Gesundheitsministerin Köpping zur Aktuellen Debatte im Landtag über die Bedeutung der Psychotherapie als Lebensretter und der Forderung, Kürzungen zulasten der seelischen Gesundheit zu verhindern
24.06.2026, 13:26 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)
Zur heutigen Aktuellen Debatte im Sächsischen Landtag mit dem Titel »Auch Psychotherapie rettet Leben: Keine Kürzungen zulasten der seelischen Gesundheit« erklärt Staatsministerin Petra Köpping:
»Etwa ein Viertel der Bevölkerung erkrankt im Laufe ihres Lebens psychisch. Auf Sachsen gerechnet betrifft das etwa 1 Million Menschen. Psychische Erkrankungen können Menschen in tiefe Krisen stürzen. Sie rauben Kräfte und Hoffnungen, zerstören Träume und Lebensfreude.
Der Bedarf an Psychotherapie ist groß. Sie kann Leben retten. Vor allem rettet sie Lebensqualität, Beziehungen, Familien, Bildungswege und berufliche Perspektiven. Sie ist aber kein Allheilmittel bei psychischen Belastungen, sondern eine Krankenbehandlung bei medizinischer Indikation. Eine Krankenbehandlung, die allen Kranken zur Verfügung stehen sollte – unabhängig von Alter, Herkunft oder Einkommen. Jeder Therapieplatz kann ein Wendepunkt sein, kann einen Schulabschluss ermöglichen, einen Arbeitsplatz erhalten, eine Familie zusammenhalten.
Teils gibt es sehr problematische lange Wartezeiten. Gleichzeitig es gibt auch positive Entwicklungen. Die Zahl niedergelassener Psychotherapeutinnen und -Psychotherapeuten ist in Sachsen von 2014 bis 2023 deutlich gestiegen, insbesondere auch in den ländlichen Regionen. Im Erwachsenenbereich stiegen die Zahlen von 761 auf 1224. Das Versorgungsangebot Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutinnen und -therapeuten (KJP) sowie Fachärztinnen und -ärzte im KJP- und Erwachsenenbereich verbesserte sich geringfügig. In allen Fachgruppen können wir eine Verbesserung der räumlichen Verteilung des Versorgungsangebotes von 2014 bis 2023 feststellen.
Im Zuge der Reform des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes sehen wir die Gefahr, dass sich Behandlungskapazitäten verringern. Aus unserer Sicht wäre es nötig, die Entbudgetierung weiter fortzusetzen. Deshalb haben wir einen entsprechenden Bundesratsantrag unterstützt, der diese Forderung an das Bundesgesundheitsministerium richtet. Wir sind hier auch kontinuierlich mit allen relevanten Akteuren im Gespräch.
Psychotherapie allein ist aber nicht alles und nicht für jede und jeden geeignet und manchmal auch nicht notwendig. Es braucht auch ein niederschwelliges kommunales Unterstützungssystem. Das Land unterstützt die Kommunen mit jährlich 11 Millionen Euro. Insgesamt verfügt Sachsen über eine gute Struktur von Sozialpsychiatrischen Diensten bei den Gesundheitsämtern, Psychosoziale Kontakt- und Beratungsstellen und Suchtberatungs- und -behandlungsstellen.
Psychische Erkrankungen sind komplex. Wir brauchen Psychotherapie zur Krankenbehandlung, wir brauchen aber auch niedrigschwellige Beratung und Prävention, um im besten Fall nicht krank zu werden.«