Fünf Jahre gemeinsame Arbeit für Kulturhauptstadt: Interministerielle Arbeitsgruppe beendet ihre Arbeit
08.10.2026, 14:02 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)
Dresden (8. Oktober 2026) - 17 Sitzungen und fünf Jahre ressortübergreifende Zusammenarbeit: Die Interministerielle Arbeitsgruppe der Sächsischen Staatsregierung zur Vorbereitung und Durchführung der Kulturhauptstadt Europas Chemnitz 2025 (IMAG KHE C 2025) hat ihre Arbeit abgeschlossen. Ihr Ziel war es, die Unterstützung des Freistaates für Chemnitz und die Kulturhauptstadtregion zu bündeln – von den Vorbereitungen nach dem Titelgewinn 2020 über das Kulturhauptstadtjahr bis zur Schaffung von tragfähigen Strukturen für die weitere Entwicklung.
»Fünf Jahre Kulturhauptstadt Europas haben gezeigt, was möglich ist, wenn Freistaat, Stadt, Region, Bund und viele weitere Partner gemeinsam Verantwortung übernehmen. Gerade weil bei einem solchen Projekt viele Interessen und Zuständigkeiten zusammenkommen, war das vertrauensvolle Miteinander entscheidend. Die Erfahrungen aus Chemnitz sind deshalb auch für künftige Großvorhaben wertvoll, die über Ressort- und Verwaltungsgrenzen hinweg gedacht und umgesetzt werden müssen«, sagt Prof. Thomas Popp, Beauftragter der Sächsischen Staatsregierung für die Kulturhauptstadt Europas Chemnitz 2025 und Vorsitzender der IMAG.
Oberbürgermeister Sven Schulze: »Die IMAG war mehr als ein Abstimmungsgremium, sie war unser gemeinsamer Kompass. Wir wollten gute Gastgeber für Europa sein, und das ist nur gemeinsam gelungen. Für Chemnitz war es wichtig, den Freistaat und die vielen Partner an unserer Seite zu wissen. Die regelmäßige Abstimmung hat geholfen, auch schwierige Fragen schnell und gemeinsam zu lösen. Jetzt geht es darum, die Erfahrungen und Strukturen aus der Kulturhauptstadtzeit weiter zu nutzen. Die Zusammenarbeit hat gezeigt, was entstehen kann, wenn Stadt, Freistaat und Region an einem gemeinsamen Ziel arbeiten.«
Die seit 2021 bestehende Arbeitsgruppe vereinte die Staatssekretärinnen, Staatssekretäre und Amtschefs aller Ressorts unter Leitung der Staatskanzlei. Ständige Gäste waren unter anderem der Oberbürgermeister der Stadt Chemnitz, die Geschäftsführung der Kulturhauptstadt Europas Chemnitz 2025 gGmbH sowie Vertreter des Bundes. Regelmäßig kamen zudem Gäste aus dem europäischen Ausland sowie aus Stiftungen, Hochschulen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft hinzu. Die IMAG war dabei ausdrücklich mehr als ein verwaltungsinternes Abstimmungsgremium. Es entstand eine zentrale Plattform für die Abstimmung zwischen Freistaat, Stadt Chemnitz, Kulturhauptstadtregion und weiteren Partnern.
Thematisch reichte die Arbeit weit über Kulturförderung hinaus: Auf der Agenda standen unter anderem Sicherheit, Stadt- und Regionalentwicklung, Verkehr und Tourismus, Kultur- und Kreativwirtschaft, Kinder- und Jugendbeteiligung, grenzüberschreitende Zusammenarbeit, Inklusion, Nachhaltigkeit, gesellschaftlicher Zusammenhalt und Finanzcontrolling. Die kontinuierliche Abstimmung ermöglichte kurze Entscheidungswege und eine enge Zusammenarbeit. Besonders bei Fragen der Sicherheit und Kommunikation rund um das Europäische Kulturhauptstadtjahr bewährten sich die etablierten Strukturen.
Aus Sicht des Freistaates hat die langfristige Begleitung dazu beigetragen, das Großprojekt zu stabilisieren, zentrale Förderstrukturen abzusichern und die Zusammenarbeit zwischen Chemnitz, den Umlandkommunen und der Zivilgesellschaft weiterzuentwickeln. Zugleich wurde die internationale Vernetzung der Kulturhauptstadt Europas und ihrer Region gestärkt.
Mit dem Ende der IMAG endet die Zusammenarbeit nicht. Der Kulturhauptstadttitel soll über das Jahr 2025 hinaus Wirkung entfalten. Im Mittelpunkt steht deshalb der sogenannte Legacy-Prozess. Der Legacyplan soll mit dem Regionalentwicklungsplan der Umlandkommunen im Erzgebirge und in Mittelsachsen verbunden werden. Das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus wird diesen Prozess begleiten. Die Tätigkeit des Beauftragten der Staatsregierung endet zum Jahresende 2026.
Hintergrund:
Eine neue Broschüre der Stadt Chemnitz fasst unter dem Titel »25 Erfolge und Effekte der Kulturhauptstadt Europas Chemnitz 2025« die wichtigsten Ergebnisse des Titeljahres zusammen: Rund 3,5 Millionen Menschen wurden erreicht – deutlich mehr als die ursprünglich angestrebten zwei Millionen. Seit 2017 flossen mehr als 115 Millionen Euro in das Projekt. Auch der Tourismus erreichte einen historischen Höchststand: Die Gästeankünfte stiegen gegenüber dem Vorjahr um 22 Prozent, die Übernachtungen um 24 Prozent. Mastercard-Daten belegen zudem höhere touristische Konsumausgaben, besonders durch Freizeittourismus. Auf jeden Übernachtungsgast kamen rund vier Tagesgäste. Bei den Stadtführungen wurde mit 36.599 Teilnehmenden ebenfalls ein Rekord erreicht – 2019 waren es 11.710.
Eine umfassende Bilanz der Kulturhauptstadt Europas Chemnitz 2025 und ihrer Wirkung erfolgt zudem durch weitere Evaluationen: Die Stadt Chemnitz wird gegen Ende 2026 ihren Abschlussbericht an die Europäische Kommission vorlegen. Im Laufe des Jahres 2027 folgen die Ergebnisse der umfassenden Evaluation der Kulturhauptstadt Europas Chemnitz 2025 durch die Technische Universität Chemnitz.