönlichen Geschichten rückt die Ausstellung zentrale Orte jüdischen Lebens in Chemnitz in den Blick. Bis zum Bau des Gemeindezentrums in der Stollberger Straße, an dessen Stelle heute die Neue Synagoge steht, war die Gemeinde auf der Suche nach geeigneten Räumen.
Die Ausstellung macht deutlich, wie eng persönliche Biografien und städtische Topografie miteinander verwoben sind. So stellen Siegbert und Anna Fechenbach anfangs ihre Wohnung am Stiftsweg 107 in Chemnitz-Ebersdorf als Gründungs-, Versammlungs- und Gebetsort zur Verfügung. Zeitweilig kommt die Gemeinde im Realgymnasium, dem heutigen Georgius-Agricola-Gymnasium unter. Später nutzt man Räume auf der Straße der Nationen oder am Brühl.

Zwischen Aufbruch und Unsicherheit

Der Neuanfang 1945 war kein selbstverständlicher Erfolg. Die kleine Gemeinde musste sich in einer Gesellschaft behaupten, die vom Nationalsozialismus geprägt und in der Antisemitismus keineswegs verschwunden war. Hinzu kamen die Unsicherheiten der Nachkriegszeit: die sowjetische Besatzung, die Gründung der DDR, später der zunehmende Druck auf religiöse Gemeinschaften. Die Biografien zeigen den vielfältigen Umgang der Gründungsmitglieder mit diesen Bedingungen auf: Manche blieben nur kurz in Chemnitz und emigrierten dann in die USA oder nach Israel, andere lebten bis zu ihrem Tod in Chemnitz und sind auf dem jüdischen Friedhof beerdigt.

Verbindungen zur Gegenwart

Die Geschichte der Wiedergründung der jüdischen Gemeinde vor 81 Jahren ist nicht abgeschlossen. Sie wirkt bis in die Gegenwart hinein und gewinnt im Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen 2026 besondere Aktualität.
Die Foyerausstellung versteht sich als Einladung, diese Geschichte zu entdecken und Verbindungen herzustellen: zur Sonderausstellung »Threads – Verflechtungen", die ebenfalls im smac zu sehen ist, zu den anderen Projekten von TACHELES 2026 und zur Jüdischen Gemeinde in Chemnitz, deren Mitgliederanzahl und -zusammensetzung sich durch innere und äußere Gegebenheiten im stetigen Prozess befindet.

Das modulare Design der Ausstellung aus Aluminiumprofilen und Holzfaserplatten ist an die Sonderausstellung »Threads" angelehnt und unterstreicht diese Verbindung auch visuell.

Die Informationen bleiben auch nach Ende der Ausstellung unter https://tacheles.sachsen.de/ausstellungen/jetzt-erst-recht zugänglich.

Ausstellungskuratoren:

  • Dr. Jürgen Nitscher, Historiker
  • Dr. Alexander Walther, Historiker und wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt TACHELES 2026 – Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen
  • Lara Siegel, Museologie-Studentin an der HTWK Leipzig

Mit besten Grüßen,
Jutta Boehme
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit am smac

PRESSEKONTAKT
Jutta Boehme
mail: presse@smac.sachsen.de
tel: 0371. 911 999 65

ADRESSE | KONTAKT
smac – Staatliches Museum für Archäologie Chemnitz
Stefan-Heym-Platz 1
09111 Chemnitz
mail: info@smac.sachsen.de
tel: 0371. 911 999 0
web: www.smac.sachsen.de


zurück zum Seitenanfang