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»Digitalisierung als Prozess, nicht als Schalter«

19.07.2022, 15:14 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)

HHL-Studie zeigt: Mittelständische Unternehmen in Sachsen gehen Digitalisierung aktiv und optimistisch an

»Sächsische Mittelständler sind gut bis sehr gut im Bereich der Digitalisierung aufgestellt. Sie sind selbstbewusst, erzielen Erfolge, gehen die digitalen Neuerungen aktiv an und sind optimistisch, was ihre Chancen angeht«, so Studienleiter Prof. Dr. Erik Maier, HHL-Lehrstuhlinhaber für Marketing und Handel bei der Vorstellung der HHL-Studie »Digitalisierung im Sächsischen Mittelstand« in einer Pressekonferenz am 15. Juli 2022.

Die Studie zeigt, dass viele Unternehmen Vorteile der Digitalisierung wie Effizienzgewinne, höhere Geschwindigkeiten, digitale Absatzkanäle und flexiblere Geschäftsmodelle für sich erkennen. So glauben 65 % der befragten Mittelständler, durch die Digitalisierung erfolgreicher zu werden.
Zwar ordnen sich die meisten sächsischen Klein- und Mittelständischen Unternehmen (KMU), nämlich 57 %, bezüglich ihres Umgangs mit der Digitalisierung eher im Mittelfeld ein. 22 % sehen sich aber sogar als Vorreiter und nur 21 % empfinden sich als Nachzügler. Dabei wird deutlich: Je größerer ein Unternehmen, desto positiver wird die Digitalisierung eingeschätzt. Fast 80 % nutzen digitale administrative Prozesse (»papierloses Büro«) oder digitale Kundenkommunikation. Nur ein Bruchteil der Unternehmen greift bisher auf künstliche Intelligenz (KI) und maschinelles Lernen zurück (8 %).

Vor allem bei der Mitarbeitergewinnung und -weiterentwicklung sehen sich die teilnehmenden Unternehmen allerdings großen Herausforderungen ausgesetzt. Dabei gaben die meisten als ihr schwierigstes Thema an, neue Mitarbeitende für Digitalisierungsinitiativen zu gewinnen. Auch die Schulung der Mitarbeitenden im Bereich der Digitalisierung wird als relativ schwierig empfunden.
Bei der Studie wurden Unternehmen befragt, die die gesamte Breite des sächsischen Mittelstandes abdecken.

»Überraschend für uns war, dass einer der zentralen Treiber hier in Sachsen für das Thema Digitalisierung die Unternehmensnachfolge zu sein scheint. Das ist deutlich zu sehen. Offenbar ist der Prozess der Übergabe von Unternehmen an neue Inhaber der Moment, der die Digitalisierung stark voranbringt.« stellt Prof. Dr. Claudia Lehmann, Projektleiterin Zukunftsland Sachsen und HHL-Lehrstuhlinhaberin für Digitale Innovation in Dienstleistungsbranchen, fest.

Leo Käßner, Mitgründer der jungen Firma WAKU Robotics betont, dass die Bedingungen, die er in Sachsen vorfindet, sehr hilfreich sind für das eigene digitale Handeln. »In Sachsen sitzt eine Menge an Forschung und Know-How und es gibt ein Riesenpotenzial an jungen Talenten, die technisch sehr versiert sind«, so Käßner.

Dass sächsische Unternehmende wertvolle Unterstützung erhalten können, unterstreicht auch Frauke Greven, Leiterin der Digitalagentur Sachsen.:
»Digitalisierung beginnt im Kopf. Das Wichtigste dabei ist, sich im Vorfeld die Zeit zu nehmen und konkret zu klären, welches Problem man für wen lösen möchte. Strategie vor IT heißt die Devise! Vordenken anstatt später nachzudenken. Denn im schlimmsten Fall wird vorschnell gehandelt und ein nicht optimaler analoger Prozess nur 1:1 in einen dann ebenso nicht optimalen digitalen Prozess ohne Mehrwert übersetzt. Das gilt es zu vermeiden. Die Erfahrung zeigt, dass die Zeit dafür zwar knapp, aber gleichzeitig maximal gut investiert ist.«

Hintergrund:
Die Studie »Digitalisierung im sächsischen Mittelstand« wurde durchgeführt, um den Stand der Digitalisierung im sächsischen Mittelstand zu erfassen. Das methodische Vorgehen teilte sich dabei in zwei Bereiche: Mit einer quantitativen Umfrage unter 221 sächsischen Mittelständlern wurde erhoben, wie der Digitalisierungsprozess bei den teilnehmenden Unternehmen voranschreitet. Darüber hinaus wurden in einer qualitativen Erhebung 35 Führungskräfte sächsischer Unternehmen verschiedener Branchen persönlich befragt, um ihre Erfahrungen im Umgang mit der Digitalisierung tiefergehend erfassen zu können. Dazu gehörten u.a. die Wiewald GmbH und WAKU Robotics GmbH. Alle Regionen Sachsens und sämtliche Unternehmenstypen, -größen, - und -branchen wurden dabei mit einbezogen.
Eine so einfache wie wichtige Botschaft an Unternehmende formuliert Studienleiter Maier:
»Digitalisierung funktioniert nicht wie ein Schalter, den man umlegt und dann ist von einem Moment auf den anderen Unternehmen digitalisiert und bleibt es auch. Digitalisierung ist viel mehr als Prozess zu begreifen, der immer weiter fortläuft.«

Die Studie ist im Rahmen des »Zukunftsland Sachsen« (ZLS) entstanden, eines gemeinsamen Projektes der Handelshochschule Leipzig (HHL) mit dem Freistaat Sachsen, um Unternehmen bei der Digitalisierung zu unterstützen. Das Projekt ZLS besteht zum einen Teil aus der hier vorgestellten Studie und zum anderen aus einer mehrwöchigen Themenreise mit Veranstaltungen durch ganz Sachsen, die im Mai endete. Kompetenzträger aus klein- und mittelständischen Unternehmen (KMU) Sachsens gaben Einblicke in ihr teilweise vorbildliches digitales Handeln, vernetzten sich und erhielten konkrete Anregungen zum Umgang mit Digitalisierung.


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