Neun Persönlichkeiten aus Sachsen mit Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland geehrt
03.03.2026, 15:00 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)
Übergabe durch Ministerpräsident Kretschmer in Dresden – Würdigung für »bewundernswertes Engagement«
Dresden (3. März 2026) – Ministerpräsident Michael Kretschmer hat insgesamt neun Bürgerinnen und Bürger aus Sachsen den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland überreicht. Mit dieser besonderen Auszeichnung, die vom Bundespräsidenten verliehen wird, werden Menschen geehrt, die sich in den Bereichen Politik, Soziales, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur in besonderer Weise um das Gemeinwohl verdient gemacht haben.
Bei der feierlichen Übergabe in der Sächsischen Staatskanzlei in Dresden betonte Kretschmer am Dienstag: »Mit Ihrem herausragenden und bewundernswerten Engagement haben Sie an ganz unterschiedlichen Stellen Außergewöhnliches geleistet und unglaublich viel bewegt. Ihr Einsatz für unser Gemeinwesen ist vorbildlich und verdient höchsten Respekt und Anerkennung. Dafür danke ich Ihnen allen von Herzen!«
Beim Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland handelt sich um die höchste Anerkennung, die die Bundesrepublik für Verdienste um das Gemeinwohl ausspricht.
Ausgezeichnet wurden im Einzelnen:
Annemarie Krause (Thum)
Annemarie Krause (94) widmet sich seit vielen Jahren als Zeitzeugin in herausragender Weise der Aufarbeitung stalinistischen Unrechts. Nachdem sie bereits mit 17 Jahren verhaftet und zu einer langjährigen Haftstrafe in Lagern wie Sachsenhausen und dem Frauengefängnis Hoheneck verurteilt wurde, machte sie es sich nach ihrer Rehabilitierung zur Aufgabe, über ihre traumatischen Erfahrungen öffentlich zu berichten. Durch ihr langjähriges Engagement im Hohenecker Frauenkreis und in der Vereinigung der Opfer des Stalinismus trägt sie maßgeblich dazu bei, die Erinnerung an die politische Gefangenschaft in der Sowjetischen Besatzungszone und der frühen DDR wachzuhalten. Trotz ihres hohen Alters unterstützt sie wissenschaftliche Studien sowie Gedenkstätten wie das Kaßberg-Gefängnis und vermittelt nachfolgenden Generationen die Bedeutung von Freiheit und Rechtsstaatlichkeit. Annemarie Krause leistet damit einen überaus wertvollen Beitrag zur historischen Aufarbeitung und zur Mahnung gegen totalitäre Strukturen.
Renate Aris (Chemnitz)
Renate Aris (90), eine der letzten sächsischen Überlebenden des Holocaust, ist als Zeitzeugin eine wichtige Kämpferin gegen das Vergessen. Ein zentraler Pfeiler ihres Wirkens ist ihre jahrzehntelange Tätigkeit als Stimme der Aufklärung. Trotz ihres hohen Alters tritt sie sachsen- und bundesweit in Schulen und Bildungseinrichtungen auf, um jungen Generationen die Gräuel der NS-Zeit authentisch und fundiert zu vermitteln. Als »Brückenbauerin« und gefragte Ratgeberin in der gesellschaftspolitischen Jugendbildung verleiht sie der Mahnung »Nie wieder ist jetzt« eine starke, persönliche Stimme. Zudem widmete sie sich intensiv dem Wiederaufbau der Jüdischen Gemeinde Chemnitz und der Integration jüdischer Zuwanderer, insbesondere durch den von ihr mitbegründeten Jüdischen Frauenverein. Renate Aris erwarb sich damit herausragende Verdienste um das Gemeinwohl.
Roland Einsiedel (Laußig, OT Kossa)
Roland Einsiedel (85) leistete wertvolle Pionierarbeit für den ökologischen Landbau in Sachsen. Als Gründer und langjähriger Leiter der Sächsischen Interessengemeinschaft ökologischer Landbau gelang es ihm, wissenschaftliche Erkenntnisse und Visionen zur nachhaltigen Landwirtschaft aus Ost und West zu vereinen und eine zentrale Plattform für den fachlichen Austausch zu schaffen. Besonderes Augenmerk verdient sein unermüdliches Engagement in der Umweltbildung und Nachwuchsförderung. Durch die Organisation hochrangig besetzter Fortbildungstagungen zum Kreislaufgedanken »Boden-Pflanze-Tier-Mensch-Boden« fungiert er bis ins hohe Alter von über 80 Jahren als versierter Fachmann und Multiplikator. Roland Einsiedel hat durch seine Netzwerkarbeit maßgeblich zur Förderung der Biodiversität und Bodenfruchtbarkeit beigetragen und damit nachhaltige Spuren zum Wohle von Mensch und Umwelt hinterlassen.
