Konferenz der Gleichstellungs- und Frauenministerinnen und -minister (GFMK) tagte in Dresden

19.06.2026, 12:45 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)

Frauenarmut ganzheitlich begegnen – Teilhabe stärken

Am 18. und 19. Juni tagten die Gleichstellungsministerinnen, -minister und -senatorinnen der Länder in Dresden. Bundesfrauenministerin Karin Prien nahm als Gast an den Beratungen teil. Sachsen hat im Jahr 2026 den Vorsitz der 36. GFMK inne. Im Mittelpunkt der Beratungen stand das Leitthema: gleichwertige Teilhabe durch Ressourcengerechtigkeit und die Bekämpfung der Armut von Frauen.

Sachsens Gleichstellungsministerin Petra Köpping, Vorsitzende der GFMK 2026: »Die gleichwertige gesellschaftliche Teilhabe von Frauen ist eine fundamentale Frage von Respekt, sozialem Zusammenhalt und der Zukunftsfähigkeit unseres Landes. Wir müssen die strukturellen Ursachen von Frauenarmut an der Wurzel packen – mit konkreten Schritten für wirtschaftliche Eigenständigkeit, mit Politik, die familiäre Sorgearbeit spürbar entlastet und mit einer verlässlichen Datenbasis. Nur mit gerechten Rahmenbedingungen sichern wir Frauen echte Wahlfreiheit in allen Lebensphasen.«

Mit dem Leitantrag »Gleichwertige Teilhabe durch Ressourcengerechtigkeit – Armut von Frauen ganzheitlich verstehen und wirksam begegnen« fasste die GFMK einen Beschluss, der diesem Anliegen Rechnung trägt. »Wir haben klare und notwendige Forderungen und Prüfaufträge an die Bundesregierung adressiert. Wir brauchen jetzt greifbare Taten, damit Frauen die notwendige Sicherheit erhalten, um ihr Leben in jeder Phase selbstbestimmt und in Würde zu gestalten,« so Staatsministerin Köpping weiter.

Frauenarmut ist das direkte Ergebnis struktureller Ungleichheit – zum Beispiel durch ungleiche Verteilung unbezahlter Sorgearbeit, geringere Einkommen, eingeschränkte Aufstiegschancen oder Zugang zu Wohnraum. Besonders betroffen sind Alleinerziehende, Frauen in Teilzeit- oder Minijobs, pflegende Angehörige, ältere Frauen sowie Frauen mit Migrationsgeschichte und Frauen mit Behinderung.

Um den Ursachen wirksam zu begegnen, soll zunächst mit einer Erweiterung der erfassten Merkmale in der Armuts- und Reichtumsberichterstattung, eine bessere Datengrundlage geschaffen und verdeckte Ungleichheiten sichtbar gemacht werden.

Als weiteren Schritt sprach sich die GFMK für die Förderung der wirtschaftlichen Eigenständigkeit von Frauen aus. Hierzu zählen neben finanziellen Aspekten eine verlässliche Betreuungsinfrastruktur und die bessere Verteilung der unbezahlten Familienarbeit. Ein barrierefreier Eigenständigkeits-Check soll es ermöglichen, die finanziellen Folgen zentraler Lebensentscheidungen zu simulieren und Armutsrisiken bereits früh sichtbar zu machen.

Ungleiche Erwerbsverläufe können als langfristige Folge in niedrigeren Renten und damit einem erhöhten Risiko von Altersarmut münden. Zur Schließung dieses »Gender Pension Gap« bedarf es daher aus Sicht der GFMK konkreter Maßnahmen zum Abbau der geschlechterspezifischen Rentenlücke.

Mit dem Leitantrag soll zudem der Zusammenhang zwischen ökonomischer Abhängigkeit und geschlechterspezifischer Gewalt adressiert werden. Die GFMK-Mitglieder plädieren daher für eine stärkere Verzahnung von Gleichstellungs-, Sozial-, sowie Gewaltpräventionspolitik.

Karin Prien, Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend:
»Die Frage der wirtschaftlichen Eigenständigkeit von Frauen ist der Schlüssel für echte Gleichstellung. Wirtschaftliche Eigenständigkeit für alle legt die Grundlage für starke Familien. Das ist wichtig in einer Zeit vielfältiger Umbrüche. Eine Gesellschaft, in der alle Menschen wirtschaftlich eigenständig sind, profitiert von den Fähigkeiten und dem Potenzial ihrer gesamten Bevölkerung. Wir brauchen wirtschaftlich eigenständige Männer und Frauen für die Zukunftsfähigkeit und Innovationskraft unseres Landes.«

Aminata Touré, Ministerin für Soziales, Jugend, Familie, Senioren, Integration und Gleichstellung des Landes Schleswig-Holstein: »Die aktuell vom Bund geplanten Sozialreformen müssen auch dazu beitragen, die Situation von Frauen grundsätzlich zu verbessern und strukturelle Benachteiligungen zu beseitigen. Rente, Pflege, Erwerbs- und Sorgearbeit: Viel zu oft sind Frauen hier strukturell im Nachteil und deshalb tendenziell stärker armutsgefährdet. Ich freue mich, dass von dieser GFMK der geschlossene Appell an den Bund ausgeht, jetzt Maßnahmen zu ergreifen, um diese Situation verbessern. Mit Blick auf die nächste GFMK in Schleswig-Holstein im kommenden Jahr appelliere ich schon jetzt dafür, auch den Gewaltschutz noch entschlossener in den Blick zu nehmen. Wer Gewalt wirksam verhindern will, muss die Täter stärker in den Fokus rücken und die Ursachen von Gewalt adressieren. Die GFMK 2027 wird deshalb dem Leitmotiv »Die Verantwortung muss die Seiten wechseln« folgen.«

Zusätzlich standen weitere Aspekte des Gewaltschutzes auf der Agenda der 36. GFMK. So wurde zum Beispiel beschlossen, den Schutz vor digitalisierter sexueller Gewalt zu stärken und entsprechende Beratungsangebote auszubauen. Es sollen außerdem nationale Leitlinien für den Gesundheitsbereich zum Umgang mit geschlechtsspezifischer und häuslicher Gewalt entwickelt werden, da die bisherigen Vorgaben hier nicht ausreichend sind.

Weiterhin standen Themen wie der Abbau von Nachteilen beim Mutterschutz bei Selbstständigkeit, die Herz-Kreislauf-Gesundheit von Frauen oder die geschlechtergerechte Erforschung von Berufskrankheiten auf der Tagesordnung.

Im Jahr 2027 wird Schleswig-Holstein den Vorsitz der 37. GFMK übernehmen.

Die Beschlüsse der 36. GFMK werden in Kürze auf der folgenden Internetseite veröffentlicht: https://www.gleichstellungsministerkonferenz.de/dokumente-beschluesse.html.


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Sächsisches Staatsministerium für Soziales, Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenhalt

Pressesprecherin Juliane Morgenroth
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