Spitzengespräch zur Lage der sächsischen Wirtschaft: Gemeinsames Zielbild 2040 erarbeitet
11.09.2026, 13:41 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)
Impulse für Sachsen 2040: Chancen nutzen, Zukunft gestalten
Globaler Wettbewerb, geopolitische Spannungen, Krisen, Demografie und Energietransformation stellen die sächsische Wirtschaft vor große Herausforderungen und setzen die Industrie unter Druck. Gleichzeitig verfügt der Freistaat über starke Grundlagen: eine leistungsfähige Industrie, einen innovativen Mittelstand und eine exzellente Forschungslandschaft.
Jenseits der wichtigen Aufgaben mit den tagtäglichen Herausforderungen ist es ebenso wichtig, ein Zielbild für die Entwicklung der sächsischen Wirtschaft zu formulieren. Unsere gemeinsame Aufgabe ist es, jetzt die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Sachsen in zehn/fünfzehn Jahren stärker und wettbewerbsfähiger ist. Um diesen Weg gemeinsam zu gestalten, wurden die Spitzen von Wirtschaft, Gewerkschaften und Regierungsfraktionen in Sachsen im vergangenen Herbst von Staatsminister Dirk Panter zum »Spitzengespräch zur Lage der sächsischen Wirtschaft« eingeladen. Alle Beteiligten sind seitdem jenseits medialer Berichterstattung in mehreren Diskussionsrunden zu einem intensiven Prozess zusammengekommen, um sich über Herausforderungen, Prioritäten und konkrete Maßnahmen zu verständigen. Hinzu kamen zahlreiche Sitzungen von vier thematischen Arbeitsgruppen.
Ziel war es, nicht nur kurzfristige Maßnahmen für die aktuellen Herausforderungen zu diskutieren, sondern ein gemeinsames positives Leitbild für die sächsische Wirtschaft im Jahr 2040 und darüber hinaus zu entwickeln – und den Weg dahin aufzuzeigen. Im Mittelpunkt standen vier Zukunftsfragen: die Zukunft der Wirtschaft, die Zukunft der Arbeit, die Zukunft der Energieversorgung und die Zukunft der sächsischen Wirtschaftsförderung.
Ergebnis dieses Prozesses ist das nun vorliegende Papier mit einem gemeinsamen Zukunftsbild für Sachsen 2040. Es formuliert das ambitionierte Ziel, dass Sachsen perspektivisch zu den Top 3 der Bundesländer beim BIP-Wachstum gehören soll.
Stärken ausbauen – Innovationswirtschaft stärken
Sachsen will seine Stärken besser ausspielen: starken Mittelstand und Handwerk, industrielle Kompetenz, die einzigartige Forschungs- und Wissenschaftslandschaft, Mikroelektronik, Life Sciences, KI, Robotik und Automatisierung sowie eine starke Gründungs- und Innovationskultur. Der Freistaat will nicht nur verlängerte Werkbank sein, sondern den Weg zur Innovationswirtschaft fortsetzen – mit mehr Größenwachstum bei Unternehmen, mehr Start-ups und einer stärkeren Verbindung von Forschung und Wirtschaft. Dazu gehört ein Staat, der nicht bremst, sondern ermöglicht: schnellere Genehmigungen, digitale Verwaltung, weniger Bürokratie und eine Wirtschaftsförderung, die einfacher und stärker auf Zukunftsthemen ausgerichtet ist.
Fachkräftesicherung als gemeinsame Aufgabe
Bis 2040 werden dem Arbeitsmarkt jedes Jahr etwa 15.000 Menschen im Erwerbsalter weniger zur Verfügung stehen. Gleichzeitig braucht die Transformation mehr qualifizierte Fachkräfte. Deshalb sollen alle Arbeitskräftepotenziale aktiviert werden: junge Menschen besser von Schule in Ausbildung und Beruf bringen, Weiterbildung und lebenslanges Lernen stärken, Menschen mit Behinderungen und Menschen mit Vermittlungshemmnissen besser in Arbeit bringen, internationale Fachkräfte gewinnen und integrieren und gute Rahmenbedingungen schaffen, damit Menschen in Sachsen bleiben. Dabei ist Fachkräftesicherung eine gemeinsame Aufgabe von Unternehmen und Politik.
Energieversorgung: Bezahlbarkeit, Sicherheit, Umweltverträglichkeit
Bei der Energieversorgung bestehen gemeinsame Leitplanken: Bezahlbarkeit, Versorgungssicherheit und Umweltverträglichkeit gehören zusammen. Sachsen soll auch künftig Energieland und Energieexportland bleiben. Dafür braucht es einen schnellen Netzausbau, wettbewerbsfähige Energiekosten und die Voraussetzungen für neue Technologien – insbesondere für Wasserstoff. Vordringliche Aufgabe bleibt die effiziente Nutzung von Energie: Sachsen setzt weiter auf moderne und innovative Technologien zur Steigerung der Energieeffizienz und auf Anreize, Energie möglichst sparsam und ressourcenschonend einzusetzen. Ziel ist 2040 auf dem Transformationspfad zur Klimaneutralität auf Augenhöhe mit den anderen Bundesländern zu sein, insbesondere im Vergleich zu den Flächenländern.
