»Stadtentwicklung in lebendigster Form«: Staatsministerin Kraushaar zieht Bilanz zum Kulturhauptstadtjahr

28.11.2025, 13:12 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)

Das Kulturhauptstadtjahr in Chemnitz neigt sich zu Ende – an diesem Wochenende steht das Finale auf dem Programm. Anfang Dezember wird der Staffelstab – gemeinsam mit Nova Gorica in Slowenien – an die Kulturhauptstädte Europas im kommenden Jahr übergeben, an Oulu in Finnland und Trenčin in der Slowakei.

Damit sich Chemnitz während der vergangenen Monate den hunderttausenden Besuchern von seiner besten Seite zeigen konnte, greifen viele kleine Rädchen ineinander. Dazu gehört auch die Förderung des Sächsischen Staatsministeriums für Infrastruktur und Landesentwicklung (SMIL) mit über 50 Millionen Euro – aus Mitteln der EU, des Bundes und des Freistaates.

Staatsministerin Regina Kraushaar: »In der Kulturhauptstadt steckt viel mehr als ein kulturelles Ereignis. In ihr steckt Stadtentwicklung in lebendigster Form. Es freut mich deshalb sehr, dass mein Haus mit EU-, Bundes- und Landesmitteln dazu beitragen konnte, die wunderbaren Potenziale der Stadt erlebbar zu machen – ganz passend zum Motto ‚C the Unseen‘. Das Kulturhauptstadtjahr hat in Chemnitz lange Linien gelegt: Es entstanden neue Räume, neue Ideen, ein neues Miteinander. Und das wird Spuren hinterlassen, die die Stadt zukünftig prägen und weit über Chemnitz hinaus wirken werden.«

Maßgebliche Förderprogramme sind die Städtebauförderung, der Europäische Fonds für regionale Entwicklung (EFRE), die Förderrichtlinie Regionalentwicklung, die Richtlinie zur Förderung von Straßen- und Brückenbauvorhaben kommunaler Baulastträger, das Sonderprogramm Denkmalpflege und die Richtlinie ÖPNV gewesen. Auch ÖPNV- und Fernverkehrsvereinbarungen wurden geschlossen.

Ausgewählte Projekte, die gefördert und unterstützt wurden

Hartmann-Fabrik als Besucherzentrum zur Kulturhauptstadt: Viele Gäste haben gleich zu Beginn ihres Besuchs die denkmalgeschützte Hartmann-Fabrikhalle kennengelernt, die zwischen 1860 und 1870 direkt am Fluss Chemnitz errichtet wurde. Nach jahrelangem Leerstand wurde sie mit 970.000 Euro aus einem Denkmalschutzsonderprogramm des Bundes sowie aus Denkmalschutzmitteln des Freistaates Sachsen saniert und als das Besuchs- und Informationszentrum der Kulturhauptstadt eingesetzt. Sie war Teil der Maschinenbauanstalt des Eisenbahnpioniers Richard Hartmann und Produktionsstätte für Lokomotiven, die in die ganze Welt exportiert wurden.

Garagen-Campus für kulturelles Schaffen: Ein weiteres großes Projekt ist dort entstanden, wo früher Straßenbahnen repariert wurden: Der Garagen-Campus, einst Straßenbahndepot und Betriebshof der CVAG, ist ein Ort für Ideen, Begegnung und kulturelle Bewegung geworden. Der Garagen-Campus versteht sich als offener Raum für kulturelles Schaffen, Austausch und gemeinsame Entwicklung. Knapp 5,2 Millionen Euro wurden der Stadt Chemnitz als Gebietsförderung über die Städtebauförderung zur Verfügung gestellt. Weitere Fördermittel über 1,5 Millionen Euro für einen barrierefreien Zugang zum Garagen-Campus mit Aufwertung der Außenbereiche und Eingangssituation sind größtenteils über den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) beantragt.

