Grenzerfahrungen. Protest. Umbruch – Was Plauen bewegt(e)!?

14.09.2026, 11:39 Uhr — 1. Korrektur (aktuell)

Presse-Einladung zum 15. Sächsischen Geschichtscamp 2026 vom 21. bis 25.09.2026 und dessen Eröffnung am 22. September 2026 im Rathaus Plauen.

In diesem Jahr findet das Geschichtscamp in Plauen in Zusammenarbeit u.a. mit dem Deutsch-Deutschen Museum Mödlareuth und dem Rathaus Plauen statt. In der Stadt begannen schon am 7.10.1989 nicht genehmigte Demonstrationen, denen die Staatsmacht nicht mehr Herr wurde. Plauen nimmt folglich eine wichtige Rolle in der Revolution und Wiedervereinigung ein.
1952 führte die Staatsmacht eine große gewaltvolle Aussiedlungsaktion mit dem Namen Aktion Ungeziefer durch. Als »unzuverlässig eingeschätzte« Anwohner wurden gegen ihren Willen und ohne Kenntnis von Gründen und des Ziels aus dem grenznahen Gebiet in das Landesinnere gebracht.
Im Nahen Mödlareuth verlief die Grenze mit ihren tödlichen Sperren. Dort informiert heute das Deutsch-Deutsche Museum Mödlareuth, das die Teilnehmenden am Mittwoch besuchen werden.
In acht Workshops werden u.a. diese und verschiedene andere für den Ort und die Region relevante Themen untersucht. Die Workshops haben Zeitzeuginnen und Zeitzeugen zu Gast und arbeiten mit Originalakten des MfS bzw. mit Auskünften von Experten. Über das Gespräch mit diesen gewinnen die Teilnehmenden einerseits einen tieferen Einblick in das repressive Regime der SED und andererseits ermöglicht das einen generationenübergreifenden Diskurs über das Leben im sozialistischen deutschen Staat und über den Systemwechsel nach 1989.

Pressevertreter sind herzlich eingeladen u.a. zur:

Eröffnung des 15. Geschichtscamps mit

Herrn Dr. Marcus von Salisch, LaSuB Standortleiter Zwickau
und
Herrn Ministerialrat Rüdiger Hocke, Kultusministerium Baden-Württemberg
am Dienstag, den 22. September 2026, 9.30 Uhr im Rathaus Plauen.

Ablauf:

  • 09.30 - 10.45 Uhr - Eröffnung und Podiumsgespräch: Herr Dr. Marcus von Salisch, LaSuB Standortleiter Zwickau/ Herr Ministerialrat Rüdiger Hocke, Kultusministerium Baden-Württemberg/ Frau Steffi Unger in Stellvertretung der Sächsischen Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur / Herr Clemens Uhlig, Stadtarchiv Plauen

Moderation: Herr Ingolf Thiele, LaSuB

– Pause -

  • 11.15 - 12.45 Uhr - Eröffnungsvortrag mit Gespräch: »Staatssicherheit in Plauen, Sachsen und andernorts. Die Recherche und die Quellen.«

Vortragender: Herr Prof. Dr. Müller-Enbergs (lehrt zu Nachrichtendienstgeschichte)

Plauen:

»1989 begannen die Proteste gegen das vorherrschende Regime der damaligen DDR. Der 7.10.1989 in Plauen gilt als auslösender Funke, denn hier fand die erste Massendemonstration auf dem Gebiet der ehemaligen DDR statt, die friedlich blieb. Dem Aufruf Plauener Oppositioneller zu einer Demonstration auf dem Otto-Grotewohl-Platz folgen ca. 15.000 Bürger.

