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Mehr als nur »de Mannlmacher«: Wirtschaftsminister Martin Dulig besucht Weihnachtsbranche im Erzgebirge

17.08.2022, 07:30 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)

Thementag »Weihnachtsland Sachsen/Erzgebirge«: Fünf Unternehmensbesuche im Erzgebirgskreis und in Mittelsachsen | Betriebe verbinden Tradition, Innovation, Emotion

Sachsen ist das Weihnachtsland in Deutschland. 60 Prozent aller Deutschen über 14 Jahre kennen das erzgebirgische Kunsthandwerk und schätzen es fast ausschließlich als hochwertig ein (IPSOS Meinungsforschungsinstitut Hamburg, 2017). Die Bandbreite der sächsischen Weihnachtsbranche ist weit gefächert: Sie reicht von geschnitzten und gedrechselten Figuren über feinste Papierkunst bis hin zu filigranen Metallarbeiten. Mit etwa 1.000 Beschäftigten erwirtschaften allein die Holzkunsthandwerker im Erzgebirge jährlich mehr als 50 Millionen Euro Umsatz, davon etwa 20 Prozent durch den Export ins Ausland.

Mit seinem heutigen Thementag »Weihnachtsland Sachsen/Erzgebirge« rückt der sächsische Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Dulig die Vielfalt und das Engagement der Weihnachtsbranche in den Blickpunkt. Er besucht fünf Unternehmen in Eppendorf, Großrückerswalde, Tannenberg, Ehrenfriedersdorf und Olbernhau. Dort geht der Minister der Frage nach, mit welchen Konzepten sich die Betriebe für die Zukunft wappnen, wie sie Fachkräfte binden und gewinnen, welche Chancen ihnen die Digitalisierung bietet und wo sie neue Absatzmärkte sehen.

»In Sachsen sind aktuell 424 Holzkunstwerker erfasst. Der überwiegende Teil, 331, ist im Großraum Chemnitz tätig – und davon 244 im Erzgebirgskreis. Hier fertigen Drechsler und Holzspielzeugmacher seit vielen Generationen Schwibbögen, Pyramiden, Nussknacker, Engel und ,Raachermannl‘. Die umtriebigen kleinen und mittelständischen Betriebe sind im traditionellen Handwerk verwurzelt. Dieses Kulturgut stiftet Identität und prägt das Image der Welterberegion Erzgebirge«, so Wirtschaftsminister Martin Dulig.

Das Handwerk ruht sich auf seinem Traditionsbewusstsein jedoch nicht aus, sondern verknüpft es mit innovativen Ideen und zeitgenössischem Design. Das drückt sich in der vielseitigen Formgebung, den Farben und Materialien aus. Martin Dulig: »Längst sind die Kunsthandwerker mehr als nur ,de Mannlmacher‘. Sie verbinden ein feines Gespür für Tradition mit dem Mut zum Fortschritt. Sie gehen mit der Zeit und geben Impulse für die Innovationskraft im ländlichen Raum. Ein über 300 Jahre altes Kulturgut immer wieder neu zu erfinden und weltweit Begeisterung dafür zu entfachen – auch das ist #InnovationMadeinSaxony und überhaupt eine herausragende Leistung, der ich meinen Respekt zolle.«

Minister Dulig weiter: »Auch in einer globalisierten und digitalisierten Welt findet das Kunsthandwerk seinen Platz. Dafür müssen wir es auch für die Zukunft wettbewerbsfähig ausrichten. Potenzial sehe ich in der noch stärkeren Digitalisierung der Vertriebswege. Dies kann die nationale und internationale Wahrnehmung für unser erzgebirgisches Kunsthandwerk weiter erhöhen.«

Im Hochsommer läuft die Produktion für die bevorstehende Weihnachtssaison bereits auf Hochtouren. Martin Dulig schaut heute auf die Werkbänke folgender Unternehmen:

Köhler Kunsthandwerk GmbH & Co. KG (Eppendorf)

Björn Köhler ist gelernter Drechslermeister und hat den Beruf von der Pike auf gelernt. Von Anfang an reizte ihn die Herausforderung, eine eigene Kollektion zu entwerfen – aus der Verbindung von traditionellem Handwerk und Gestaltungsansprüchen der Gegenwart. Mit der Weihnachtskrippe gelang ihm 1991 der Durchbruch. Weitere Figuren folgten. Erdacht am Zeichentisch und immer wieder in ungezählten Entwürfen verfeinert, liegt in dem sparsamen Ausdruck der Figuren ihr wunderbarer Reiz verborgen. | www.bjoern-koehler.de

LaTeBi – Laser Technologie Bindemann GmbH (Großrückerswalde)