Wirtschaftsförderung als Transformationsmotor für Wachstum, Innovation und Beschäftigung
Die Wirtschaftsförderung des Freistaates Sachsen richtet sich konsequent an den großen Transformationsherausforderungen der Unternehmen aus. Mit branchenübergreifender und einer deutlich stärkeren betriebsgrößenoffenen Unterstützung stärkt sie Innovation, Digitalisierung und KI, sichert Fachkräfte, fördert Nachhaltigkeit und Klimaschutz, treibt Internationalisierung voran und stabilisiert relevante Lieferketten. Zudem soll die mittelbare betriebliche Förderung wie z. B. für duale Ausbildung, betriebliche Weiterbildung sowie Beratung von KMU aufrechterhalten werden. Um diese Schwerpunkte besser zu adressieren soll u.a. die Förderarchitektur als »Unternehmensförderung aus einer Hand« in Form eines »Modularen Förderbaukastens« digital, einfach und transparent gestaltet werden – mit reduzierten Auflagen, standardisierten Verfahren und weitgehend automatisierter Bewilligung. Im Fokus stehen die Anstoßwirkung für Zukunftsinvestitionen, eine verbesserte Passgenauigkeit zu den Bedarfen der Wirtschaft sowie die Berücksichtigung branchenspezifischer Besonderheiten. Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und der Aufbau sowie die Sicherung von Beschäftigung müssen im Vordergrund stehen.
»Impulse für Sachsens Wirtschaft 2040: Chancen nutzen, Zukunft gestalten«
Die ausführlichen Zielbilder 2040 zur Zukunft der Wirtschaft, der Arbeit, der Energieversorgung und die Zukunft der sächsischen Wirtschaftsförderung sowie die entsprechenden kurz-, mittel- und langfristigen Maßnahmen können der beigefügten Anlage »Impulse für Sachsens Wirtschaft 2024: Chancen nutzen, Zukunft gestalten« entnommen werden.
Der Sächsische Staatsminister für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz, Dirk Panter, die Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes Sachsen, Daniela Kolbe, und der Präsident der Vereinigung der Sächsischen Wirtschaft, Dr. Jörg Brückner, haben heute im Rahmen eines Pressegespräches über die Ergebnisse des »Spitzengesprächs zur Lage der sächsischen Wirtschaft" informiert.
Staatsminister Dirk Panter: »Das heute vorgestellte Papier ist ein gemeinsamer Kompass für die kommenden Jahre. Denn in herausfordernden Zeiten braucht es ein gemeinsames Verständnis, um das Beste für Sachsen zu erreichen. Das ist uns gelungen: Das Papier verbindet wirtschaftliche Dynamik mit sozialer Verantwortung. Das wichtigste Ergebnis ist das gemeinsame Verständnis: Sachsen soll ein starker Industrie- und Mittelstandstandort bleiben. Es braucht mehr Innovation, Investitionen und Wertschöpfung im Land. Fachkräftesicherung ist eine der zentralen Aufgaben der kommenden Jahre. Energie muss bezahlbar und sicher sein und die Transformation planbar gestaltet werden. Ich danke allen Beteiligten, die den Prozess mitgestaltet haben sehr herzlich. Es zeigt sich, dass wir gemeinsam die Zukunft Sachsens gestalten wollen.«
Arbeitgeberpräsident Dr. Jörg Brückner: »Sachsens Wirtschaft steht unter erheblichem Druck. In den vergangenen drei Jahren sind allein in der sächsischen Industrie rund 19.000 Arbeitsplätze verloren gegangen – und die Beschäftigungspläne vieler Unternehmen geben noch keinen Anlass zur Entwarnung. Bei allen Unterschieden über den richtigen Weg eint uns ein Ziel: Vorfahrt für Wirtschaft, Wachstum und Wertschöpfung in Sachsen. Das Zielbild 2040 ist ein wichtiger Schritt, schafft und sichert allein aber noch keinen Arbeitsplatz. Jetzt müssen konkrete Reformen folgen: Arbeit muss sich wieder lohnen, die Menschen müssen endlich mehr Netto vom Brutto haben, die Sozialversicherungen müssen nachhaltig finanziert und Unternehmen steuerlich wie bürokratisch entlastet werden. Der Staat muss sich auf seine Kernaufgaben konzentrieren. Neue Schulden sind keine Lösung, sondern ziehen wachsende zinsliche Belastungen nach sich. Und wir müssen dafür sorgen, dass Bildung und Ausbildung sowie Infrastruktur und Energieversorgung wieder zu echten Standortvorteilen werden. Nur so wird aus dem gemeinsamen Zielbild wirtschaftliche Realität – mit mehr Wachstum, Investitionen und sicheren Arbeitsplätzen.«
Daniela Kolbe, Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes Sachsen:
»Die Wirtschaft und der Arbeitsmarkt in Sachsen müssen zukunftsfest gemacht werden. Dafür treten wir gemeinsam an. Die Herausforderungen aus den multiplen Krisen schlagen bereits massiv auf den Arbeitsmarkt und insbesondere die Industrie in Sachsen durch. Viele Beschäftigte sind verunsichert und bangen um ihre Jobs. Jetzt gilt es, dass die Staatsregierung und die Sozialpartner an einem Strang ziehen und gemeinsam für sichere und gute Arbeitsplätze mit Zukunft und die soziale Absicherung der Menschen in die Offensive gehen. Investitionen in die Wirtschaft und eine starke soziale Sicherheit für alle Menschen in Sachsen gehören zusammen und müssen Hand in Hand gehen. Notwendig sind: Investitionen in die Wirtschaft, die Bildung und die soziale Infrastruktur. Tarifverträge bieten den Beschäftigten Sicherheit, höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen. Nur mit attraktiven Ausbildungs-, Arbeits- und Lebensbedingungen in den Städten und in den ländlichen Regionen sind Fachkräfte aus dem In- und Ausland zu halten und zu gewinnen.«