Der Maya-Codex und eine Torah für Dresden: SLUB eröffnet Ausstellung zum Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen

18.06.2026, 13:58 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)

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Beim Lesen der Torah (© Heike Antoci)

Beim Lesen der Torah (© Heike Antoci)

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Beim Schreiben der Torah (© Heike Antoci)

Beim Schreiben der Torah (© Heike Antoci)

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Blick ins Buchmuseum mit Aufnahmen vom Schreibprozess der Torah (© Rostislav Komitov)

Blick ins Buchmuseum mit Aufnahmen vom Schreibprozess der Torah (© Rostislav Komitov)

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Der Maya-Codex im Dialog mit Torah und hebräischen Handschriften in der Schatzkammer der SLUB Dresden. (© Rostislav Komitov)

Der Maya-Codex im Dialog mit Torah und hebräischen Handschriften in der Schatzkammer der SLUB Dresden. (© Rostislav Komitov)

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Blick in die Ausstellung (© Rostislav Komitov)

Blick in die Ausstellung (© Rostislav Komitov)

Zwei eindrucksvolle Schriftzeugnisse ihrer Kulturen treten erstmals in einen direkten Dialog: Zum Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen – Tacheles – zeigt die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden in Kooperation mit dem Stadtmuseum Dresden und der Jüdischen Kultusgemeinde Dresden im Buchmuseum die Ausstellung Weltlinien der Schrift. Der Maya-Codex und eine Torah für Dresden. Die von Jahna Dahms kuratierte Ausstellung begleitet das in Europa einmalige öffentliche Schreiben einer Torah im Schreibpavillon vor dem Stadtmuseum Dresden und richtet den Blick auf Schrift als religiöse und kulturelle Praxis.

Eröffnet wird die Schau am 18. Juni 2026 um 19:00 Uhr, anschließend ist sie bei freiem Eintritt bis zum 5. August 2026 im Buchmuseum der SLUB Dresden (Zellescher Weg 18, 01069 Dresden, 2. OG) zu sehen. Das Buchmuseum ist Montag bis Samstag 12:00 bis 18:00 Uhr geöffnet. Neben Teilen der in Dresden neu geschriebenen Torah und der Maya-Handschrift sind eindrucksvolle Judaica aus den Sammlungen der SLUB zusehen. Gemeinsam machen sie die Kontinuität schriftlicher Überlieferung über mehrere Jahrhunderte hinweg sichtbar.

Dazu Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch: »Es ist für Dresden ein besonderer Moment, die wertvollen Handschriften zweier Religionsgemeinschaften in der SLUB erleben und anhand der originalen Überlieferungen mehr zur Entstehung und Nutzung erfahren zu können. Ich danke allen Beteiligten, der SLUB, dem Stadtmuseum Dresden und der Jüdischen Kultusgemeinde für diese besondere Kooperation und wünsche der Ausstellung viel Erfolg.«

Katrin Stump, Generaldirektorin der SLUB Dresden, betont: »Wir bewahren an der SLUB Dresden hebräische Handschriften aus dem 13. bis 18. Jahrhundert und jüdische Drucke, die zum Teil noch aus der Kurfürstlichen Bibliothek, einer Vorgängerinstitution der SLUB, stammen. Zum Jahr der jüdischen Kultur zeigen wir die bedeutendsten Stücke nach langer Zeit wieder öffentlich im Original. Wir danken Jahna Dahms, die die Objekte in einen größeren historischen und kulturellen Kontext gestellt hat, für ihre kuratorische Arbeit und dem Stadtmuseum sowie der Jüdischen Kultusgemeinde Dresden für die wertvolle Kooperation.«

Kuratorin Jahna Dahms erläutert zur Ausstellungsidee: »In einer Zeit, in der der Blick häufig auf Unterschiede gerichtet ist, halte ich es für wichtig, die universellen Erfahrungen des Menschseins sichtbar zu machen, die uns über Kulturen, Religionen und Epochen hinweg verbinden. Der Maya-Codex und die Torah-Rolle zeigen, dass Menschen an unterschiedlichen Orten ähnliche Fragen nach Ursprung, Zeit, Ordnung und ihrer Stellung in der Welt gestellt haben. Die Ausstellung, die auch aus dem Projekt ‚Eine Torah für Dresden‘ entstanden ist, lenkt den Blick bewusst auf diese Gemeinsamkeiten. Mein herzlicher Dank gilt der Jüdischen Kultusgemeinde Dresden und dem Stadtmuseum Dresden für die vertrauensvolle Zusammenarbeit, ohne die dieses Projekt nicht möglich gewesen wäre.«

Die Ausstellung wird im Rahmen des Programmes Jüdisches Leben in Kunst und Kultur von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen gefördert.