Fred Richter (Chemnitz)
Fred Richter (85) leistete durch sein jahrzehntelanges, herausragendes Engagement als Amateur-Paläontologe und Vorsitzender des Freundeskreises des Museums für Naturkunde Chemnitz e. V. wesentliche Beiträge zur naturkundlichen Forschung. Er widmete einen Großteil seiner Freizeit dem Sammeln, Katalogisieren und Präparieren von Fossilien und Mineralen und unterstützte aktiv wissenschaftliche Grabungen im Chemnitzer Raum. Fred Richter hat maßgeblichen Anteil an bedeutenden Ausgrabungen in und um Chemnitz, die zu wichtigen wissenschaftlichen Funden und Erkenntnissen unter anderem zu paläobotanischen Lagerstätten führten. Seine umfangreiche paläobotanische Sammlung übergab er dem Museum als Schenkung, wodurch die Materialgrundlage für weitere Forschung gesichert wurde. Als langjähriger Vorsitzender des Freundeskreises engagierte er sich zudem für den Vereinsnachwuchs und trug durch die Akquise von Drittmitteln und seine Expertise maßgeblich zur Bereicherung des Museums als außerschulischem Lernort bei. Sein Wirken stellt eine außerordentliche Lebensleistung zum Wohle der Allgemeinheit und der Wissenschaft dar.
Alwin Hensel (Radibor)
Alwin Hensel (81) prägte über mehr als vier Jahrzehnte die Strukturen der Freiwilligen Feuerwehr im Landkreis Bautzen entscheidend und machte sich insbesondere um die Nachwuchsförderung verdient. Als langjähriger Wehrleiter und Kreisjugendfeuerwehrwart leistete er Pionierarbeit beim Neuaufbau der Jugendfeuerwehren nach 1990, kümmerte sich um die Nachwuchsarbeit und grenzüberschreitende Kooperationen mit Polen und Tschechien. Sein Wirken zeichnet sich durch ein hohes Maß an Sachkenntnis und Gemeinsinn aus, wobei er durch die Ausbildung zahlreicher Jugendlicher die kommunale Daseinsvorsorge im ländlichen Raum stärkte und sicherte. Auch im Ruhestand bleibt er der Feuerwehr verbunden, indem er historische Technik für Ausstellungen aufbereitet und die Geschichte der Jugendfeuerwehr in einer umfassenden, fünfbändigen Chronik dokumentiert. Alwin Hensels lebenslanges Engagement trug maßgeblich zur Einsatzbereitschaft und zum starken Gemeinschaftsgefühl der Feuerwehren in seiner Heimat bei.
Dr.-Ing. Hans-Joachim Jäger (Radebeul)
Dr. Hans-Joachim Jäger (79) prägte als Gründungsmitglied der Bürgerinitiative für den Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche und Mitunterzeichner des »Rufs aus Dresden« das weltbekannte Projekt über drei Jahrzehnte maßgeblich. Als langjähriger Geschäftsführer der Fördergesellschaft schuf er die wesentlichen Grundlagen für die Spendenakquise, die Öffentlichkeitsarbeit und die internationale Vernetzung, die den Wiederaufbau ermöglichten. Besonders hervorzuheben ist auch sein Wirken bei der Organisation von Veranstaltungen wie der jährlichen Weihnachtlichen Vesper und dem Stillen Gedenken am 13. Februar, die weit über Dresden hinaus als Symbole für Frieden und Versöhnung wirken. Darüber hinaus engagierte sich Dr. Jäger jahrzehntelang ehrenamtlich im Landesverein Sächsischer Heimatschutz. Sein unermüdlicher Einsatz hat nachhaltig zur internationalen Völkerverständigung und zur Stärkung der sächsischen Identität beigetragen.