Geschichtswissenschaftler sehen in Plauen ein Epizentrum und einen Hotspot der friedlichen Revolution 1989 in der DDR. Die spontane Massendemonstration am 7. Oktober 1989 wird als »Moment der Revolution«, als »das eigentliche Beben«, als »erster Sieg über die Staatsmacht« und als »Durchbruch« bewertet, zwei Tage vor den Ereignissen am 9. Oktober in Leipzig, die jedoch die Entscheidung brachten. Plauen gilt als erste ostdeutsche Stadt, die einen geeinten Willen zur Wende ausdrückte; sie war die einzige, in der der ostdeutsche Umbruch von Anfang an eine Sache der Massen war. Zwischen Oktober 1989 und Mai 1990 spielte Plauen weiterhin eine Sonderrolle: Es hatte sich nicht nur zeitlich an die Spitze der Bewegung gesetzt, sondern hob sich für eine Stadt mittlerer Größe mehrfach durch besonders hohe Teilnehmerzahlen an den Samstagsdemonstrationen hervor: 35.000 oder gar 40.000 waren es am 21.10.89, etwa 30.000 am 28.10.89. Die Stadt war bis zum März 1990 Schauplatz von insgesamt 22 Massendemonstrationen. In Plauen verband sich sehr früh das Verlangen nach Reisefreiheit mit dem Wunsch nach Wiedervereinigung. Auch inhaltlich befand sich die Stadt, deren Forderungen in Richtung deutscher Einheit in der DDR am weitesten gingen, an der Spitze.«
Quelle: https://www.plauen.de/Zukunftszentrum-/Informationen-zum-Zukunftszentrum/Warum-Plauen-/

Das Deutsch-Deutsche Museum in Mödlareuth:

»Zielsetzung des Deutsch-Deutschen Museums Mödlareuth ist die Darstellung der Geschichte der deutschen Teilung in ihrer Gesamtheit. Nicht nur Mauer und Stacheldraht, sondern auch die politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und alltagsgeschichtlichen Aspekte dieser Teilung werden thematisiert. Informationen werden, wenn möglich, exemplarisch anhand regionaler und lokaler Beispiele erläutert. Der zeitliche Rahmen beginnt 1944/45 mit der Festlegung der Besatzungszonen und dem Ende des Zweiten Weltkrieges und endet mit der Friedlichen Revolution 1989 und der (Wieder-)Vereinigung 1990 und ihren Auswirkungen bis in die Gegenwart. Inhaltliche Schwerpunkte bilden dabei die Themenbereiche Sperranlagen, Grenzüberwachungsorgane, Zwangsaussiedlungen, Grenzübergangsstellen, »Illegale Grenzübertritte«/Flucht, wirtschaftliche/verkehrstechnische Auswirkungen, Alltag an der Grenze sowie Friedliche Revolution und (Wieder-)Vereinigung.
An diesem für die Geschichte der deutschen Teilung bedeutsamen historischen Ort sind Teile der 700m langen Betonsperrmauer, des Metallgitterzaunes sowie der Beobachtungsturm im Original erhalten geblieben. Die heutige Gedenkstätte verfügt über ein Außengelände, einen Ausstellungsbereich, museumspädagogische Räume sowie eine museale Infrastruktur mit Medienarchiv, Archiv, Bibliothek sowie Depots und ist auf allen Feldern der klassischen Museumsarbeit (Sammeln, Bewahren, Dokumentieren, Forschen, Vermitteln) tätig. Sie ist ein außerschulischer Lernort für gegenwärtige und zukünftige Generationen im Rahmen der historisch-politischen Bildung. Ihr Zweck besteht darin, ein Zeugnis für die Verbrechen der SED-Diktatur, ein Ort der Erinnerung an die deutsche Teilung und des Gedenkens an deren Opfer zu sein.«
Quelle: https://www.moedlareuth.de/

Sächsisches Geschichtscamp

Das Sächsische Geschichtscamp bietet die Möglichkeit, spannende Themen der DDR - Geschichte zu erforschen. Zum Programm gehören u.a. Einblicke in Stasi-Akten, Zeitzeugengespräche, Diskussionen mit Expertinnen und Experten sowie der Besuch historischer Orte. Die intensive gemeinsame Arbeit an einem Thema unserer Geschichte soll die teilnehmenden 52 Schülerinnen und Schüler aus dem ganzen Bundesgebiet auch auf eigene Projektarbeiten an der Schule vorbereiten.
Erfahren Sie mehr auf unserer Webseite: https://www.geschichtscamp.de/

Ansprechpartner im Landesamt für Schule und Bildung:

Herr Ingolf Thiele
ingolf.thiele@lasub.smk.sachsen.de
0341 49 45 657


Verlauf der Medieninformation

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