Torah, Machsor und Haftarah: Jüdische Kultur anhand zentraler Schriftzeugnisse

Die Ausstellung setzt die neu entstehende Torah für Dresden in Beziehung zu historischen hebräischen Handschriften aus den Sammlungen der SLUB und zum Maya-Codex. Anhand zentraler Schriftzeugnisse wie Torah, Machsor und Haftarah erfahren Besucherinnen und Besucher Wissenswertes zur jüdischen Kultur und religiösen Praxis in Vergangenheit und Gegenwart. Als Herzstück des jüdischen Kanons spielt die Torah in der Ausstellung eine wichtige Rolle. Zu sehen ist eine historische Torah aus dem 18. Jahrhundert, die Abschnitten der neu entstehenden Torah gegenübergestellt wird, an der Joshua Dias anlässlich der Ausstellungseröffnung live schreiben wird. Im jüdischen Gottesdienst folgt auf die Torahlesung zu bestimmten Anlässen eine Lesung aus den Prophetenbüchern der hebräischen Bibel, die Haftarah. In der Ausstellung wird eine Haftarah-Rolle aus dem 18. Jahrhundert präsentiert. Darüber hinaus können Besucherinnen und Besucher an einer Hörstation den gezeigten Textpassagen auch in traditionell gesungener Form lauschen.

Erstmals seit Langem wird als eines der Spitzenstücke der SLUB eine Machsor-Handschrift – das Festgebetbuch des jüdischen Jahres – aus dem 13. Jahrhundert wieder im Original gezeigt. Sie gehört zu den wenigen erhaltenen großformatigen und reich illuminierten historischen Festmahsorim – für die Forschung ein bedeutendes Zeugnis jüdischer Liturgie und Buchkunst im mittelalterlichen Aschkenas, wie das Judentum im deutschsprachigen Raum genannt wurde. Zur Ausstellungseröffnung spielen die renommierten Musikerinnen Avery Gosfield (Flöte) und Noemi La Terra (Harfe, Gesang) Musik aus dieser Zeit.

Im Begleitprogramm gibt Kuratorin Jahna Dahms vertiefte Einblicke in die Ausstellung; in einem Vortrag am 1. Juli 2026 stellt sie ihre Interpretation eines eindrucksvollen Bildes aus der Maya-Handschrift in den Mittelpunkt, und am 31. Juli 2026 nimmt sie gemeinsam mit Torah-Schreiber Joshua Dias die historische Machsor-Handschrift unter die Lupe. Dabei trägt Joshua Dias auch ausgewählte Gebete vor.

Biografische Hintergrundinformationen zu Kuratorin Jahna Dahms

Jahna Dahms (*1972 in Cottbus) ist Konzeptkünstlerin, Historikerin und Kuratorin. Sie lebt und arbeitet in Dresden. Nach dem Studium der Kunstgeschichte, Geschichte, Ur- und Frühgeschichte sowie Philosophie an der Technischen Universität Dresden studierte sie Bildende Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Dresden und wurde Meisterschülerin von Eberhard Bosslet. Sie war Professorin für Konzeption und Zeichnung sowie Gründungsdekanin der Fakultät Design an der Fachhochschule Dresden. In ihrer künstlerischen Arbeit untersucht sie universelle Formen und Ordnungsstrukturen an der Schnittstelle von Archäologie, Kulturgeschichte und Gegenwartskunst. Ihre Werke entstehen aus langfristigen Forschungen zu Material, Form und kultureller Überlieferung und werden häufig im Kontext historischer Sammlungen, Museen und Sakralräume präsentiert. Ihre Arbeiten wurden unter anderem im Archäologischen Museum Varna, im Grünen Gewölbe und in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, im Museum der bildenden Künste Leipzig sowie im Musée d’Art moderne et d’Art contemporain de Liège gezeigt. Ausgezeichnet wurde sie mit dem Marion-Ermer-Preis und dem Sächsischen Landesgraduiertenstipendium.


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