Talbrücke und renaturierter Pleißenbach: Der Stadtteilpark am Pleißenbach – unterstützt mit 8,67 Euro Fördermitteln aus dem Programm Lebendige Zentren (vormals Zukunft Stadtgrün) – ist eine der größten neu geschaffenen Grünflächen der Stadt und zugleich größte Interventionsfläche der Kulturhauptstadt. Das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofes Altendorf war durch Brachflächen und einen stark verbauten Naturraum geprägt. Nun ist es zu einem neuen Stück Stadt geworden mit öffentlich nutzbaren Freiräumen. Eine 59 Meter lange Talbrücke überspannt zudem den renaturierten und wieder zugänglich gemachten Teil des Pleißenbachs. Eröffnung war – auch passend zum großen Spielplatz – am Weltkindertag.

Stadtwirtschaft als Kreativhof: Über 6,7 Millionen Euro über die Städtebauförderung sowie über 300.000 Euro EFRE-Förderung sind in den vergangenen Jahren in den Aufbau des Kreativhofes »Die Stadtwirtschaft« im Stadtteil Sonnenberg geflossen. Weitere Mittel sind beantragt. Die Geschichte des Areals reicht bis ins Jahr 1891 zurück, als auf dem Chemnitzer Sonnenberg die erste Stadtreinigungsanlage entstand. Die Stadt hat das rund 5.000 Quadratmeter große Ensemble mit fünf Gebäuden und 6.000 Quadratmetern Hoffläche schrittweise saniert. Mindestens 60 Prozent der Flächen stehen gemeinwohlorientierten Projekten offen, bis zu 40 Prozent kreativen, wirtschaftlichen Nutzungen.

Purple Path über Regionalmanagement unterstützt: Nicht zuletzt haben Fördermittel aus dem SMIL auch das Zustandekommen des Kunst- und Skulpturenweges »Purple Path« unterstützt. Auf ihm laden in Chemnitz und in 38 Städten und Gemeinden in der Umgebung neu geschaffene Werke internationaler Künstler zum Besuch und zur Diskussion ein. Die Arbeit des Regionalmanagements Europäische Kulturregion Chemnitz für dieses Projekt wurde über die Richtlinie zur Förderung der Regionalentwicklung mit rund 847.000 Euro unterstützt. Über dieselbe Richtlinie – ergänzt um Fördermittel der Städtebauförderung und aus der Richtlinie Brachenberäumung – erfolgte beispielsweise die 4,25 Millionen Euro hohe Förderung zum Abriss und Neubau der Halle 18 in Oelsnitz, die den baulichen Rahmen für eine Lichtinstallation des amerikanischen Künstlers James Turrell bietet. Wesentlicher Bestandteil des stählernen Neubaus ist eine denkmalgeschützte, alte Kranbahn, die aus der alten Halle demontiert, aufbereitet und wieder installiert wurde.

Chemnitz wieder Fernverkehrshalt der Deutschen Bahn: Seit Juni 2022 schließen täglich zwei Zugpaare der IC-Verbindung Warnemünde-Berlin-Dresden die Stadt Chemnitz mit ein. Die Unterzeichnung der Zuwendungsvereinbarung, die das Fernverkehrsangebot bis zum Jahr 2028 sicherstellt, berücksichtigte bereits die Bewerbung von Chemnitz als Kulturhauptstadt, um eine direkte Schienenverbindung zwischen Berlin und Chemnitz zu schaffen. Bisher wurden knapp 13 Millionen Euro abgerufen. Im Jahr 2025 hat die Verlängerung der IC-Strecke maßgeblich zur verkehrlichen Erreichbarkeit der Stadt beigetragen. Mit einer Ergänzungsvereinbarung erfolgte zudem die Anerkennung des Deutschlandtickets auf der durch den Freistaat finanzierten Verlängerung des IC 17 zwischen Dresden und Chemnitz – bisher wurden dafür insgesamt 350.000 Euro gezahlt.

Ausbau kommunale Verkehrsinfrastruktur: Die Bundesstraße 173 (Neefestraße) ist der zentrale Autobahnzubringer zur Anschlussstelle Chemnitz-Süd der Bundesautobahn 72. Im Vorfeld der Kulturhauptstadt wurde die Brücke über die Zufahrt zum Gewerbegebiet Neefepark neu errichtet. Zusätzlich wurde die Fahrbahn erneuert, Einfädelspuren verlängert sowie eine Vielzahl Leitungen umverlegt. Die Stadt erhielt hierfür eine Förderung von gut 5,7 Millionen Euro.

