Alchemisten auf der Burg Gnandstein?

05.06.2026, 08:00 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)

/
Ziegelsteinpflasterung aus der frühen Neuzeit (© Sven Kretzschmar, Landesamt für Archäologie Sachsen)

Ca. 30 qm große Ziegelsteinpflasterung eines frühneuzeitlichen Fußbodens.

Ziegelsteinpflasterung aus der frühen Neuzeit (© Sven Kretzschmar, Landesamt für Archäologie Sachsen)

Ca. 30 qm große Ziegelsteinpflasterung eines frühneuzeitlichen Fußbodens.

Ca. 30 qm große Ziegelsteinpflasterung eines frühneuzeitlichen Fußbodens.
/
Kolbenförmiges Destilliergefäß (© Sven Kretzschmar, Landesamt für Archäologie Sachsen)

Kolbenförmiges Destilliergefäß aus dem 15./16. Jahrhundert. Das Keramikgefäß ist außen teilweise grün, im Inneren gelb glasiert.

Kolbenförmiges Destilliergefäß (© Sven Kretzschmar, Landesamt für Archäologie Sachsen)

Kolbenförmiges Destilliergefäß aus dem 15./16. Jahrhundert. Das Keramikgefäß ist außen teilweise grün, im Inneren gelb glasiert.

Kolbenförmiges Destilliergefäß aus dem 15./16. Jahrhundert. Das Keramikgefäß ist außen teilweise grün, im Inneren gelb glasiert.
/
Kolbenförmiges Destilliergefäß (© Sven Kretzschmar, Landesamt für Archäologie Sachsen)

Das ca. 35 cm hohe Destilliergefäß ist außen teilweise grün, im Inneren gelb glasiert

Kolbenförmiges Destilliergefäß (© Sven Kretzschmar, Landesamt für Archäologie Sachsen)

Das ca. 35 cm hohe Destilliergefäß ist außen teilweise grün, im Inneren gelb glasiert

Das ca. 35 cm hohe Destilliergefäß ist außen teilweise grün, im Inneren gelb glasiert

Fund eines kolbenförmiges Sondergefäßes bei baubegleitender Untersuchung

Die Burg Gnandstein liegt im Ortsteil Gnandstein der Stadt Frohburg, im Landkreis Leipzig. Die Entstehung dieser hervorragend erhaltenen Anlage geht in das 13. Jahrhundert zurück.
Obwohl eine umfassende Sanierung in den Jahren 1994 bis 2004 durchgeführt wurde, fallen im Burgbereich immer wieder Baumaßnahmen an, die das LfA baubegleitend betreut. Die letzte Untersuchung war notwendig, da im Bereich des abgebrochenen Westwerks der Burg umfassende Baumaßnahmen stattfanden und u.a. ein Technikraum eingebaut wurde.
Die Untersuchungsfläche umfasste rund 225 qm und war bereits durch ältere Baumaßnahmen gestört. Dennoch konnte eine ca.30 qm große Ziegelsteinpflasterung eines frühneuzeitlichen Fußbodens freigelegt werden. Zugleich fanden sich teilweise grün glasierte Bodenfliesen aus dem frühen 16. Jahrhundert.
Unter den keramischen Funden sticht ein hohes, kolbenförmiges Gefäß mit drei Standfüßen und einem geraden, steilen Hals besonders hervor. Von außen ist es teilweise grün und im Inneren gelb glasiert und kann in das 15./16. Jahrhundert datiert werden. Bei diesem Gefäß handelt es sich zweifelsfrei um einen Destillierkolben, auf dessen schmalen Hals ein kuppelförmiger Helm aufgesetzt wurde, an dem der Dampf der zu destillierenden Flüssigkeit kondensierte und abgeleitet werden konnte.
Vermutlich diente das Gefäß zu alchemistischen Zwecken. Obwohl Alchemie nicht selten mit Goldmacherei oder Scharlatanerie gleichgesetzt wird, handelte es sich im Mittelalter und in der frühen Neuzeit auch um das Erforschen von Phänomenen und Naturwissenschaften und fand auch im Berg- und Hüttenwesen Verwendung. Ebenso wurden Mineralsäuren wie Schwefelsäure oder Salpetersäure im Destillationsverfahren hergestellt, aber auch Extrakte aus Kräutern, Blättern, Samen, Früchten etc.. Es gab praktisch nichts, was nicht destilliert wurde! Eine gewiss nicht unerhebliche Rolle wird auch die Destillation von Wein zu Branntwein, dem aqua vitae simplex, gespielt haben. Durch die anschließende Zugabe von Drogen aller Art nach der Destillation stellte man so vermeintlich heilende Tinkturen her. Besonders für dieses Verfahren nutze man vorwiegend Glas- oder Keramikgefäße, da man annahm, dass Metallgefäße Giftstoffe freisetzen.
Da in dem Destillationskolben von der Burg Gnandstein keine Rückstände gefunden wurden, können wir über die Art der Destillation mit diesem Gefäß nur spekulieren.


zurück zum Seitenanfang