Die D+L Group mit Sitz im Erzgebirge in Großrückerswalde ist seit 26 Jahren ein Unternehmensverbund für Anlagen- & Maschinenbau, Industriemontagen und Metallbearbeitung. Mit inzwischen 105 Mitarbeitern ist die D+L Group insbesondere im Bereich der automatisierten Produktionslogistik in sämtlichen Branchen tätig. Hierbei reicht die Fertigungstiefe von der Herstellung und Bearbeitung der für den Maschinen- und Anlagenbau erforderlichen Metallkomponenten über die Planung und Fertigung komplexer Maschinen und Anlagen bis hin zur weltweiten Montage.
Zur D+L Group gehören die VSM GmbH Maschinen- und Anlagenbau, die im Bereich Metallbearbeitung sowie Herstellung von Anlagen und Maschinen tätig ist, die im Sektor Industriemontage tätige Maschinenbau Bindemann GmbH und die Laser Technologie Bindemann GmbH. Letztgenanntes Unternehmen bearbeitet Bleche und Baugruppen in allen gängigen Stärken und Blechgüten mit modernsten Laser- und Abkantanlagen. Die D+L Group fertigt auch erzgebirgstypische Produkte, wie Großschwibbögen und Räucherpfeifen aus Edelstahl. In Manufakturabeit werden zudem Flammentürme und ein patentierter »Bruzzlgrill« aus Edelstahl hergestellt.

www.dplusl.group | www.latebi.de | www.flammenturm.de | www.bruzzlgrill.de

Horatzscheck Kunsthandwerk GbR (Tannenberg)

Der Handwerksbetrieb stellt sich der Herausforderung, einerseits die kulturelle Tradition der erzgebirgischen Region zu bewahren und andererseits mit einer zeitgemäßen Formensprache die Alltagskultur der Gegenwart aufzugreifen. Gunnar Horatzscheck und seinen Mitarbeitenden gelingt das mit zwei Editionen, die Tradition und Moderne abbilden. Die Figuren, Pyramiden und Leuchter werden mit einzigartigem handwerklichen Können und bemerkenswerter Farb- und Formintensität hergestellt. | www.holz-form-farbe.de

Nestler GmbH Feinkartonagen (Ehrenfriedersdorf)

Die Firma Nestler wurde 1894 im erzgebirgischen Wiesa gegründet und ist seitdem ein Familienunternehmen. Mit viel Engagement hat sich die Nestler GmbH Feinkartonagen nach der Reprivatisierung zu einem mittelständischen Unternehmen und sicheren Arbeitgeber im Erzgebirge entwickelt.
Das Unternehmen gilt als erste Schultütenfabrik in Deutschland. Seit der Gründung hat sich die Angebotspalette bis heute um viele weitere innovative Produkte rund um die Festtage im Jahr erweitert. Neben den bekannten Schultüten werden die traditionsreichen Papp-Ostereier mit Bordüre zum Selberfüllen und auch gleichartige Weihnachtskugeln aus Pappe in liebevoller Manufakturarbeit hergestellt. In der aktuellen Saison wurden schon 85.000 Weihnachtskugeln, 700.000 Ostereier und über 2,2 Millionen Schultüten verkauft. | www.nestler-gmbh.de

Drechslerei Stephani (Olbernhau)

Gegründet wurde das Familienunternehmen im Jahre 1981 von dem Holzspielzeugmachermeister Peter Stephani. Seit 1992 führt es sein Sohn Heiner Stephani in der zweiten Generation weiter. Mit viel Leidenschaft und handwerklichem Geschick entstehen hier Tag für Tag traditionelle Holzerzeugnisse aus dem Erzgebirge, vom Räuchermann bis hin zu speziellen Auftragsarbeiten. Die Ursprünglichkeit der Materialien, die Liebe zum Detail und die jahrelange Erfahrung finden sich in jedem der hier handgefertigten Stücke wieder.
Heiner Stephani ist seit 20 Jahren bei der Handwerkskammer Dozent für die praktische Meisterausbildung der Drechsler und Holzspielzeugmacher. Aktuell absolvieren sieben Meisterschüler ihre Technologiepraktika in der Drechslerei Stephani. Sechs seiner in den vergangenen Jahren ausgebildeten Meister sind heute selbst wieder Ausbilder bei der Meisterausbildung.
Neben Kleinkunstausstellungen, die Heiner Stephani organisiert, finden in seiner Drechslerei Kurse in typisch erzgebirgischen Drechseltechniken statt. Die Teilnehmer kommen u. a. auch aus Frankreich, der Schweiz, Tschechien und Österreich. | www.drechslerei-stephani.de


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