Vier Modellprojekte für klimaresilienten Stadtumbau erhalten Förderung

08.06.2026, 08:30 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)

Leipzig, Nossen, Ottendorf-Okrilla und Dresden erproben übertragbare Lösungen gegen Hitze und Starkregen um die Städte fit für die Zukunft zu machen

Der Freistaat Sachsen fördert vier Modellprojekte zum klimaresilienten Stadtumbau in Leipzig, Nossen, Ottendorf-Okrilla und Dresden. Die Förderbescheide werden den Städten und Gemeinden in diesen Tagen durch die Sächsische Aufbaubank zugestellt. Insgesamt stehen dafür 948.000 Euro Landesmittel bereit. Die Vorhaben sollen zeigen, wie Kommunen auf klimatische Herausforderungen wie Hitze und Starkregen reagieren können. So entstehen Lösungen, die Wohn- und Lebensqualität verbessern und Innenstädte sowie Ortsteile lebenswert halten.

Mit dem Förderaufruf hatte das Sächsische Staatsministerium für Infrastruktur und Landesentwicklung (SMIL) Städte und Gemeinden eingeladen, Projektideen für klimaangepasste Stadtentwicklung einzureichen. Gefragt waren Vorhaben, die möglichst einfach übertragbar für andere Kommunen sind und zugleich eine breite Wirkung entfalten. Insgesamt gingen 24 Projektskizzen mit einem beantragten Fördervolumen von rund 4,6 Millionen Euro ein. Damit war das Programm rund vierfach überzeichnet. Ein Fachkreis mit Vertreterinnen und Vertretern aus Ministerien, Praxis und Forschung wählte anhand fachlicher Kriterien daraus die vier Modellprojekte aus.

Staatsministerin Regina Kraushaar: »Die große Resonanz bei den gestellten Anträgen zeigt: Viele Kommunen – ob Kleinstadt oder Großstadt – wollen ihre Stadt- und Ortskerne besser auf Hitze, Starkregen und Trockenheit vorbereiten. Und was besonders erfreulich ist: Sie sehen ihre Konzepte auch als eine Art ‚Blaupause‘ für umsetzbare Beispiele für andere Städte an. Auf der Straße, dem Schulhof, in der Ortsmitte und auf dem Stadtplatz soll das Klima besser werden. Die Konzepte zeigen, wie gute Planung und deren Umsetzung konkrete Verbesserungen für Menschen vor Ort schafft.«

Ausgewählt wurden folgende Modellprojekte:

1. Leipzig: Innovatives Niederschlagsmanagement Steinstraße
In Leipzig soll im Zuge des Fernwärmeausbaus ein Abschnitt der Steinstraße in der Südvorstadt West klimaangepasst umgestaltet werden. Geplant ist ein wassersensibler Straßenraum, in dem Niederschlagswasser direkt vor Ort versickern kann. Erprobt werden blau-grüne Systembausteine, die sich auch bei weiteren Straßen- und Leitungsbauprojekten einsetzen lassen könnten. Der Freistaat fördert das Vorhaben mit 250.000 Euro.

2. Nossen: Klima-Aktiv-Schule Dr.-Eberle-Oberschule
In Nossen soll der nahezu vollständig versiegelte Schulhof der Dr.-Eberle-Oberschule entsiegelt, begrünt und mit blau-grüner Infrastruktur umgestaltet werden. Dazu gehören unter anderem eine großflächige Entsiegelung, Verschattungselemente durch Bäume und Sonnensegel aber auch Blütenhecken als Bienennahrung. Der Schulhof soll damit künftig Lern- und Erholungsraum sein. Schülerinnen und Schüler sollen in Planung, Nutzung und Pflege eingebunden werden. Der Freistaat fördert das Vorhaben mit 250.000 Euro.

