Sächsischer Staatspreis Ländliches Bauen 2026 geht nach Schlegel, Schmilka, Adorf/Vogtland und Nerchau

26.06.2026, 15:02 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)

Staatsministerin Kraushaar: »Preisträger zeigen, wie Neues für Familien, Betriebe, Vereine und ganze Dorfgemeinschaften wachsen kann«

Sächsischer Staatspreis Ländliches Bauen 2026 geht nach Schlegel, Schmilka, Adorf/Vogtland und Nerchau
Staatsministerin Kraushaar: »Preisträger zeigen, wie Neues für Familien, Betriebe, Vereine und ganze Dorfgemeinschaften wachsen kann«

Die vier Staatspreise für Ländliches Bauen gehen in diesem Jahr nach Schlegel (Landkreis Görlitz), Schmilka (Landkreis Sächsische Schweiz – Osterzgebirge), Adorf/Vogtland (Vogtlandkreis) und Nerchau (Landkreis Leipzig). Staatsministerin Regina Kraushaar hat heute (26. Juni 2026) im Jagdschloss Graupa (Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge) die Preisträgerinnen und Preisträger ausgezeichnet. Gewürdigt werden Bauprojekte, die zeigen, wie bestehende Gebäude im ländlichen Raum weitergenutzt, Ortsbilder gestärkt und neue Nutzungen in Dörfern und Kleinstädten verankert werden können.

Die mit jeweils 5.000 Euro dotierten Staatspreise des Sächsischen Staatsministeriums für Infrastruktur und Landesentwicklung werden in den Kategorien Wohnen, Gewerbe, öffentliche Nutzung und multiple Nutzung vergeben. Eine Fachjury hatte die eingereichten Projekte bewertet und die Preisträger ausgewählt. Zusätzlich erhalten 20 weitere Projekte eine Auszeichnung.

Staatsministerin Regina Kraushaar sagte bei der Preisverleihung: »Baukultur im ländlichen Raum braucht Menschen, die Verantwortung für ihren Ort übernehmen – oft mit viel Herzblut, Ausdauer und gelebter Verantwortung. Und genau dieses Engagement nehmen wir mit unserem Staatspreis Ländliches Bauen in den Blick. Die Preisträger zeigen, wie etwas Neues entstehen kann: für Familien, Betriebe, Vereine und ganze Dorfgemeinschaften. Alte Substanz wird nicht einfach nur erhalten, sondern klug weitergedacht und neu genutzt. Wer im ländlichen Raum baut, baut nicht nur ein Haus. Er prägt das Gesicht seines Ortes. Genau dieses Engagement würdigen wir.«

Der Staatspreis in der Kategorie Wohnen geht an Caterina und Christoph Zimmermann für die Sanierung eines Umgebindehauses im Zittauer Ortsteil Schlegel (Landkreis Görlitz). Das Gebäude nahe der Kirche stand seit 1998 leer und war stark geschädigt. Die Bauherren haben es behutsam instandgesetzt und zu einem Wohnhaus für ihre Familie umgebaut. Die Jury würdigte die sensible Planung, den sorgfältigen Umgang mit der historischen Substanz und den Einsatz traditioneller Handwerkstechniken. Unterstützt wurde das Vorhaben unter anderem durch den Denkmalschutz, die Stiftung Umgebindehaus und die LEADER-Region.

In der Kategorie Gewerbe werden Henrike und Tom Schoper vom Architekturbüro schoper.schoper für den Umbau eines ehemaligen Waldarbeiterhauses zu einem Ferienhaus in Schmilka (Ortsteil von Bad Schandau, Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge) prämiert. Aus dem baufälligen Gebäude entstanden zwei Ferienwohnungen, die alte Bauteile sichtbar erhalten und neue Elemente bewusst ergänzen. Ein großes Rundfenster im Giebel setzt einen prägnanten Akzent in den Ort und entfaltet im Innenraum eine besondere Wirkung. Die Jury hob das spannungsvolle Miteinander von Alt und Neu sowie den ideenreichen Umgang mit Material und Bestand hervor.

