Die Etrusker. Götter, Gräber und Gelage: Neue Sonderausstellung | 30.10.2026 – 29.03.2027 im smac – Staatliches Museum für Archäologie Chemnitz
28.10.2026, 12:25 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)
Die Übersicht der 29 Pressebilder finden Sie in der Pressemitteilung im Anhang (PDF)
Sie waren Seefahrer, Genussmenschen und brachten vor über 2.500 Jahren griechischen Chic in die Toskana: die Etrusker. Am kommenden Freitag, 30. Oktober 2026, eröffnet das smac – kurz für: Staatliches Museum für Archäologie Chemnitz – seine neue Sonderausstellung »Die Etrusker. Götter, Gräber und Gelage«.
Bis Ostermontag, 29. März 2027, präsentiert die Schau Geschichte, Handel, Kunst, Götter, Alltagskultur und Eigenheiten dieser ersten antiken Hochkultur auf dem Gebiet des heutigen Italiens.
Dr. Sabine Wolfram, Direktorin des smac:
»Toskana, Latium und Umbrien haben mehr zu bieten als Wein, Strände und schöne Landschaften. Die Überreste der etruskischen Kultur sind allgegenwärtig mit ihren Stadtruinen und Nekropolen.
Die Wandmalereien in den Totenstädten von Tarquinia und Cerveteri sind weltberühmt. Alabaster, ein Material, das die Etrusker zur Herstellung von Schmuck, zarten Gefäßen und reliefierten Urnenkästen nutzten, wird noch heute dort verarbeitet.
Mit der Ausstellung »Die Etrusker. Götter, Gräber und Gelage« zeigt das smac nach »Pompeji und Herculaneum« (2022/23) wieder ein Thema der Klassischen Antike. Doch dieses Mal – und das macht es so reizvoll und spannend – sind es nicht die allseits bekannten Römer, sondern mit den Etruskern eine Hochkultur, die bereits vor den Römern im italischen Raum Großes schuf.«
Die Ausstellung gliedert sich in sechs Bereiche:
1 – Einführung / 2 – Kultureller Austausch / 3 – Die etruskische Gesellschaft / 4 – Die Religion der Etrusker / 5 – Leben nach dem Tod / 6 – Die Etrusker und Rom.
BEREICH 1 – Einführung: Die Etrusker
Archäologisch kann man die Etrusker vom 9. bis 1. Jh. v. Chr. in der heutigen Toskana, Umbrien und Latium nachweisen. Auch Schriftquellen berichten von ihnen: Griechen nannten sie Tyrrhenoi, die Römer Tusci oder Etrusci. Die Bezeichnungen leben bis heute als Tyrrhenisches Meer, Toskana und Etrusker weiter. Der Name Rasna, den sie sich selbst gaben, ist hingegen verschwunden.
Hervorgegangen ist die etruskische Hochkultur aus der Villanova-Kultur des 9./8. Jh. v. Chr. Diese hat ihren Namen von einem Ort nahe Bologna und wird als früheste Phase der etruskischen Kultur betrachtet. Die günstigen klimatischen Bedingungen, die fruchtbaren vulkanischen Böden und die reichen Metallvorkommen sorgten für reiche Ernte und eherne Ausbeute. Landwirtschaftlichen Produkte wie beispielsweise Wein, Olivenöl und Getreide sowie die Metalle Bronze, Zinn und Eisen machten die Etrusker zu begehrten Handelspartnern im gesamten Mittelmeerraum. Vor allem aber durch den Austausch mit den Griechen erhielt das Gebiet einen kulturellen Schub. Der Handel brachte den Etruskern Reichtum und Input. Ihre Kultur erblühte.
Das Ende der Etrusker im 1. Jahrhundert v. Chr. kam mit der Übermacht Roms. »Das Etruskische« ging durch Kriege und Bündnisse schließlich im Römischen Reich auf.
Die Epochen der etruskischen Kultur
900 – 725 v. Chr. Frühetruskische Zeit (Villanova-Kultur)
725 – 580 v. Chr. Orientalisierende Zeit
580 – 480 v. Chr. Archaische Zeit
480 – 325 v. Chr. Klassische Zeit
325 – 90 v. Chr. Hellenistische Zeit
BEREICH 2 – Kultureller Austausch
Die sogenannte orientalisierende Phase (725–580 v. Chr.) ist geprägt vom Austausch mit anderen Kulturen des Mittelmeerraums und des Gebiets nördlich der Alpen. Güter, Menschen und Ideen werden mobil. Als wertvolles Handelsgut sind Metalle, Salz und Agrarprodukte in Etrurien reichlich vorhanden. Der Austausch mit dem östlichen Mittelmeergebiet ist bereits ab dem 8. Jh. v. Chr. zu fassen.
