Energiewende in Sachsen: Zustimmung vorhanden – aber nicht selbstverständlich
26.07.2026, 09:45 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)
Die Energiewende ist kein Selbstzweck: Sie entscheidet über Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und die Unabhängigkeit von fossilen Importen in geopolitisch unsicheren Zeiten. »Kriege, Krisen und Großmachtkonflikte zeigen, dass wir uns von fossilen Energieimporten unabhängiger machen müssen. Eine sichere, bezahlbare und klimafreundliche Energieversorgung ist ein entscheidender Wettbewerbsfaktor für den Wirtschaftsstandort Sachsen«, betont Wirtschaftsminister Dirk Panter.
Der Handlungsdruck ist hoch: Sachsen erzeugt weiterhin zu wenig Strom aus erneuerbaren Energien – auch im Vergleich zu anderen ostdeutschen Bundesländern. Der Ausbau von Wind- und Solarenergie ist daher ebenso notwendig wie der Aufbau einer leistungsfähigen Infrastruktur. Dazu zählen Speichertechnologien, moderne Stromnetze und perspektivisch wasserstofffähige Gaskraftwerke an ehemaligen Kohlestandorten, um Versorgungssicherheit auch in Übergangsphasen zu gewährleisten.
Eine aktuelle, repräsentative Befragung im Freistaat Sachsen zeigt, die Energiewende trifft in Sachsen überwiegend auf Zustimmung. Eine Mehrheit von 56 Prozent steht erneuerbaren Energien grundsätzlich positiv gegenüber, 14 Prozent lehnen sie ab. Gleichzeitig bleibt ein erheblicher Teil der Bevölkerung (28 Prozent) unentschieden.
Damit wird deutlich: Die grundsätzliche Zustimmung ist vorhanden, sie ist aber nicht belastbar, solange konkrete Auswirkungen unklar bleiben oder als nachteilig empfunden werden. Akzeptanz entsteht vor allem dort, wo Nutzen unmittelbar erkennbar ist – etwa durch finanzielle Beteiligung von Kommunen, wirtschaftliche Impulse oder spürbar geringere Energiekosten.
Besonders deutlich wird die Ambivalenz im unmittelbaren Wohnumfeld: Keine Energieform wird dort vorbehaltlos akzeptiert. Erneuerbare Energien schneiden zwar besser ab als konventionelle Technologien, stehen aber aufgrund konkreter Ausbauvorhaben stärker im Fokus von Konflikten.
»Die Energiewende kann nur dann erfolgreich sein, wenn sie wirtschaftlich sinnvoll, regional verankert und für die Menschen nachvollziehbar gestaltet wird«, so Panter. »Die Ergebnisse zeigen klar, dass wir besser erklären, früher einbinden und konkrete Vorteile sichtbarer machen müssen.«
Mit dem Erneuerbare-Energien-Ertragsbeteiligungsgesetz wurden verbindliche Rahmenbedingungen geschaffen, damit Kommunen finanziell von Wind- und Solarprojekten profitieren. Ziel ist es, Wertschöpfung sichtbar vor Ort zu verankern und Akzeptanz zu stärken. Ergänzend unterstützt die Dialog- und Servicestelle erneuerbare Energien der Sächsischen Energieagentur Bürger, Kommunen und Unternehmen mit Beratung und Konfliktmoderation.
Hintergrund:
Zur Erhebung der Einstellung der sächsischen Bevölkerung zu erneuerbaren Energien im Freistaat Sachsen wurde im Auftrag des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz im Oktober und November 2025 eine Online-Befragung durchgeführt. Auftragnehmerin war die Innofact AG aus Düsseldorf. Insgesamt wurden 1.500 Nettointerviews realisiert. Die Stichprobe setzte sich aus der Wohnbevölkerung Sachsens im Alter von 18 bis 79 Jahren zusammen und wurde repräsentativ nach Alter, Geschlecht sowie Wohnort in Stadt und Land ausgewählt.