Der Staatspreis in der Kategorie öffentliche Nutzung geht an die Stadt Adorf/Vogtland für das Erlebnismuseum Perlmutter in Adorf (Vogtlandkreis). Historische Bestandsbauten und ein markanter Neubau bilden gemeinsam einen Museumskomplex, der die Altstadt aufwertet. Der Neubau wird von einer gekrümmten Betonschale geprägt, deren Form an eine Muschel erinnert. Besucherinnen und Besucher können dort das Leben der Flussperlmuschel, die Perlenfischerei und die Geschichte der Perlmutterverarbeitung im Oberen Vogtland erleben. Die Jury würdigte das Projekt als Impuls für Stadt und Region und als sichtbares Zeichen eines gelungenen Strukturwandels.

In der Kategorie multiple Nutzung wird die Ev.-Luth. Kirchgemeinde Nerchau für die Sanierung und den Umbau einer Pfarrscheune zum Begegnungsort im Grimmaer Ortsteil Nerchau (Landkreis Leipzig) ausgezeichnet. Die denkmalgeschützte Feldsteinscheune aus dem 17. Jahrhundert war stark beschädigt. Heute wird sie für Trauerfeiern, als Winterkirche, für Vereine, Konzerte, Theater sowie als Übernachtungsmöglichkeit für Pilgernde und Radreisende genutzt. Das Projekt zeigt, wie ein historisches Gebäude mit einem klaren Konzept dauerhaft erhalten und zu einem Ort der Begegnung für viele Generationen werden kann.

Staatsministerin Regina Kraushaar gratulierte den Preisträgern: »Herzlichen Glückwunsch an alle Ausgezeichneten. Ihre Projekte machen Mut, weil sie zeigen, was mit Ideen, Ausdauer und Vertrauen in den eigenen Ort möglich ist. Mein Dank gilt allen, die sich am Wettbewerb beteiligt haben, der Jury und den vielen Planerinnen, Planern und Handwerksbetrieben, die solche Vorhaben möglich machen. Fast 100 Wettbewerbsbeiträge zeigen: Baukultur ist im Freistaat Sachsen in ländlichen Räumen sehr vielfältig und lebendig.«

Neben den vier Staatspreisen vergab die Jury 20 weitere Auszeichnungen. Sie zeigen, wie breit ländliche Baukultur in Sachsen aufgestellt ist: In Uhlsdorf wurde eine Scheune zur Biokisten-Packstrecke erweitert, in Liemehna ein alter Gasthof zum Dorfbegegnungszentrum umgebaut, in Baruth ein Torhaus zur modernen Zahnarztpraxis saniert und in Jahnsbach ein ehemaliges Bahnhofsensemble zum Dorfzentrum entwickelt. Die ausgezeichneten Projekte reichen von Wohnhäusern und Ferienunterkünften über Orte für Bildung, Kultur und medizinische Versorgung bis zu gewerblichen Nutzungen und Freiräumen.

Hintergrund
Der Sächsische Staatspreis Ländliches Bauen würdigt Bauprojekte, die zur Qualität und Zukunftsfähigkeit der Dörfer und Kleinstädte im Freistaat beitragen. Im Mittelpunkt stehen gelungene Sanierungen und Umnutzungen, Neubauten im bestehenden Ortsgefüge sowie dörfliche Freianlagen. Bewerben konnten sich private Bauherren, Kommunen sowie Architektinnen und Architekten mit Projekten, die im ländlichen Raum Sachsens realisiert wurden.

Der Staatspreis Ländliches Bauen ist Teil der Initiative »Baukultur verbindet« des Sächsischen Staatsministeriums für Infrastruktur und Landesentwicklung. Er knüpft an eine lange Tradition an. Bereits 1993 hat der Freistaat erstmals einen Wettbewerb zum »Landwirtschaftlichen Bauen« ausgelobt. Der Staatspreis Ländliches Bauen 2026 findet zum 20. Mal statt.

Der Staatspreis wird finanziert mit Landesmitteln auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushalts.

Alle ausgezeichneten Projekte und eine Wettbewerbsbroschüre sind auf der Website zum Staatspreis Ländliches Bauen abrufbar.


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