In einer geldlosen Gesellschaft stellen wertvolle und exotische Geschenke eine wichtige Art der Beziehungspflege dar. Als Prestigeobjekte finden sie ihren Weg in die Gräber, wo sie im Rahmen der Totenfeiern weiter ihre Wirkung erzielen können. Besonders beliebt waren kleine Gefäße für Salben und Parfums sowie szenisch bemalte Gefäße aus Griechenland.
Die Importgüter geben starke Impulse hinsichtlich künstlerischer Techniken, des Geschmacks, der Gebräuche und Ideale oder der Religion.
BEREICH 3 – Die etruskische Gesellschaft
Durch den wachsenden Reichtum und den kulturellen Austausch bildeten sich am Ende der Villanova-Kultur (8. Jh. v.hr.) aus der bis dahin sozial wenig differenzierten Gesellschaft eine Elite und stadtähnliche Siedlungen heraus. Parallel dazu kamen Körperbestattungen mit herausragenden Beigaben und monumentalen Grabanlagen. Familienverbände spielten nun eine größere Rolle. Ihre Macht basierte auf Landbesitz und dessen Ausbeutung, sowie der Kontrolle der Seefahrt. Häuser mit Steinfundamenten ersetzten die einfachen Hütten und große Tempelanlagen kamen hinzu. Der Weg von einfachen Siedlungen hin zu befestigten Städten war geebnet.
Die Villanova-Kultur: die Gesellschaft der frühen Etrusker
Bei allen größeren Etrusker-Städten ist inzwischen eine vorausgehende Villanova-zeitliche Besiedelung (9./8. Jh. v. Chr.) nachgewiesen. Auch finden sich Gefäßformen dieser Zeit – ein kultureller Indikator in der Archäologie – teilweise nur leicht verändert in späteren Siedlungen. Typisch Villanova-zeitliche Funde aus den Gräbern sind grobe geometrisch verzierte Keramik, Schmuck, Waffen und Geräte aus Ton und Bronze. Von den Siedlungen selbst hat sich kaum etwas erhalten.
Die Zeit der Städte
Mit dem Aufkommen der Städte im 8. Jh. v. Chr. änderte sich die gesellschaftliche Struktur der Etrusker. Die Stadtstaaten waren eigenständig, aber gemeinsame Werte entstanden und festigten sich. Die Städte vernetzten sich, bildeten aber nie einen zusammenhängenden Staat. Die Fürstenfamilien wurden zunehmend von Funktionsträgern im politischen und religiösen Bereich und von Institutionen abgelöst. Es ist die Zeit des Zwölfstädtebundes, der sich etwa um 600 v. Chr. zusammenschloss. Seine Funktion war allerdings eher religiöser als politischer Natur. Das Einflussgebiet der Etrusker erlangte damals seine größten Ausmaße.
Schrift und Sprache der Etrusker: ein ungelöstes Rätsel
Die Etrusker verwendeten griechische Buchstaben, schrieben aber von rechts nach links.
Namensnennungen, Besitzangaben, Weih- und Grabinschriften sind verhältnismäßig leicht zu übersetzen, denn sie sind kurz und nutzen nur wenige Wörter.
Bei längeren Inschriften lässt sich manchmal der grobe Inhalt erschließen. Es fehlt eine längere Inschrift in zwei oder mehr Sprachen desselben Inhalts, um Wort für Wort des etruskischen Textes mithilfe der anderen Sprache zu übersetzen. Als Schriftträger wurden Wachsschreibtafeln oder Keramikscherben genutzt.
