Von Kunstblume bis Sachsenring: Freistaat nominiert vier Kulturformen für das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes
07.04.2026, 10:00 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)
Landesliste wächst auf 21 Einträge und spiegelt kulturelle Vielfalt im Freistaat wider
Der Freistaat Sachsen schlägt im neuen Auswahlverfahren vier Kulturformen für die Aufnahme in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes vor: die Fankultur am Sachsenring, den manufakturellen Porzellanherstellungsprozess, die Parkour-Bewegung und die Sebnitzer Kunstblumenproduktion. Alle vier Kulturformen wurden auch in die Sächsische Landesliste des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen.
Die Sächsische Staatsministerin für Kultur und Tourismus Barbara Klepsch betont: »Das Immaterielle Kulturerbe ist tief in den Regionen unseres Freistaates verwurzelt. Es lebt vom Engagement der Menschen vor Ort, die Traditionen bewahren und zugleich weiterentwickeln. Die nominierten Kulturformen zeigen eindrucksvoll, wie vielfältig, identitätsstiftend und lebendig unsere regionale Kultur ist – von jahrhundertealtem Handwerk bis hin zu modernen urbanen Bewegungen.«
Die Schaumanufaktur Deutsche Kunstblume und Städtischen Sammlungen Sebnitz haben den Antrag Sebnitzer Kunstblumenproduktion entwickelt. Sebnitz blickt auf eine lange Tradition der Kunstblumenproduktion zurück, die bis ins 19. Jahrhundert reicht. Heute führt die Schaumanufaktur Deutsche Kunstblume Sebnitz diese fast zweihundertjährige Kultur fort. Sie bewahrt das handwerkliche Wissen, bietet die Ausbildung zum Kunstblumenfacharbeiter an und vermittelt das Erbe museal in den Städtischen Sammlungen Sebnitz. Veranstaltungen wie »Sebnitz tanzt« machen die Tradition öffentlich erlebbar.
Der Antrag Manufaktureller Porzellanherstellungsprozess wurde von der Meißen Porzellan-Stiftung GmbH erarbeitet. Das 1708 in Sachsen erfundene Hartporzellan war das erste echte Porzellan in Europa. Die in Sachsen entwickelte Porzellanherstellung verbindet seit über 300 Jahren handwerkliche Tradition mit technischer Innovation. Das Wissen um Materialien, Brenntechniken und künstlerische Gestaltung wird bis heute praktisch und mündlich weitergegeben und bildet die Grundlage für eine herausragende Fachkräfteausbildung.
Die Fankultur am Sachsenring, eingereicht von der Sachsenring Event GmbH/Tourismusverband Chemnitz Zwickau Region e. V., steht für ein kulturelles Phänomen, das die Identität der Region um Hohenstein-Ernstthal und Oberlungwitz in Sachsen präg. Rund um den Motorrad Grand Prix hat sich in fast 100 Jahren Renngeschichte ein interkulturelles Festival entwickelt, das den Grand Prix zu einem kulturellen Phänomen macht. Zahlreiche Initiativen tragen diese einzigartige Fankultur und engagieren sich, um Geschichte und Festtradition zu bewahren.
Hinter der Bewerbung Parkour stehen der ParkourONE e.V. Dresden und der Deutsche Parkourverband e.V. Die Parkour-Bewegung entstand Ende der 1980er Jahre in Frankreich und verbreitete sich seit den 2000er Jahren in Deutschland. Mittlerweile ist sie fest in der Alltagskultur vieler Städte verankert. Was auf den ersten Blick wie eine sportliche Aktivität aussieht steht für eine wertebasierte Praxis, die Respekt, Achtsamkeit und Gemeinschaft fördert. Die Szene organisiert sich in Vereinen, offenen Trainingsformaten und Bildungsprojekten.
Über die Aufnahme in das Bundesweite Verzeichnis entscheidet die Kulturministerkonferenz im Frühjahr 2027. Zuvor bewertet ein unabhängiges Expertengremium bei der Deutschen UNESCO-Kommission die eingereichten Vorschläge.
Es wurden zudem drei weitere Kulturformen in die Sächsische Landesliste des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen, die damit nun insgesamt 21 Einträge umfasst:
Drahtgebundene Telefonie – Bewahrung von Wissen, Handwerk und Technik. Die Interessengemeinschaft Historische Fernmeldetechnik e.V. hat sich zum Ziel setzt, sowohl das Wissen um die klassische drahtgebundene Telefonie zu bewahren als auch eine technische Infrastruktur betriebsbereit zu halten. Die notwendigen technischen Einrichtungen der Hand- und automatischen Vermittlung sowie die Fernsprechapparate sind dazu im Fernmeldemuseum Dresden zu einem funktionierenden Fernsprechnetz zusammengeschaltet.
Der Zuchtweg der Buckfastbiene stellt einen Wendepunkt in der Geschichte der modernen Imkerei dar und verbindet heute europaweit über 3.500 Imkernde in 18 Landesverbänden zu einem lebendigen grenzüberschreitenden Netzwerk. Entwickelt wurde die Zuchtmethode durch den Benediktinermönch Bruder Adam (Karl Kehrle) in der Klosterimkerei in Buckfast Abbey in Südwestengland. Der Zuchtweg beruht auf einem offenen, nie abgeschlossenen Prinzip: Durch Testkreuzungen und sorgfältige Auslese über mehrere Generationen werden gewünschte Eigenschaften wie Sanftmut, Vitalität oder Krankheitsresistenz in stabile Zuchtlinien integriert.
Herstellung und Spiel der deutschen Posaune: Die ersten weitmensurierten Posaunen, die sogenannten »deutsche Posaunen« wurden in Leipzig und im sächsischen Vogtland entwickelt und gebaut und verbreiteten sich von dort aus in die ganze Welt. Diese fast ausschließlich handwerklich gefertigten Posaunen haben einmalige Klangeigenschaften. Die Entwicklung der deutschen Posaune wurde, wie kein anderes Instrument im klassischen Sinfonieorchester, von Handwerkenden, Spielenden und Komponierenden in engem Zusammenspiel beeinflusst. In Deutschland gibt es etwa ein Dutzend Handwerksbetriebe, die das Weiterbestehen und die Weitergabe der Tradition gewährleisten.
Hintergrund
Immaterielles Kulturerbe umfasst lebendige Kulturformen, die von Wissen, Können und Traditionen getragen und von Generation zu Generation weitergegeben werden. Dazu zählen unter anderem Bräuche, Feste, Handwerkstechniken sowie Musik- und Ausdrucksformen. Sie stiften Identität, fördern Gemeinschaft und spiegeln die kulturelle Vielfalt einer Region wider. Auf dem Landesverzeichnis damit nunmehr 21 Kulturformen gelistet, die die Vielfalt der kulturellen Ausdrucksformen im Freistaat dokumentieren. https://www.kulturland.sachsen.de/landesliste-des-immateriellen-kulturerbes-3999.html