Früher erkennen, schneller handeln: Sachsen unterstützt Schulen im Umgang mit psychischen Belastungen
21.01.2026, 14:27 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)
Pilotprojekt vernetzt Schule und Medizin
Psychische Belastungen und Verhaltensauffälligkeiten von Kindern und Jugendlichen nehmen auch im Schulalltag zu. Schulische Führungskräfte sehen sich zunehmend mit steigenden Herausforderungen in der Schülerschaft konfrontiert – ein Umstand, der sich langfristig auf die Berufszufriedenheit und Lehrergesundheit auswirken kann.
Um Schulleitungen und Lehrkräfte gezielt zu entlasten, starten das Sächsische Kultusministerium, das Universitätsklinikum Dresden, das Sächsische Krankenhaus Arnsdorf und die Beisheim Stiftung ein gemeinsames Pilotprojekt, das schulische Praxis und medizinische Fachexpertise verbindet. Ziel ist es, Lehrkräfte im schulischen Alltag zu unterstützen und zugleich den Umgang mit Schülerinnen und Schülern mit psychischen Auffälligkeiten verlässlicher zu gestalten.
Das Projekt wird zum Schuljahr 2026/27 in den Pilotregionen Dresden und Bautzen umgesetzt und gliedert sich in drei Module. Kernstück ist der »Verfahrensnavigator« – eine interaktive, digitale Orientierungshilfe, die übersichtlich darstellt, welche Schritte in welchen Situationen notwendig sind. Der Navigator soll dauerhaft über eine zentrale Webseite abrufbar sein und so auch von Fachkräften und Eltern genutzt werden können.
Ergänzend absolvieren Projekt-Teilnehmer im Modul »Wissensbasis« sogenannte MHFA-Youth Kurse (Psychologische Erste Hilfe: Kompetenz für Krisensituationen im Alltag) und erhalten über ein Jahr verteilt auf die regionalen Besonderheiten abgestimmte, ergänzende Schulungen. Begleitet von medizinischen Fachkräften wird das Vorgehen anhand konkreter Fallbeispiele im Modul »Transferwerkstatt« eingeübt.
Finanziert wird das Projekt durch die Beisheim Stiftung. Ziel ist es, das Pilotprojekt schrittweise auszuweiten und langfristig im Freistaat Sachsen zu verankern.
Kultusminister Conrad Clemens: »Psychische Belastungen von Kindern und Jugendlichen stellen Schulen zunehmend vor komplexe Aufgaben. Entscheidend ist, dass Schulleitungen wissen, welche Schritte wann notwendig sind. Mit diesem Projekt unterstützen wir Schulleitungen und Lehrkräfte dabei, herausfordernde Situationen sicher zu meistern. Durch die Verknüpfung von schulischer Praxis und medizinischem Fachwissen stärken wir ihre Handlungskompetenz.«
Professor Veit Roessner, Klinikdirektor für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Dresden: »Nicht nur die Zunahme, auch fehlende abgestimmte Abläufe im Umgang mit psychisch auffälligen Schülerinnen und Schülern belasteten den Schulalltag zusätzlich. Dazu bedarf es abgestimmter Prozesse, klarer Zuständigkeiten und einer frühzeitigen Diagnostik. Die drei Module des Pilotprojektes sollen Schulen, Fachkräfte und Eltern verlässlich entlasten. Wir werden dabei sowohl auf leicht verständliche Anleitungen als auch Wissensvermittlung und Wissenstransfer an konkreten Fallbeispielen setzen.«
Professor Markus Donix, Ärztlicher Direktor des Krankenhauses Arnsdorf und Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie: »Durch die Förderung der Beisheim-Stiftung kann ein Vorhaben mit überregionaler Wirkung angestoßen werden. Ich freue mich sehr auf eine fruchtbare Kooperation mit dem Kultus- und dem Sozialministerium. Dass von Beginn an sowohl die Stadt Dresden als auch der Landkreis Bautzen davon profitieren, wird durch die enge Verbindung des Universitätsklinikums Dresden mit dem Sächsischen Krankenhaus Arnsdorf möglich und zeigt die Kraft der hervorragenden Zusammenarbeit aller Projektpartner.«
Ulf Matysiak, Geschäftsführer der Beisheim Stiftung: »Schule muss kompetent und resilient sein, um auf gesellschaftliche Herausforderungen ausreichend reagieren zu können. Wir freuen uns, dass wir hier in Sachsen ein Projekt unterstützen können, das mit einer Kombination aus praktischem Wissen, Schulungsangeboten und Einzelfallhilfen Schulleitungen und Kollegien unterstützt. Hierfür wirken Akteure aus Schulpraxis, Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie Verwaltung zusammen. Der Beitrag der Beisheim Stiftung soll dazu führen, die mentale Gesundheit der ganzen Schulgemeinschaft zu stärken und aus dem Projekt ein landesweites Programm entstehen zu lassen.«