Sachsen und Ägypten stärken Partnerschaft für Fachkräfte
28.09.2026, 14:00 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)
Minister Panter: »Partnerschaft auf Augenhöhe für kluge Köpfe und zupackende Hände«
Der sächsische Arbeitsmarkt steht vor großen demografischen Herausforderungen. Ägypten gehört zu den vom Kabinett beschlossenen Zielregionen für die Fachkräftegewinnung. Die Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern wird nun konkreter. Der Freistaat und die Arabische Republik Ägypten haben heute in der ägyptischen Botschaft in Berlin eine Absichtserklärung unterzeichnet. Kernziel: ägyptische Fach- und Arbeitskräfte sollen leichter, fair und nachhaltig nach Sachsen kommen können und hier eine echte Perspektive erhalten.
Unterzeichnet haben Markus Franke, Bevollmächtigter des Freistaates Sachsen beim Bund, und Botschafter Nabil Habashy, stellvertretender ägyptischer Außenminister für Migration und Angelegenheiten der ägyptischen Auswanderer. Die Vereinbarung soll helfen, mehr qualifizierte Menschen für Unternehmen in Sachsen zu gewinnen und gleichzeitig klare, verlässliche Regeln für den Wechsel nach Deutschland schaffen.
Ein erster praktischer Schritt folgt bereits im November: Vom 7. bis 11. November 2026 reisen eine Delegation des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz (SMWA) und die Wirtschaftsförderung Sachsen (WFS) nach Ägypten, um vor Ort konkrete Projekte und Kontakte zu sondieren. Geplant sind insbesondere Gespräche mit staatlichen Stellen sowie verschiedenen Bildungspartnern in Kairo.
Wirtschafts- und Arbeitsminister Dirk Panter: »Sachsen braucht kluge Köpfe und zupackende Hände. Wir müssen schneller werden, wenn wir im internationalen Wettbewerb um Fachkräfte mithalten wollen - der Bedarf ist riesig. Mit Ägypten bauen wir deshalb eine Partnerschaft auf Augenhöhe auf: Wir wollen Menschen gewinnen, die hier arbeiten und leben möchten, und wir sorgen dafür, dass der Weg nach Sachsen fair, transparent und verlässlich ist. Wer zu uns kommt, soll eine echte Perspektive haben. Und wer bei uns bleibt, soll wissen: Sachsen steht zu seinem Wort.«
WFS-Geschäftsführer Thomas Horn: »Sachsen ist ein attraktiver Ort zum Leben, Arbeiten und Gestalten. Dafür stehen eine starke Wirtschaft, exzellente Forschung, innovative Unternehmen, lebendige Städte und Gemeinden und ein reiches Kulturangebot. Ägypten bietet mit 120 Millionen Einwohnern und seiner jungen, gut ausgebildeten Bevölkerung große Potenziale für Sachsen. Um internationale Fachkräfte gezielt für Sachsen zu gewinnen, arbeiten wir mit starken Partnern und Netzwerken vor Ort in Ägypten zusammen. Dazu gehören die Saxony Egypt University, die Saxony International School, die Deutsch-Arabische Industrie- und Handelskammer Kairo (AHK) und die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ).«
Die neue Kooperation setzt bewusst auf Austausch und gemeinsame Entwicklung statt auf reine Rekrutierung. Im Fokus stehen:
- der Austausch von Informationen und bewährten Verfahren für faire Arbeitsmobilität,
- die Vermittlung von Grundsätzen der dualen Berufsausbildung,
- die Vernetzung mit Unternehmen, Kammern und Bildungseinrichtungen in beiden Ländern sowie
- verbesserte Verfahren für die Einwanderung potenzieller Fachkräfte
Zur praktischen Umsetzung wird ein gemeinsames ägyptisch-sächsisches Fachgremium eingerichtet. Es soll halbjährlich tagen, Fortschritte prüfen und nächste Schritte abstimmen. Die neue Partnerschaft knüpft an bestehende Kontakte an: Bereits 2025 wurden während der Delegationsreise von Ministerpräsident Michael Kretschmer mit der Eröffnung der »Saxony Egypt University« in Kairo und der Vernetzung über das »Saxon Science Liaison Office« wichtige Grundlagen für den wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Austausch geschaffen. Auch die IHK zu Leipzig arbeitet bereits seit mehreren Jahren mit der Deutschen Hotelschule in El Gouna zusammen.
Mit der Sondierungsreise im November 2026 soll die Zusammenarbeit nun in die konkrete Projektphase überführt werden – mit dem Ziel, in den kommenden Jahren messbar mehr qualifizierte Fachkräfte aus Ägypten für Sachsen zu gewinnen und gleichzeitig gute Bedingungen für alle Beteiligten zu sichern.
Zum Stichtag 31. Dezember 2025 waren in Sachsen 675 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mit ägyptischer Staatsangehörigkeit registriert, darunter 14 Auszubildende. Zudem waren 54 Personen mit ägyptischer Staatsangehörigkeit ausschließlich geringfügig beschäftigt.
Berechnungen zeigen: In Sachsen schrumpft die Gruppe der Menschen im erwerbsfähigen Alter. In den kommenden zehn Jahren gibt es deshalb Jahr für Jahr 13.000 bis 15.000 potenzielle Arbeitskräfte weniger. Gleichzeitig braucht die Transformation mehr qualifizierte Fachkräfte. Deshalb sollen alle Arbeitskräftepotenziale aktiviert werden.