3. Ottendorf-Okrilla: Schwammstadtkonzept Neue Ortsmitte
In Ottendorf-Okrilla soll für die neue Ortsmitte ein Konzept erarbeitet werden, das das Schwammstadtprinzip von Beginn an zur Grundlage der Planung macht. Regenwasser, Grünflächen, Oberflächen und unterirdische Infrastruktur sollen zusammengedacht werden. Das Projekt kann besonders für kleinere und mittlere Kommunen mit neuen Quartiersentwicklungen oder Brachflächen beispielgebend sein. Der Freistaat fördert das Vorhaben mit 250.000 Euro

4. Dresden: Urban Re:set – Räume für morgen
In der Landeshauptstadt Dresden soll der Vorplatz des Kulturpalastes klimaresilient weiterentwickelt werden. Vorgesehen sind modulare Begrünung, temporäre Verschattung und intelligente Wassernutzung. Ergänzend soll ein elektrisch betriebener Bio-Luftfilter eingesetzt werden. Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet und durch Kultur-, Bildungs- und Beteiligungsformate ergänzt. Der Freistaat fördert das Vorhaben mit 198.000 Euro.

Die Förderung erfolgt auf Grundlage der Förderrichtlinie Städtebauliche Erneuerung. Die Finanzhilfen werden im Rahmen der verfügbaren Haushaltsmittel und entsprechend der Rangfolge des Fachkreises ausgereicht. Die maximale Förderhöhe für ein Modellprojekt liegt bei 250.000 Euro.

Die vier Modellprojekte sollen nach ihrer Umsetzung als Praxisbeispiele für andere Kommunen dienen. Ziel ist es, Erfahrungen aus den Vorhaben für weitere Städte und Gemeinden nutzbar zu machen und geeignete Ansätze in der Förderpraxis stärker zu berücksichtigen.

Am 25. Juni 2026 werden im Rahmen der Woche der Baukultur die ausgewählten Modellvorhaben bei einer Fachveranstaltung in Oschatz präsentiert. Dort werden die Ansätze vorgestellt und mit Kommunen, Fachpraxis, Wissenschaft und weiteren Akteuren diskutiert.

Hintergrund Blau-grüne Infrastruktur:
Blau-grüne Infrastruktur verbindet Wasser- und Grünflächen in Städten und Gemeinden. Ziel ist es, Quartiere besser vor Überhitzung, Trockenheit und Starkregen zu schützen. Dazu gehören entsiegelte Flächen, neue Grünräume, begrünte Dächer und Fassaden, renaturierte Bäche, Rückhalteflächen oder Anlagen, die Regenwasser speichern und verzögert abgeben. Eine wichtige Rolle spielt der Umgang mit Niederschlagswasser. Regen soll möglichst nicht sofort in die Kanalisation abgeleitet werden, sondern dortbleiben, wo er fällt. So kann Wasser versickern, gespeichert werden und über Pflanzen zur Kühlung beitragen. Das verbessert das Stadtklima und kann zugleich Kanalisation und Gewässer bei Starkregen entlasten.

Das SMIL unterstützt sächsische Kommunen dabei nicht nur über die Modellprojektförderung. Auch über das EU-geförderte Landesprogramm der nachhaltigen integrierten Stadtentwicklung (EFRE) sowie über die Städtebauförderung sind Maßnahmen für blau-grüne Infrastruktur förderfähig.

Hinweis für Redaktionen:
Die Fachveranstaltung »Blau-grüne Infrastruktur für Sachsen« findet am 25. Juni 2026 von 9:00 bis 16:00 Uhr im Thomas Münzer Haus (Stadthalle), Altmarkt 15 in Oschatz statt. Medienvertreterinnen und Medienvertreter sind nach Anmeldung zugelassen. Anmeldung und weitere Informationen unter https://iws.htwk-leipzig.de/institut/veranstaltungen-aktuelles.


Kontakt

Sächsisches Staatsministerium für Infrastruktur und Landesentwicklung

Ansprechpartner Annegret Fischer
Telefon: +49 351 564 50021
E-Mail: medien@smil.sachsen.de
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