Projektübersicht

Städtebauförderung, Europäischer Fonds für regionale Entwicklung (EFRE), Mauerfonds, Sonderprogramm Denkmalpflege, PMO-Mittel, Richtlinie Brachenberäumung:

  • Schaffung einer attraktiven städtischen Freiraumgestaltung im Bereich des zu entwickelnden Grünzugs Pleißenbach
  • Kreativhof »Die Stadtwirtschaft«
  • Sanierung Garagen-Campus
  • Sanierung Schillerplatz
  • Halle 18 in Oelsnitz, Kunstinstallation James Turrell, Purple Path – Sicherung und Rekonstrukion Krananlage und Stahlkonstruktion sowie Freiflächengestaltung einschl. erforderlicher Grunderwerb
  • Zwönitz, Purple Path – Austelpark Wegegestaltung, Bauwerke und Kunst Kunstobjekt
  • Parkweg am Chemnitz-Ufer Eckstraße
  • Sanierung des ehemaligen Landhauses Karl Schmidt-Rottluff
  • FUNKEN Akademie
  • Barrierefreie Gestaltung Fuß- und Radverkehrstunnel Sonnenberg (»Bazillenröhre«)
  • Erwerb und Einrichtung eines Spiel- und Aufenthaltsbereiches am Feldschlösschen
  • Klapperbrunnen

ÖPNV- und Fernverkehrsvereinbarungen, Richtlinie ÖPNV

  • Zuwendungsvereinbarung zwischen Freistaat und Verkehrsverbund Mittelsachsen zur IC-Verbindung Warnemünde-Chemnitz und Anerkennung des Deutschlandtickets zwischen Dresden und Chemnitz
  • ÖPNV-Finanzierungsvereinbarung für zusätzliche Verkehrsleistungen im ÖPNV mit Verkehrsverbund Mittelsachsen und Stadt Chemnitz
  • Aufbau Wegeleitsystem und Digitalisierung Zentralhaltestelle sowie Ausbau Haltestellenausstattung ÖPNV-Netz Chemnitz
  • Aufwertung des Chemnitzer Hauptbahnhofes sowie Unterwegsbahnhöfe in der Region anlässlich der Kulturhauptstadt 2025
  • Errichtung von vier dynamischen Fahrgastinformationsanlagen entlang der Dresdner Straße

Ausbau kommunale Verkehrsinfrastruktur, Richtlinie KStB

  • Bundesstraße 173 (Neefestraße) – Neuerrichtung der Brücke über die Zufahrt zum Gewerbegebiet Neefepark, Fahrbahn, Fahrbahnerneuerung, Einfädelspuren verlängert, Umverlegung von Leitungen

Förderrichtlinie Regionalentwicklung

  • Neubau der Halle 18 und Nutzung für ein Kunstprojekt von James Turrell – Gebäudeneu- und -ausbau
  • Regionalmanagement Europäische Kulturregion Chemnitz – Vorbereitung Kulturhauptstadtjahr
  • Regionalmanagement Europäische Kulturregion Chemnitz – Umsetzung Kulturhauptstadtjahr 2025 und Vorbereitung des Regionalen Entwicklungskonzeptes für die Region ab 2026
  • Regionalmanagement Europäische Kulturhauptstadtregion Chemnitz – Erarbeitung Regionalentwicklungskonzept für die Region ab 2026«
  • Barrierefreier Umbau der Pilger- und Kulturkirche St. Georg zu Lößnitz für die multifunktionale Nutzung einschl. Umbau der sanitären Anlagen

LEADER-Förderung, Besondere Regionale Initiativen

  • Umnutzung und Sanierung der historischen Gießereihallen in Eventflächen für die fabrik chemnitz
  • Eisenguss aus Wolkenburg für Kulturhauptstadt Chemnitz

Kontakt

Sächsisches Staatsministerium für Infrastruktur und Landesentwicklung

Ansprechpartner Annegret Fischer
Telefon: +49 351 564 50021
E-Mail: medien@smil.sachsen.de
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