Die Etruskerin
Man kann in vielen Fachbüchern lesen, die etruskische Frau hätte im Vergleich zu Griechinnen oder Römerinnen eine emanzipiertere Stellung innerhalb der Gesellschaft eingenommen. Die Forschung anderer vertritt jedoch eine abweichende Ansicht; ihr zufolge bestätigen die archäologischen Funde dies nicht. Keine der über 10.000 Inschriften bezeugt eine Frau in einem politischen Amt. In den Frauengräbern finden sich, wie in anderen antiken Kulturen rund um das Mittelmeer, Schmuck, Objekte zur Körperpflege und Geräte für die Textilherstellung. Eine unabhängige Rolle der Etruskerinnen belegen sie nicht. Sie zeigen vielmehr, dass sich der Wirkungskreis der Frauen auf das eigene Haus beschränkte.
Der etruskische Goldschmuck
Der etruskische Goldschmuck ist berühmt. Die Etrusker brachten die Technik der Granulation zur Perfektion: Hierbei werden aus winzigen Goldschnipseln in einem Tiegel mit Holzkohlepulver kleine, teilweise mit bloßem Auge nicht mehr erfassbare Kügelchen bei 1.100 °C geschmolzen. Diese werden dann auf eine metallene Oberfläche gelötet.
Daneben gab es noch das Filigran: Aus feinen, zum Teil gedrehten Drähten werden Muster gelegt. Die Drähte werden durch Hämmern und Rollen zwischen zwei festen Flächen auf eine Stärke von oft unter einem Millimeter gebracht. Viele Schmuckstücke waren gar nicht für den Gebrauch gedacht, sondern dienten nur als Grabbeigaben.
Das Bankett
Das Zusammenkommen bei einem Bankett, bei dem Wein getrunken und Fleisch verzehrt wurde, diente den Eliten der Antike zur Kommunikation, für Vertragsabschlüsse oder zur Abgrenzung von der einfachen Bevölkerung. Diese konnte sich beides nicht leisten.
Man traf sich und nahm zu zweit auf Liegen Platz. Davor standen Tische mit Speisen. Ob die vielen etruskischen Bankettbilder in den Gräbern diese aristokratischen Zusammenkünfte, ein Bankett bei Todesfeierlichkeiten oder ein ewiges Fest im Jenseits meinten oder die Übergänge fließend waren, ist nicht geklärt.
Die Kultur des Weintrinkens
Zu einem Geschirrsatz für ein Bankett gehörten zahlreiche Geräte und Gefäße. Beim ritualisierten Weinkonsum – ein Brauch, den die Etrusker von den Griechen übernahmen – erfüllte jedes Gefäß eine bestimmte Funktion. Es gab Gefäße zum Aufbewahren von Wein (wie etwa Amphoren) und von Wasser, Gefäße zum Mischen von Wein und Wasser, Siebe zum Filtern der Schwebstoffe, Kannen zum Schöpfen und Einschenken. Dazu kamen verschiedene Trinkgefäße, von denen das mit zwei hohen Henkeln am weitesten verbreitet war – auf zahlreichen Darstellungen ein Attribut des Weingottes Dionysos (etruskisch: Fufluns).
Die Zubereitung von Fleisch
Bei der Zubereitung von Fleisch deuten die in Gräbern gefundenen Geräte auf zwei Hauptmethoden hin: Kochen und Grillen. Zum Kochen verwendete man Gefäße mit rundem Boden. Fleisch wurde aber auch oft gegrillt, denn das Equipment hierfür ist durch zahlreiche Funde belegt. Es besteht in der Regel aus Bratspießen und Feuerböcken zum Ablegen der Spieße. Neben Vieh ist wegen der häufigen Darstellungen von Jagdszenen auch von einem hohen Wildanteil unter dem verspeisten Fleisch auszugehen.
BEREICH 4 – Die Religion der Etrusker
Die etruskischen Aufzeichnungen zu religiösen Praktiken sind vollständig verloren. Vorstellungen und Rituale müssen aus lateinischen Quellen wie den Werken von Seneca (1 v. Chr. – 65 n. Chr.) erschlossen werden.
Kulte fanden ursprünglich am Grab und in den Wohnbauten statt. Adressaten waren wohl Ahnen, die durch bestimmte Handlungen selbst gottähnlich wurden. Mit der breiteren Verteilung der Macht wurde der Kult in den öffentlichen Raum verlegt. Es ist die Zeit, in der die griechische Götterwelt zunehmend Einfluss auf die etruskische Religion nahm. Neue, öffentliche Heiligtümer und Kultbauten entstanden, in denen jeder und jede den Göttern opfern konnte. Berühmt sind die etruskischen Priester bei Griechen und Römern dafür, den Willen der Götter zu ergründen.
