Historische Orte der DDR-Heimerziehung stärken: 185.000 Euro für die Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof in Torgau
14.04.2026, 12:30 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)
Die Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof in Torgau erhält aus dem Strukturentwicklungsfonds sächsische Braunkohleregionen 185.000 Euro. Mit dieser Förderung werden Bundesmittel in Höhe von 126.000 Euro kofinanziert. Mit den Fördermitteln soll eine digitale Erinnerungs- und Dokumentationsplattform zu Einrichtungen der DDR-Heimerziehung, Psychiatrie und Behindertenhilfe für Kinder und Jugendliche entstehen. Grundlage dieser Plattform ist eine vom Sächsischen Sozialministerium erstellte und Anfang 2026 an die Gedenkstätte übergebene Datenbank.
»Die Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau ist von zentraler Bedeutung, um die Erinnerung an die Opfer politischer Verfolgung wach zu halten und historische Verantwortung zu übernehmen. Als authentischer Ort der Zeitgeschichte macht sie die Auswirkungen von Diktatur und Unrecht greifbar und vermittelt insbesondere jungen Menschen die Werte von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenwürde. Mit der Förderung aus dem Strukturentwicklungsfonds tragen wir dazu bei, dass Geschichte lebendig und greifbar vermittelt werden kann«, sagt Sachsens Kultur- und Tourismusministerin Barbara Klepsch.
Gabriele Beyler, Vorstandsvorsitzende der Initiativgruppe Geschlossener Jugendwerkhof (GJWH) Torgau (Trägerverein der Gedenkstätte GJWH Torgau): »Wir freuen uns sehr über die Unterstützung und Förderung, die es uns ermöglicht, die Aufarbeitung der DDR-Heimerziehung weiter zu vertiefen. Mit der digitalen Plattform können wir erstmals Wissen zu den verschiedenen Einrichtungen bündeln und die Erfahrungen der Betroffenen stärker sichtbar machen. Gleichzeitig stärken wir unsere Bildungsangebote durch weitere innovative Vermittlungsformate und bringen das Thema mit unserem Projekt BLACKBOX HEIMERZIEHUNG verstärkt in die Öffentlichkeit. Unser Ziel ist es, Erinnerung nicht nur zu bewahren, sondern aktiv zur Auseinandersetzung mit Diktaturerfahrungen anzuregen.«
Neben der Plattform soll mit den Fördermitteln eine am Gedenkort 2025 eingerichtete Lernwerkstatt im Dachgeschoss um zusätzliche thematische Module ergänzt und ein ebenfalls 2025 erstellter Graphic Novel (Comicroman) veröffentlicht werden.
Außerdem wird damit die diesjährige Tour der »Blackbox Heimerziehung« finanziert, eines umgebauten Seecontainers, mit dem an historischen Orten über die ideologischen Hintergründe sozialistischer Umerziehung und die innere Funktionsweise des DDR-Heimsystems informiert wird. Für 2026 soll die Tour schwerpunktmäßig in den alten Bundesländern durchgeführt werden.
Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus mit Steuermitteln auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.