Strahlkraft »Made in Saxony«: Wie Sachsens Radiopharma-Cluster dem Krebs den Kampf ansagt

08.01.2026, 09:00 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)

Thementag Radiopharmazie: Wirtschaftsminister Dirk Panter besucht Innovationstreiber in Dresden und Radeberg | Panter: »Sachsen kann zu einem europäischen Leuchtturm der Radiopharmazie werden.«

In Deutschland erhalten jährlich rund 500.000 Menschen die Diagnose Krebs. Die Radiopharmazie entwickelt sich zur Schlüsseltechnologie in der modernen nuklearmedizinischen Krebsbehandlung. Mit der Gründung des »Radiopharmacy Clusters Dresden – nukliD®« haben sich Anfang 2025 sächsische Akteure dieses innovativen Sektors zusammengeschlossen, um ihr Potenzial zu bündeln und weiter auszubauen. Um auf die aktuellen Entwicklungen aufmerksam zu machen, widmet Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter der sächsischen Radiopharmazie-Branche heute einen ganzen Thementag. In Dresden-Rossendorf und Radeberg (Landkreis Bautzen) besucht er fünf Innovationstreiber dieses Spezialgebiets der Pharmazie.

Bei Radiopharmaka handelt es sich um spezielle Arzneimittel, die mit radioaktiven Elementen ausgestattet sind – sogenannten Radionukliden. Sie bieten die Möglichkeit, Tumore präzise, zielgerichtet und personalisiert zu diagnostizieren und zu behandeln. Anders als bei herkömmlichen Therapien wirken Radiopharmaka direkt im erkrankten Gewebe, wodurch das umliegende gesunde Gewebe weitgehend geschont wird.

Das sächsische Radiopharmazie-Netzwerk nukliD® wird die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft fördern, technische Innovationen vorantreiben und Öffentlichkeitsarbeit leisten. Zu den Gründungsmitgliedern zählen unter anderem das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR), ABX advanced biochemical compounds, CUP contract labs, Isotope Technologies Dresden, ROTOP Pharmaka, TRIMT und MDG Molecular Diagnostics Group.

Sachsens Wirtschafts- und Arbeitsminister Dirk Panter hebt die Bedeutung des Clusters hervor: »Investitionen in die Radiopharmazie lohnen sich mehrfach. Sie stärken das Innovationsökosystem und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Zudem entstehen neue, hochwertige Arbeitsplätze. Schließlich profitieren Patientinnen und Patienten von genauerer Diagnostik und wirksameren Therapien. Sachsen kann so zu einem europäischen Leuchtturm der Radiopharmazie werden.«

Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf e.V. (HZDR)

Das HZDR forscht auf den Gebieten Energie, Gesundheit und Materie. Eines der insgesamt zehn Institute ist das Institut für Radiopharmazeutische Krebsforschung. Hier werden Fragestellungen auf dem Gebiet der radiopharmazeutischen Tumorforschung bearbeitet und sogenannte theranostische Radiopharmaka entwickelt. Interdisziplinär aufgestellte Arbeitsgruppen forschen gemeinsam an Beiträgen zur molekularen Bildgebung und Therapie von Tumoren. Die Forschenden können für ihre Aufgaben auf eine hervorragende Infrastruktur zurückgreifen. In den Jahren 2017/18 bezog das Institut einen neuen Forschungskomplex, das Zentrum für Radiopharmazeutische Tumorforschung (ZRT).

Prof. Sebastian M. Schmidt, Wissenschaftlicher Direktor des HZDR: »Das HZDR besitzt das Know-how und die Infrastrukturen, um zentraler Innovationstreiber und wissenschaftlicher Impulsgeber sowohl für die Radiopharmazie-Branche insgesamt als auch für das nukliD-Cluster zu sein. Wir sind stolz darauf, im Netzwerk die Schlüsselrolle als starker Forschungspartner einzunehmen.«

ROTOP Pharmaka GmbH (Dresden-Rossendorf)

Die ROTOP Pharmaka GmbH ist ein etablierter Anbieter von Radiopharmaka für die nuklearmedizinische Breitenversorgung und leistet einen nachhaltigen Beitrag zur Gesundheitsversorgung weltweit. Mit drei Produktionsstandorten für die Geschäftsbereiche Diagnostik (cold Kits), Ready-to-use Patientendosen und Auftragsentwicklung und -herstellung (CDMO) verfügt ROTOP über eine solide Infrastruktur, um die vielfältigen Anforderungen des Marktes zu erfüllen.

Besonders engagiert ist das Unternehmen in der Entwicklung theranostischer Ansätze, die Diagnostik und Therapie für eine individualisierte Behandlung verbinden. Als CDMO-Partner arbeitet ROTOP eng mit Kunden an innovativen Lösungen zur Verbesserung der Patientenversorgung.

Jens Junker, CEO der ROTOP Pharmaka: »Die Radiopharmazie ist ein zentraler Innovationstreiber für die moderne Krebsmedizin und zugleich ein bedeutender Zukunftsmarkt. In Sachsen treffen wissenschaftliche Exzellenz, unternehmerische Stärke und eine leistungsfähige Infrastruktur aufeinander. Das Radiopharmacy Cluster Dresden bündelt diese Kompetenzen, beschleunigt den Transfer in die Anwendung und schafft nachhaltige Arbeitsplätze – zum Nutzen der Patientinnen und Patienten und zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts Sachsen.«

Eckert & Ziegler Isotope Technologies Dresden GmbH (Dresden-Rossendorf)

Eckert & Ziegler SE gehört mit über 1.000 Mitarbeitenden zu den führenden Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für die Nuklearmedizin und Strahlentherapie. Die Isotope Technologies Dresden GmbH (ITD) ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft des Berliner Konzerns und repräsentiert den Geschäftsbereich des Anlagenbaus. ITD bietet internationalen Partnern im Gesundheitswesen, in der Industrie sowie in Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen maßgeschneiderte Heißzellenlösungen.

