»Musikreport Sachsen 2026« zeigt erste umfassende Bestandsaufnahme der Szene und Handlungsbedarf für sächsische Popularmusik
02.11.2026, 10:00 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)
Gemeinsame Pressemitteilung
Das Büro für Popkultur und Musik Sachsen (BPM Sachsen) hat den Musikreport Sachsen 2026 in Auftrag gegeben. Die Studie untersucht systematisch das sächsische Musikökosystem im Bereich Popularmusik. Sie zeigt, welche Strukturen bereits bestehen und wo langfristig Unterstützung benötigt wird. Musik prägt Sachsen. Sie schafft kulturelle Räume, verbindet Menschen, stärkt Regionen und ist zugleich ein Wirtschaftsfaktor. Doch wie funktioniert das Musikökosystem des Freistaats als Ganzes? Wo liegen seine Stärken und wo seine strukturellen Schwachstellen?
Der Musikreport Sachsen 2026 gibt mit besonderem Blick auf die Popularmusikszene erstmals eine systematische Antwort darauf. Der Report dient als Bestandsaufnahme und stützt sich dabei nicht nur auf wirtschaftliche Kennzahlen, sondern analysiert auch verschiedene Wirkungsketten, um Beziehungen, Netzwerke, informelle Arbeit und gesellschaftliche Funktionen sichtbar zu machen. Bislang erfassten amtliche Wirtschaftsstatistiken die Popularmusik nur ausschnittsweise. Ehrenamtlich getragene Vereine, Kollektive, Nachwuchsinitiativen und soloselbstständige Künstlerinnen und Künstler blieben in herkömmlichen Kennzahlen weitgehend unsichtbar. Der Report schließt diese Lücke mit einem ökosystemischen Forschungsansatz.
Die Untersuchung verbindet offizielle Strukturdaten mit Erfahrungen aus der Praxis. Ausgewertet wurden amtliche Strukturdaten aus den Jahren 2019 bis 2025 und Daten der Künstlersozialkasse. Hinzu kommen eine explorative Datenbank mit 8.296 Akteurseinträgen, eine Online-Befragung mit 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, 13 Fachinterviews und zwei Workshops mit insgesamt 40 Beteiligten.
Ein starkes und vielfältiges Ökosystem
Das zentrale Ergebnis: Sachsen verfügt über ein vielfältiges, hochproduktives und gesellschaftlich wirksames Musikökosystem. Gleichzeitig zeigt sich, dass Strukturen teilweise prekär und aktuell nicht nachhaltig abgesichert sind.
»Popularmusik ist nicht nur ein wichtiger Teil der sächsischen Kulturlandschaft, sondern auch ein Wirtschaftsfaktor. Hinter der Szene stehen zahlreiche Soloselbstständige, Unternehmen und Kreative, die Wertschöpfung schaffen und die Kultur- und Kreativwirtschaft stärken. Der Musikreport zeigt, wie eng diese Akteure miteinander verflochten und wie wichtig tragfähige Strukturen für die Entwicklung der Branche sind.« – Dirk Panter, Sächsischer Staatsminister für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz.
»Der Musikreport zeigt, dass die Popularmusik ein wichtiger Bestandteil der kulturellen Identität Sachsens ist. Die kreative Vielfalt, die Strukturen vor Ort in Stadt und Land und das enorme ehrenamtliche Engagement in vielen Bereichen der popularmusikalischen Szene schaffen das Fundament dafür. Die vorliegende Analyse gibt wertvolle Einblicke auch für die künftige Weiterentwicklung der Popularmusik in Sachsen. Ich danke allen Beteiligten sowie den Verantwortlichen des Musikreports,«– sagt Staatsministerin Barbara Klepsch zum Musikreport, Sächsische Staatsministerin für Kultur und Tourismus.
Die wissenschaftliche Leitung und redaktionelle Verantwortung liegen bei Diana Heinbucher aus Chemnitz und Jörg Kosinski aus Leipzig. Der Musikreport Sachsen 2026 liefert Politik, Verwaltung und Praxis das notwendige Orientierungs- und Entscheidungswissen für die kommenden Jahre. Er macht deutlich: Erhalt und Unterstützung bestehender Strukturen sind weitaus günstiger und wirksamer als deren spätere Reaktivierung nach einem Kollaps.
Die zentralen Erkenntnisse
Die wirtschaftliche Lage bleibt für viele prekär: Das durchschnittliche Jahresarbeitseinkommen der bei der Künstlersozialkasse versicherten Musikschaffenden in Sachsen betrug im Jahr 2025 14.656 Euro vor Steuern und Sozialabgaben. Eine zentrale Herausforderung ist, Produktionen, Tourneen und Veranstaltungen vorzufinanzieren, bevor Einnahmen entstehen.
Das Ökosystem ist größer, als amtliche Statistiken erkennen lassen: Neben einem statistisch erfassbaren Kern schätzt der Report die Gesamtzahl der Akteurinnen und Akteure der sächsischen Musikszene auf 11.000 bis 25.200, darunter 3.000 bis 9.000 originär Musikschaffende. Die Ergebnisse zeichnen zudem das Bild einer multi-professionellen, wandlungsfähigen und hochmotivierten Szene. Der amtlich erfassbare Kern der Musikwirtschaft erwirtschaftete 2024 rund 296 Millionen Euro Umsatz. Mit einem breit gefächerten Genremix – angeführt von Elektronik/Club/Dance (30 %), Pop/Indie (14 %) und Rock/Alternative (14 %) – zeigt sich die stilistische Vielfalt der Szene.