Das auffällige Fehlen öffentlicher städtischer Bauten legt nahe, dass auch städtische Institutionen Heiligtümer und Tempel für ihre Belange nutzen.
Die Götter der Etrusker
Die Frühzeit der etruskischen Religion bleibt im Dunkeln. Über das Wesen der ursprünglichen Götter ist kaum etwas bekannt. Etruskische Götterdarstellungen gab es erst seit dem 6. Jh. v. Chr. Sie ähnelten dann bereits sehr den Göttern der Griechen. Etwa 40 Gottheiten sind überliefert. Schriftquellen zur etruskischen Religion und den Gottheiten gibt es erst von den Römern und beschäftigen sich hauptsächlich mit den religiösen Praktiken der Etrusker.
Die etruskischen Heiligtümer und Tempel
Die Heiligtümer der Etrusker konnten regional oder überregional von Bedeutung sein. Zu letzterem gehörte ein Heiligtum für Voltumna bei Orvieto. Es war das zentrale Heiligtum des Zwölfstädtebundes, der sich etwa um 600 v. Chr. zusammenschloss. Der Bund war mehr religiöser als politischer Natur.
Idealerweise gab es in einem Heiligtum einen Bereich für Opfer, einen Tempel und Priester.
Die etruskischen Tempel waren nicht aus Marmor wie die römischen, sondern aus Holz und Lehm. Einzig der meist figürliche Terrakottaschmuck hat sich erhalten. Architektonisch waren sie gedrungener als die Tempel Roms, standen aber ebenso auf einem Podium mit Freitreppe. Diese führte zu einer offenen Säulenhalle hinter der sich die eigentlichen heiligen Räume befand.
Der Göttliche Wille
Der göttliche Wille zeigte sich nach dem Glauben der Etrusker durch Naturerscheinungen, wie Blitze oder den Flug der Vögel. Auch die Eingeweide von Opfertieren konnten hilfreich sein. Priester, die diese Zeichen deuten konnten und wussten, wie man sich zu verhalten hat, genossen großes Ansehen. Opfergaben (Votive) spielten bei den Etruskern eine zentrale Rolle. Sie wurden zahlreich in Heiligtümern gefunden, oft in dafür vorgesehenen Opfergruben. Das Prinzip der Opfergabe war simpel: Man erwartete in der Regel vom beschenkten Gott eine Gegenleistung.
Weihegaben (Votive)
Im Wesentlichen gab es drei Arten von Votivfiguren.
Die eine stellte die Opfernden selbst dar. Die schematisch gehaltenen Bronzefiguren halten ihre Unterarme nach vorne gestreckt, um etwas darzureichen.
Eine zweite Gruppe von Weihgaben sind solche in Form von Tieren. Sie standen stellvertretend für reale Opfertiere. Konnte man sich kein echtes Tieropfer leisten, behalf man sich mit den aus Terrakotta geformten Figuren.
Besonders spezielle und typisch etruskische Votive haben die Form von Körperteilen. Sie deuten auf körperliche Leiden, für die man sich Hilfe von den Göttern erhoffte. Neben Augen, Gliedmaßen oder Brüsten kommen sehr häufig Penis- und Uterusvotive vor. Die Vermutung liegt nahe, dass Unfruchtbarkeit und ausbleibender Nachwuchs ein zentrales Anliegen beim Besuch von Heilgöttern gewidmeten Heiligtümern waren.
BEREICH 5 – Leben nach dem Tod
Die etruskische Grabarchitektur und Bestattungskultur wandelten sich zwischen dem 9. und 1. Jahrhundert v. Chr. grundlegend – von einfachen Urnengräbern hin zu monumentalen, stadtähnlichen Nekropolen. Der Wandel spiegelt den Aufstieg einer wohlhabenden Aristokratie wider.
Die verschiedenen hausähnlichen Gräber, die Ausstattung mit Hausrat, die Darstellung von Verstorbenen auf ihren Urnen sowie die meist feierlichen Szenen der Wandgemälde lassen vermuten, dass sich die Etrusker die Toten lebendig im Jenseits vorstellten.
Für den Übergang von der Welt der Lebenden zur Welt der Toten ist in den großen Grabkammern der etruskischen Blütezeit häufig symbolhaft eine Tür dargestellt.