Eckert & Ziegler investiert bis zu 50 Millionen Euro in den Ausbau des sächsischen Produktionsstandortes. 2024 hat das Medizintechnikunternehmen ein neues, 1.700 Quadratmeter großes Betriebsgebäude am Standort Dresden-Rossendorf eröffnet.

Gunnar Mann, Vorstand der Eckert & Ziegler SE: »Sachsen bringt beste Voraussetzungen mit, um sich langfristig als führender Standort für radiopharmazeutische Technologien zu etablieren. Als Eckert & Ziegler sehen wir unsere Aufgabe darin, den Ausbau und die Weiterentwicklung unseres Standorts in Dresden-Rossendorf aktiv voranzutreiben und gezielt in seine Zukunft zu investieren.«

ABX advanced biochemical compounds GmbH (Radeberg)

Als weltweit führender Anbieter in der Radiopharmazie entwickelt und produziert ABX hochspezialisierte Wirkstoffe und Verbrauchsmaterialien für die medizinische Bildgebung. Die Lösungen von ABX ermöglichen eine präzise Diagnose von Krebs- und Stoffwechselerkrankungen durch modernste Positronen-Emissions-Tomographie (PET) und Single Photon Emission Computed Tomography (SPECT).

»Mit über 25 Jahren Erfahrung und einer Arzneimittelzulassung des erfolgreichen Prostata-Diagnostikums Radelumin® in vielen europäischen Ländern setzen wir Maßstäbe in Qualität, Sicherheit und Innovation«, sagt CEO Marco Müller. Darüber hinaus hat das Unternehmen ABX einen hohen Anteil am neuartigen Therapeutikum Pluvicto®, welches es bis zur klinischen Phase 2 begleitet hat.

Das 1997 gegründete Unternehmen hat seinen Standort in Radeberg. Mit über 420 Mitarbeitenden ist es der größte Arbeitgeber für Radiopharmazeutika im sächsischen »Radiopharmaceutical Valley«.

»Ein starkes Signal für die Zukunft ist unser 35-Millionen-Euro-Investment in ein eigenes 32 MeV Zyklotron, das die Grundlage für die größte europäische CDMO mit sechs Produktionslinien im gesamten PET/SPECT-Bereich bildet. Damit sichern wir die Versorgung, treiben die Entwicklung neuer Radiopharmazeutika voran und bieten maßgeschneiderte Lösungen von PET-Präkursoren über Reagenziensets bis hin zur Auftragsentwicklung«, so Marco Müller weiter.

CUP Laboratorien Dr. Freitag GmbH + TRIMT GmbH (Radeberg)

CUP contract labs agiert für Unternehmen der Radiopharmabranche als strategischer Partner und Auftragslabor für die Entwicklung, Zulassung und Qualitätskontrolle von Medizinprodukten und komplexen Pharmazeutika, u.a. von Biologika bis Zytostatika. Als einziges kommerziell verfügbares Auftragslabor in Europa verfügt CUP über patentierte Isolatorsysteme und spezialisierte Infrastruktur zur sicheren und GMP-konformen analytischen Untersuchung radiopharmazeutischer Produkte. GMP-Richtlinien (Good Manufacturing Practice / Gute Herstellungspraxis) sind internationale Qualitätsstandards für die Produktion von Arzneimitteln.

Was 1991 als »Chemisches Labor für Umwelt- und Produktanalytik« (CUP) ganz klein in Radeberg begann, ist heute ein international agierendes Familienunternehmen, das 70 Mitarbeitende aus sechs Nationen beschäftigt.

»Was mich antreibt, ist der Anspruch, wissenschaftliche Exzellenz mit konkretem medizinischem Nutzen zu verbinden. Ob in der analytischen Unterstützung der Radiopharma-Industrie bei CUP oder in der Entwicklung neuer Medikamente bei TRIMT – unser Ziel ist es, Technologien zu schaffen, die Ärzten helfen und Patienten eine bessere Perspektive geben«, sagt Geschäftsführer Dr. Dirk Freitag-Stechl.

Freitag-Stechl hat 2021 mit zwei Partnern das Start-up TRIMT GmbH gegründet, um an einem wirksamen Stoff gegen das Pankreaskarzinom, eine bösartige Tumorerkrankung der Bauchspeicheldrüse, zu forschen. TRIMT nutzt einen Biomarker namens αvβ6-Integrin, der in hoher Dichte auf den meisten Bauchspeicheldrüsenkrebszellen zu finden ist, zur Lokalisierung der Knoten. Das Radiopharmazeutikum Ga-68-TRIVEHEXIN kann Pankreaskarzinome aufspüren, indem es spezifisch selbst kleine Mengen dieses Biomarkers bindet. Es hilft Chirurgen und Onkologen bei der Optimierung ihrer Behandlung. 2023 wurde die TRIMT GmbH mit dem Sächsischen Gründerpreis und dem Sächsischen Transferpreis ausgezeichnet.


Kontakt

Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz

Pressesprecher Jens Jungmann
Telefon: +49 351 564 80600
Telefax: +49 351 564 80680
E-Mail: presse@smwa.sachsen.de
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