Erntebilanz 2026: Witterungsextreme hinterlassen Spuren
10.09.2026, 10:00 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)
Staatssekretär Menke: »Freistaat Sachsen steht auf der Seite seiner Landwirte«
Die sächsische Ernte 2026 steht im Zeichen von Hitzeextremen, regionalen Unterschieden und einer angespannten wirtschaftlichen Lage in vielen Betrieben. Nach vorläufigen Einschätzungen des Statistischen Landesamtes ist von einer weitgehend durchschnittlichen Getreide- und einer stark unterdurchschnittlichen Rapsernte auszugehen. Darüber informierten Landwirtschaftsstaatssekretär Ulrich Menke und Landesbauernpräsident Torsten Krawczyk am Donnerstag (10.9.) in Stolpen-Heeselicht bei der diesjährigen Erntebilanz-Pressekonferenz.
Die ersten vorläufigen Ergebnisse der Besonderen Ernte- und Qualitätsermittlung für Sachsen mit Stand vom 2. September 2026 zeigen ein differenziertes Bild. Im Vergleich zum außergewöhnlich ertragreichen Jahr 2025 fällt die Getreideernte geringer aus. Die wesentliche Ursache für Ertrags- und Qualitätsverluste war die Hitzeperiode Ende Juni, die den Großteil der sächsischen Getreidekulturen mitten in der Kornfüllungsphase traf. Dies führte zu verfrühter Abreife, verringerten Hektolitergewichten und Kümmerkornbildung in regional sehr unterschiedlicher Ausprägung. Es zeichnet sich ab, dass ein erheblicher Anteil des angebauten Qualitätsgetreides in diesem Jahr nur Futtergetreide-Qualitäten erreicht.
Landwirtschaftsstaatssekretär Ulrich Menke: »2026 ist ein Jahr, das unsere Landwirtschaft hart getroffen hat. Hitze, Schädlinge und steigende Kosten setzen der Branche zu. Beim Raps ist die Lage besonders bitter und das nicht zuletzt, weil die fehlenden Zulassungen für wirksame Pflanzenschutzmittel unseren Betrieben die Hände binden. Das ist kein Naturschicksal, das wir einfach hinnehmen müssen. Es ist auch das Ergebnis von Rahmenbedingungen, die wir politisch verändern können und müssen. Sachsen tut das: Wir haben im Bundesrat die Initiative ergriffen, um die Zulassungssituation bei Pflanzenschutzmitteln zu verbessern. Wir setzen uns dafür ein, dass die nationalen Düngehilfen aufgestockt werden, dass eine Mehrgefahrenversicherung endlich in der GAK verankert wird und dass Kappung und Degression der EU-Direktzahlungen vom Tisch kommen. Denn Betriebe, die investieren und produzieren sollen, brauchen Planungssicherheit – nicht wechselnde Einschränkungen und neue Unsicherheiten.«
Für Getreide insgesamt wurde in der ersten vorläufigen Schätzung ein durchschnittlicher Ertrag von 70,3 Dezitonnen je Hektar ermittelt. Damit liegt das Ergebnis 0,8 Prozent über dem Sechsjahresdurchschnitt. Innerhalb der Kulturen gibt es allerdings deutliche Unterschiede: Winterweizen erreicht 71,2 Dezitonnen je Hektar und liegt damit 6 Prozent unter dem langjährigen Mittel. Die Wintergerste erzielt dagegen mit 85,6 Dezitonnen je Hektar ein besonders gutes Ergebnis und liegt 13,8 Prozent über dem Sechsjahresdurchschnitt. Roggen bleibt mit 50,7 Dezitonnen je Hektar um 5,9 Prozent hinter dem langjährigen Mittel zurück.
Beim Winterraps ist die Bilanz deutlich angespannter. Der durchschnittliche Ertrag liegt bei 30,1 Dezitonnen je Hektar und damit 11,6 Prozent unter dem Sechsjahresdurchschnitt. Neben den Witterungsextremen hat insbesondere der Schädlingsbefall, vor allem durch den Rapserdfloh, zu den Ertragseinbußen beigetragen.