Exkurs: Wandmalerei
Die etruskischen Nekropolen von Cerveteri und Taquinia (Region Latium) sind seit 2004 als UNESCO-Weltkulturerbe gelistet. Die farbenfrohen Wandmalereien in den Grabkammern sind weltberühmt.
In der Ausstellung werden die berühmtesten im Loop an eine Wand projiziert, andere bebildern großflächig den Hintergrund der Vitrinen.
Wandmalereien haben sich allerdings nur in geschützten Gräbern erhalten. Lediglich 2% der Grabanlagen waren überhaupt mit aufwändiger Malerei versehen, was auf deren Exklusivität schließen lässt.
In den Gräbern scheinen sie nach neueren Funden im beginnenden 7. Jh. v. Chr. im geometrischen Stil einzusetzen und dann über streng symmetrisch angeordnete orientalisierende Tierdarstellung sich hin zu den erzählenden Malereien des 6. Jh. v. Chr. zu entwickeln. Die Künstler waren oft Griechen aus Ionien, die sich vor allem in Tarquinia niederließen. Auch wenn die Bilder eher individuelle, auf den Grabinhaber bezogene und keine stereotypen Darstellungen zu sein scheinen, zeigen sie doch meist Gelage-Szenen oder einen dazugehörenden Festumzug. Hinzukommen sportliche Wettkämpfe. Die häufige Wiedergabe von Pflanzen lässt auf Veranstaltungen im Freien schließen. Diese Szenen werden meist als Trauerfeierlichkeiten vor den Gräbern gedeutet.
Jagdszenen, mythologische Darstellungen und einige andere Motive sind eher Ausnahmen.
Die Arten der Bestattung
Handelt es sich in der Villanova-Kultur noch überwiegend um Brandgräber, deren Asche in Urnen in einer Grube versenkt wurde, so ging man im 7. Jh. v. Chr. teilweise zur Körperbestattung über. Unter monumentalen Erdhügeln mit bis zu 70 Metern Durchmesser wurden Kammern aus dem weichen Tuffstein geschlagen, die mit steinernen Bänken, Stühlen, Balkendecken und luxuriösen Importwaren realen Wohnhäusern nachempfunden waren.
In der Blütezeit der etruskischen Kultur zwischen 520 und 400 v. Chr. entstanden die berühmten Wandbilder der Nekropolen von Tarquinia, Vulci und Cerveteri.
Highlight: Sarkophag
Eine Seltenheit ist der Sarkophag eines Mannes aus Tuscania, der ins 2. Jh. v. Chr. datiert. Weil in Etrurien kaum Marmor abgebaut wurde, stellte man Sarkophage aus Terrakotta her. Der Deckel des Sarkophags zeigt den verstorbenen Mann bekleidet, aber nicht mit einem Leichentuch bedeckt, sein Blick scheint ins Leere zu gehen. Die Delphine am Sarkophagkasten und der Kranz in der Hand des Verstorbenen sind typisch für den Grabkontext.
Highlight: Ausstattung eines Familiengrabs
In einer Seitennische zeigt die Ausstellung die nahezu vollständige Ausstattung eines Familiengrabes des 3.-2. Jh. v. Chr. aus der Nekropole von Portone in Volterra. Viele der Grabanlagen dieser Nekropole waren so schlecht erhalten, dass man sie nach den Ausgrabungen wieder zuschütten musste. Dieses Grab wurde 1970 entdeckt und ausgegraben.
Die viereckige Grabkammer war in den verhältnismäßig weichen Tuffstein gehauen. Ein schmaler Weg führte zum Eingang. Im Inneren war eine Steinbank, auf der die Urnen beigesetzt wurden.
Die Familie nutzte das Grab fast 100 Jahre lang (zwischen 230 v. Chr. und 140 v. Chr.). Die Überreste von mindestens sieben Personen sind hier bestattet. Der Leichenbrand fand sich in Keramikgefäßen und Steinurnen.
Mit jeder Bestattung kamen weitere Beigaben hinzu. Dazu gehört ein großes Speiseservice mit Gefäßen für das Zubereiten und Trinken von Wein. Zu diesem Ensemble gehört auch ein großer Bronzekandelaber, der zum Aufhängen oder Aufstellen von Öllampen diente.