Eva Hommel (Ohorn)
Eva Hommel (75) engagiert sich seit mehr als 25 Jahren mit außergewöhnlichem humanistischem Einsatz für das Gemeinwohl. Ein Kernstück ihres Wirkens war die jahrzehntelange Aufnahme von Kindern aus der Region Tschernobyl in den Sommerferien. Mit Ausbruch des Ukraine-Krieges im Jahr 2022 weitete sie dieses Engagement aus und übernahm die Betreuung und Integration ukrainischer Flüchtlingsfamilien. Über ihre Tätigkeit als Ratgeberin und Lehrerin hinaus unterstützt Eva Hommel Geflüchtete bei Sprachkursen, Behördengängen und der Wohnungssuche. Zudem ist sie eine tragende Säule des gesellschaftlichen Lebens in ihrer Heimatgemeinde Ohorn: Sie engagierte sich jahrelang als Mitglied im Gemeinderat und ist im Heimat- und Geschichtsverein sowie im Kirchenchor aktiv. Durch ihre unermüdliche Hilfsbereitschaft und ihr Wirken als Brückenbauerin zwischen den Kulturen hat sie maßgeblich zur Integration und zum sozialen Zusammenhalt in der Region beigetragen.
Prof. Dr. Andreas Berkner (Naunhof)
Prof. Dr. Andreas Berkner (67) hat die Regionalplanung in Leipzig und dem Leipziger Umland sowie den Strukturwandel im Mitteldeutschen Braunkohlerevier entscheidend geprägt. Als langjähriger Leiter des Regionalen Planungsverbandes Westsachsen trug er maßgeblich dazu bei, ehemalige Bergbaulandschaften erfolgreich in zukunftsfähige Wirtschafts- und Erholungsräume wie das Leipziger Neuseenland zu transformieren.
Darüber hinaus engagierte er sich in besonderer Weise in der akademischen Lehre und Nachwuchsförderung. Gefragt war seine Expertise zudem als Sachverständiger in verschiedenen Arbeitsgruppen und Kommissionen. Besonders hervorzuheben ist sein vielfältiges ehrenamtliches Wirken. So leitet er unter anderem den Dachverein »Mitteldeutsche Straße der Braunkohle«, engagiert sich federführend in der Kulturstiftung Hohenmölsen und dokumentierte umfassend die Regionalgeschichte der Bergbauumsiedlungen. Prof. Berkner hat durch seine fachliche Expertise und seine moderierende Rolle maßgeblich zur Verbesserung der Lebensbedingungen und zur Identitätsstiftung in der Region beigetragen.
Grit Wagner (Annaberg-Buchholz)
Grit Wagner (52) widmet sich seit vielen Jahren mit herausragendem persönlichem Einsatz der Prävention und Aufklärung über das Fetale Alkoholsyndrom (FASD). Als selbst Betroffene macht sie es sich zur Lebensaufgabe, über die Gefahren von Alkoholkonsum während der Schwangerschaft aufzuklären und das Bewusstsein für dieses Thema in der Gesellschaft zu schärfen. Durch ihre bewegenden Lesungen aus eigenen Büchern, dialogische Vorträge an Schulen und in kirchlichen Einrichtungen sowie durch ihre Präsenz in den Medien verleiht sie Betroffenen eine starke Stimme. Mit der Gründung einer FASD-Selbsthilfegruppe und ihrem Engagement im Christlichen Körperbehindertenverein Annaberg e. V. schafft sie zudem wichtige Netzwerke für den Austausch und die Inklusion. Trotz eigener gesundheitlicher Einschränkungen leistet Grit Wagner eine beeindruckende Aufklärungsarbeit, die maßgeblich dazu beiträgt, Vorurteile abzubauen und künftiges Leid durch Prävention zu verhindern.
Hintergrund: Verliehen wird der Verdienstorden vom Bundespräsidenten. Es handelt sich dabei um die höchste Anerkennung, die die Bundesrepublik für Verdienste um das Gemeinwohl ausspricht. Der Verdienstorden wird an in- und ausländische Bürgerinnen und Bürger für politische, wirtschaftlich-soziale und geistige Leistungen verliehen sowie darüber hinaus für alle besonderen Verdienste um die Bundesrepublik Deutschland, wie zum Beispiel im sozialen und karitativen Bereich. Eine finanzielle Zuwendung ist mit der Verleihung des Verdienstordens nicht verbunden.
Hinweis: Fotos gibt es nach der Veranstaltung im Medienservice der Sächsischen Staatsregierung unter https://www.medienservice.sachsen.de/medien/medienobjekte