Zwei sächsische Kulturdenkmale auf dem Weg zum UNESCO-Welterbe
02.10.2026, 12:26 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)
Torgauer Schlosskapelle und Zwönitzer Papiermühle können sich um den Welterbe-Titel bewerben
Die Torgauer Schlosskapelle und die Papiermühle Niederzwönitz haben eine wichtige Hürde auf dem Weg zum Welterbe genommen: Das Welterbezentrum der UNESCO in Paris hat am gestrigen Donnerstag (1.Oktober 2026) bestätigt, dass beide Welterbe-Anwärter das Potential für einen Platz auf der Welterbeliste haben. Damit kann der Landkreis Nordsachsen jetzt eine vollständige Bewerbung für die Torgauer Schlosskapelle erarbeiten. Die Bewerbung von insgesamt fünf Papiermühlen wird unter polnischer Federführung weiter vorangebracht. Die nun erfolgreich abgeschlossene Vorprüfung ist ein notwendiger Schritt, erst dann ist eine Bewerbung überhaupt möglich.
Staatsministerin Regina Kraushaar: »Ein großartiger Tag für Sachsen: Gleich zwei Stätten haben die erste UNESCO-Hürde genommen. Die Torgauer Schlosskapelle hat den protestantischen Kirchenbau geprägt und die Papiermühle Niederzwönitz hält seit fast 500 Jahren ein Handwerk lebendig, das eng mit dem erzgebirgischen Bergbau verbunden ist. Das zeigt: Kulturschätze von Weltrang liegen nicht nur in den großen Städten, sie liegen in unseren Regionen. Ich danke allen, die diesen Weg beharrlich vorangetrieben haben. Der Freistaat unterstützt beide Bewerbungen entschlossen weiter.«
Torgauer Schlosskapelle im zweiten Anlauf zur Welterbe-Bewerbung
Der Antrag auf Vorprüfung der Torgauer Schlosskappelle wurde vom Landkreis Nordsachsen als Eigentümer von Schloss Hartenfels erstellt, unterstützt vom Sächsischen Landesamt für Denkmalpflege und in Abstimmung mit dem Auswärtigen Amt. Er stützt sich auf Forschung, die der Landkreis in den vergangenen Jahren angestoßen und vorangetrieben hat. Die Ergebnisse belegen, die Bedeutung der Torgauer Schlosskapelle. Sie ist ein bedeutendes Zeugnis der Reformation des Kirchenbaus und der Kirchenmusik.
Ein erster Anlauf, die Kapelle als Teil der Lutherstätten anerkennen zu lassen, wurde 2017 zurückgezogen. Landkreis und Freistaat haben daraufhin gemeinsam einen neuen Weg gefunden: eine eigenständige Bewerbung allein für die Schlosskapelle. Nach Abstimmung mit dem Auswärtigen Amt und den Ländern ging sie in die Vorprüfung – mit dem heutigen Erfolg. Bis Anfang 2029 kann nun die vollständige Bewerbung erarbeitet werden. Bei einer positiven Entscheidung wäre die Aufnahme als UNESCO-Weltkulturerbe 2030 möglich.
Zweiter sächsischer Anwärter: die Papiermühle Niederzwönitz
Zeitgleich hat die UNESCO auch einer zweiten sächsischen Bewerbung das Potenzial bescheinigt: der Papiermühle Niederzwönitz im Erzgebirgskreis. Sie ist die älteste erhaltene Papiermühle Deutschlands, 1568 erstmals urkundlich erwähnt, und bis heute funktionstüchtig – vom wassergetriebenen Mühlrad über Kollergang und Holländer bis zum Walzwerk. Über Jahrhunderte lieferte sie das Papier, auf dem der erzgebirgische Bergbau seine Grubenrisse und Rechnungen festhielt; das verbindet sie eng mit der Bergbaugeschichte der Region. Seit 2019 ist die Mühle bereits assoziiertes Objekt des UNESCO-Welterbes Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří.
Die Papiermühle Niederzwönitz ist Teil einer gemeinsamen Bewerbung von insgesamt fünf historischen Papiermühlen aus Tschechien, Polen, Spanien und Bayern mit dem Titel »European Paper Mills« unter polnischer Federführung.