Eher der weiblichen Sphäre zuzuordnen ist ein Handspiegel und auch ein Glasfläschchen, das zur Aufbewahrung von Öl und Parfums diente. Die Münzen waren vielleicht als Bezahlung für einen Begleiter in der Unterwelt gedacht. In mehreren Keramikgefäßen fanden sich Reste von Lebensmitteln, wie Tierknochen oder Eier.
Exkurs: Alabaster – Gips im Marmorlook
Zahlreiche Urnenkisten in der Ausstellung sind aus Alabaster gefertigt. Auf den ersten Blick erinnert das Material an Marmor, doch ist Alabaster wesentlich weicher und leichter zu bearbeiten.
Alabaster ist eine mikrokristalline Form des Minerals Gips und kommt in verschiedenen Qualitäten und Färbungen vor. Da Alabaster aber härter als Gips ist, bietet er sich als Material für Skulpturen, kleine Salb- und Parfümgefäße und Schmuck an. Mit seiner geringen Witterungsbeständigkeit ist er jedoch nicht als Baumaterial oder für den Außenbereich geeignet. Auch das Sonnenlicht setzt dem Material zu – es vergilbt. Das perfekte Material also für die Herstellung der in etruskischer Zeit zahlreich benötigten Urnen, die im Inneren einer Grabkammer vor Sonnenlicht und Wasser geschützt waren.
Wie die Etrusker vor über 2.000 Jahren stellen Handwerker in Volterra noch heute Skulpturen und Schmuck aus Alabaster her. Ein Film in der Ausstellung zeigt eine dieser Alabaster-Werkstätten.
BEREICH 6 – Die Etrusker und Rom
Schon bei den Erzählungen zur Gründung der Stadt Rom wird deutlich, dass die Römer den Einfluss der etruskischen Kultur auf die eigene durchaus erkennen: So gründet der mythische Romulus Rom, indem er nach etruskischem Ritus durch das Pflügen einer Furche, die Stadtgrenze markiert. Tarquinius Priscus und seine Söhne gelten als frühe etruskisch-stämmige Könige Roms. Die etruskischen Städte werden von Rom erobert oder schließen Bündnisse mit Rom. So vielfältig die etruskischen Städte sind, so unterschiedlich ist deren Übergang ins Römische Reich. Da mit der Übernahme der etruskischen Städte die Expansion Roms beginnt, sind sie auch zu einem Teil der eigenen römischen Geschichte und Identität geworden.
Etruskisches bei den Römern
Vieles, was wir heute als typisch römisch wahrnehmen, hat seinen Ursprung bei den Etruskern: Die etruskischen Tempel waren zwar in ihrer Erscheinung gedrungener als die späteren römischen Podiumstempel, der Aufbau war jedoch der gleiche. Die Toga, also DAS Kleidungsstück des römischen Bürgers, wickelten bereits die Etrusker um ihre Körper.
Auch Amtsabzeichen übernahmen die Römer von den Etruskern. Dazu gehörte die Sella curulis (dt. Wagenstuhl), von dem etruskische Würdenträger sitzend vom Wagen herab Recht sprachen. Oder der Lituus, der gekrümmte Stab des Priesters. Die Fasces – ein Rutenbündel mit einer darin verborgenen Axt – geht ebenfalls auf die Etrusker zurück. Die Axt stand bei den Etruskern für die Macht des Trägers, ein Todesurteil auszusprechen. Bei den Römern sagt die Anzahl voran getragener Bündel etwas über den Rang der folgenden Person aus. Im 20. Jahrhundert griff Benito Mussolini das Symbol für seine Bewegung in Italien auf. Von Fasces leitet sich das Wort Faschismus ab.
Die Etrusker geben ihren eigenen Göttern häufig die Gestalt und manchmal auch die Namen der griechischen Götter. Durch etruskische Vermittlung übernehmen dann auch die Römer weitgehend die Götterwelt der Griechen. So kann man bei allen drei Kulturen, dieselben Götter an ihren Attributen erkennen: Der oberste Gott Jupiter (= griech. Zeus/ etrusk. Tinia) hält ein Blitzbündel, Minerva (= Athena/Menvra) trägt einen Helm, Venus (= Aphrodite/Turan) ist nackt, Merkur (= Hermes/Turms) hat als Götterbote Flügel an den Schuhen, und Hercules (= Herakes/Hercle) stützt sich auf seine Keule.
Mit besten Grüßen,
Jutta Boehme
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit am smac
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