Musik findet im ganzen Land statt, die Infrastruktur ist jedoch ungleich verteilt:
Akteurinnen und Akteure sind in allen sächsischen Landkreisen und kreisfreien Städten vertreten. Spielstätten und damit wichtige Auftritts- und Entwicklungsräume konzentrieren sich dagegen stärker auf die urbanen Zentren.
Das Musikökosystem wirkt wechselseitig: Der Report analysiert das Zusammenspiel aus künstlerischer Kreation und Produktion, Live- und Musikspielstätten, Verwertung und Distribution sowie Communitys und Szenestrukturen. Erstmals wird wissenschaftlich nachgewiesen, dass z.B. der Verlust einer einzigen Spielstätte kaskadenartige negative Folgen für alle vier Bereiche nach sich zieht.
Förderstrukturen passen nicht immer zum Bedarf: Im Bereich der künstlerischen Kreation und Produktion haben 59 Prozent der befragten Personen noch nie ein Förder- oder Unterstützungsangebot beantragt. Der Report sieht mögliche Ursachen in Zugangshürden, fehlender Vermittlung von Wissen und Förderverfahren, die nicht ausreichend auf Soloselbstständige und ehrenamtlich getragene Strukturen zugeschnitten sind.
Das ehrenamtliche Rückgrat und die unsichtbare Arbeit tragen das Ökosystem: Communityarbeit, Netzwerkarbeit, Wissensvermittlung und Nachwuchsbegleitung halten die Szene zusammen. Ein großer Teil dieser Arbeit wird ehrenamtlich geleistet, nicht angemessen vergütet und ist damit langfristig nicht abgesichert.
Musik entfaltet gesellschaftliche Wirkung: Die Befragung zeigt hohe Zustimmungswerte für Teilhabe, Begegnung, Vertrauen und lokale Identität. Musik schafft damit nicht nur kulturelle Angebote, sondern auch soziale Verbindungen und Räume für gesellschaftlichen Austausch.
»Aus einem Gefühl wird ein Beleg. Dass Sachsen ein musikaktives und -kreatives Bundesland ist, wussten wir einzuschätzen. Mit dem vorliegenden Report besitzt der Freistaat Sachsen nun erstmals ein wissenschaftlich fundiertes Werkzeug dafür. Damit kann die Popularmusiklandschaft gezielt gestärkt und über die Landesgrenzen hinaus als dynamisches Musikland weiter positioniert werden.” – Alex Pagel, Leiterin BPM Sachsen
Veröffentlichung und Presseeinladung
Am 13. November 2026 wird der Musikreport Sachsen im Rahmen der Stadt Nach Acht Konferenz vorgestellt. Die neunte Ausgabe der Bundeskonferenz, welche als Labelprojekt der Nationalen Stadtentwicklungspolitik läuft, findet vom 12. bis 14. November 2026 erstmals in Leipzig statt.
Präsentation des Musikreport Sachsen 2026
Datum: Freitag, 13. November 2026
Uhrzeit: 09:30 - 11:00 Uhr
Ort: Stadt Nach Acht Konferenz, Kohlrabizirkus
Pressevertretungen sind herzlich dazu eingeladen!
Um Rückmeldung für eine Akkreditierung wird bis zum bis 6. November 2026 gebeten. Für Interviewanfragen oder weitere Informationen zum Musikreport Sachsen wenden Sie sich bitte an den unten genannten Pressekontakt.
Der Musikreport Sachsen 2026 wird ab 13. November 2026 online unter www.bpm-sachsen.de abrufbar sein.
Pressekontakt
Marie Jainta
Öffentlichkeitsarbeit BPM Sachsen
Tel: 0157 806 41 025
presse@bpm-sachsen.de
Über das BPM Sachsen
Das Büro für Popkultur und Musik Sachsen (BPM Sachsen) ist die landesweite Anlaufstelle für Popkultur und Popularmusik im Freistaat. Es unterstützt professionell arbeitende Musikschaffende dabei, ihre künstlerischen und wirtschaftlichen Kompetenzen weiterzuentwickeln und vernetzt Akteur:innen aus Szene, Institutionen und Musikbranche. Ziel ist es, die sächsische Musiklandschaft zu stärken, den Austausch zu fördern und die Sichtbarkeit der Popkultur aus Sachsen regional, national und international zu erhöhen. Gefördert wird das BPM Sachsen gemeinsam vom Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz (SMWA) und dem Sächsischen Staatsministerium für Kultur und Tourismus (SMWK). Träger des Projekts ist der Landesverband der Kultur- und Kreativwirtschaft Sachsen e.V. – Als Interessenvertretung unterstützt er die rund 10.000 Unternehmen und ca. 81.000 Beschäftigte in der Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen. Die Mitgliedsverbände Kreatives Chemnitz, WIR GESTALTEN DRESDEN, Kreativ Kreis Meißen, Kreatives Leipzig, Kreatives Erzgebirge und Kreative Lausitz tragen die Arbeit des Verbands.
Alle weiteren Informationen zum BPM Sachsen sind hier abrufbar: www.lvkkwsachsen.de/projekt/bpm-sachsen
www.bpm-sachsen.de