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„Kultur.LEBT.Demokratie 2019“ – Sächsischer Preis für kulturelle Bildung zum zweiten Mal vergeben

17.08.2019, 10:00 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)

Kunstministerin Dr. Eva-Maria Stange. „Künstlerische Auseinandersetzung mit demokratischen Tugenden“

Zum zweiten Mal wurde heute der vom Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst in Kooperation mit dem Landesverband Soziokultur Sachsen e.V. ausgelobte Sächsische Preis für kulturelle Bildung - „Kultur.LEBT.Demokratie“ verliehen. Bewerben konnten sich Träger der kulturellen Bildung für beispielhafte Projekte oder das dauerhafte Engagement im Rahmen der Demokratieförderung. Die drei Hauptpreise in Höhe von je 2.500 Euro gingen an die Kulturfabrik Hoyerswerda e. V. mit dem Projekt „Eine Stadt tanzt: Manifest!“, an das Societaetstheater Dresden gGmbH und das Quartiersmanagement Prohlis für ihr Kooperationsprojekt „ZU HAUSE IN PROHLIS“ und an den ASA-FF e. V. aus Chemnitz für das Projekt „Neue unentd_ckte Narrative“. Der Sonderpreis über 1.000 Euro ging an die Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau, die in Kooperation mit dem BAFF-Theater Delitzsch und dem Schweizerhaus Püchau das kulturelle Bildungsprojekt „Wert der Freiheit“ veranstaltet hat.

Kunstministerin Dr. Eva-Maria Stange: „72 unterschiedliche Beiträge in hoher Qualität wurden nach der Ausschreibung des Preises eingereicht. Das ist ein großartiges Zeichen für eine lebendige Kulturelle Bildung im Freistaat. Ich gratuliere den Preisträgern und danke allen Haupt-, Neben- und Ehrenamtlichen in der Kulturellen Bildung für ihren Ideenreichtum, ihr Beharrungsvermögen und ihr großes Engagement. Ich ermutige sie dazu, durchzuhalten, in einer Zeit, in der die Grundsätze eines demokratischen Gemeinwesens, wie Freiheit, Teilhabe, Gleichheit, Solidarität, Toleranz, Verständigung und Kompromiss heftigen Angriffen ausgesetzt sind. Kulturelle Bildung steht für die Bildung der eigenen Persönlichkeit, für die Auseinandersetzung mit sich selbst, der Umwelt und der Gesellschaft. Aber es geht eben auch um die künstlerische Auseinandersetzung mit den demokratischen Tugenden, die wir nicht aufgeben werden.“
Anne Pallas, Geschäftsführerin des Landesverbands Soziokultur:
„Mit der zweiten erfolgreichen Ausschreibung hat sich „Kultur.LEBT.Demokratie“ als feste Größe in der Landschaft der Auszeichnungen und Preise etabliert. Die Ausschreibung zeigte erneut beeindruckend auf, welche Weichen Kulturarbeit stellen kann, wenn es um die progressive, lebensweltnahe und nachvollziehbare Gestaltung von Demokratie geht. Eine Aufgabe, die uns definitiv noch die kommenden Jahre intensiv beschäftigen wird. Wir sind gespannt!“

Preisträger und Projekte:
Das Societeatstheater Dresden gGmbH wurde für sein Kooperationsprojekt „ZU HAUSE IN PROHLIS“ ausgezeichnet, das gemeinsam mit dem Quartiersmanagement Prohlis als Langzeit-Kunst- und Kulturprojekt in einem der größten Plattenbaugebiete Dresdens realisiert wird. Das Projekt steht für einen beispielhaften Ansatz der Kultur- und Demokratiearbeit in sogenannten benachteiligten Quartieren. Dieser Ansatz basiert auf dem Sich-Einlassen auf den Ort, auf das Zuhören und Ernstnehmen der AnwohnerInnen und vor allem auf der kooperativen Entwicklung von Kultur- und Begegnungsangeboten. Zusammen mit in Prohlis ansässigen Akteuren aus dem Jugend-, Bildungs- und Sozialbereich und der Zivilgesellschaft wurden vielseitige Angebote wie der Prohliser Theatersommer, der Kulturtreffpunkt KIEZ (Kultur-im-Einkaufszentrum) oder das Orchesterprojekt MUSAIK (Musizieren ohne Grenzen) initiiert. „Mit dem Projekt „ZU HAUSE IN PROHLIS“ erlebt der Dresdner Stadtteil Prohlis eine nachhaltige kulturelle Belebung, die das demokratische Miteinander und die Teilhabe an Gesellschaft ermöglicht und mittels kultureller Bildung ein Verständnis für demokratische Prozesse angestoßen hat. „Damit ist das Projekt auch ein Vorbild für andere Kulturinstitutionen, weil es eindrucksvoll aufzeigt, wie ein Raustreten aus der eigenen Kulturinstitution aussehen kann und welche Wirkungen damit verbundenen sind,“ so die Jury des Preises.

Mit dem Projekt „Eine Stadt tanzt: Manifest!“ erhielt der Kulturfabrik Hoyerswerda e. V. eine Auszeichnung für das bereits sechste Tanztheaterprojekt der KuFa-Tanzkompanie – bestehend aus Hoyerswerdaer BürgerInnen von sieben bis 70 Jahren. Herausragend war an diesem Projekt vor allem die Idee, das Leitbild für die Stadt Hoyerswerda 2030 auf die Bühne zu bringen, sich zu diesem zu positionieren und – ausgehend von der bewegten Geschichte Hoyerswerdas seit den 50ern und den Biographien der Einwohnerinnen und Einwohner – eine Vision für Hoyerswerdas Zukunft dramaturgisch zu manifestieren. Das Stück wurde gemeinsam mit den TänzerInnen entwickelt und erzählt in choreographischen Bildern, Interviews und Videosequenzen von Euphorie und Neubeginn, von Überforderung und Stagnation sowie von Hoffnung und Dialog. Dazu die Jury: „Durch den starken biographischen Bezug und die Wahl des Aufführungsortes, das ehemalige Centrum-Warenhaus aus DDR-Zeiten, birgt das multimediale Tanztheater hohes Identifikationspotential für die BürgerInnen der Stadt und schafft es, die dringende Frage nach der Umsetzung der Vision einer ,solidarischen, selbstbewussten und weltoffenen Heimatstadt‘ in die Stadtgesellschaft zu tragen.“

Der ASA-FF e. V. aus Chemnitz überzeugte die Jury mit seinem Schnittstellenprojekt zwischen Kultur, Zivilgesellschaft und Wissenschaft „Neue unentd_ckte Narrative“. Die Projektinitiatoren haben es sich angesichts des erstarkenden Rechtpopulismus zur Aufgabe gemacht, auf Ursachen und vor allem zugrundeliegende Narrative zu schauen. Sie spannen damit auch einen Bogen zu den Erfahrungen der Chemnitzer BewohnerInnen als Ostdeutsche; prägende Narrative werden erkundet, ernst genommen, diskutiert und neu gerahmt. Ziel ist es dabei, die eigene „Blase“ zu verlassen und andere Perspektiven einzunehmen. Beispiele sind: die Belebung leerstehender Läden im Chemnitzer Stadtteil Sonnenberg, das Festival „Aufstand der Geschichten“, das Jugendtheaterprojekt „Wir.Wie“, die „Wiederauferstehung“ des Chemnitzer Autors Stefan Heym im Puppentheater oder das Bühnenstück „Aufstand der Dinge“, bei welchem Produkte aus der DDR-Vergangenheit ihre Geschichte erzählen. Die Einschätzung der Jury dazu: „Der Zugang zur Bevölkerung gelingt dem Projekt hervorragend mit einem weitläufigen Repertoire an rezeptiven und aktivierenden Kultur- und Begegnungsangeboten. Das mehrjährige Projekt verharrt dabei nie retrospektiv in der Geschichte oder ‚den Geschichten‘, sondern geht auf beeindruckende, charmante und kreative Art und Weise mit diesen um. Das Projekt regt somit einen Diskurs über sinnstiftende und progressive Erzählungen von einer demokratischen Gesellschaft auf lokaler, regionaler und globaler Ebene an.“

Träger des Sonderpreises:

Das kulturelle Bildungs- und Kooperationsprojekt „Wert der Freiheit“ der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau, dem BAFF-Theater Delitzsch e. V. und dem Schweizerhaus Püchau e. V. beeindruckte die Jury mit der gelingenden Verbindung zwischen kultureller und historisch-politischer Bildung sowie der nachhaltig und emotional wirksamen künstlerischen Auseinandersetzung mit der beklemmenden Vergangenheit des Jugendwerkhofes. Im Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau, der als Endstation der „Jugendfürsorge“ in der DDR galt, wurden vor allem 14- bis 17-jährige eingesperrt; heute erinnert die Gedenkstätte daran. Das BAFF-Theater Delitzsch entwickelte, ausgehend von Zeitzeugenberichten und Besucherkommentaren aus der Gedenkstätte, ein Klassenzimmer-Theaterstück „Durst nach Meer“ für SchülerInnen ab Klassenstufe 7. Mit dem Theaterstück wurden SchülerInnen in die fiktive Welt des „Artlandes“ mitgenommen, wo es jedem der die Spiel- und Verhaltensregeln strikt befolgte, gut erging; Abweichungen davon und offene Kritik wurden jedoch hart bestraft. In Gesprächen nach dem Theaterstück setzen sich die TeilnehmerInnen mit ihrem Begriff von Freiheit und Sicherheit im Hier und Jetzt auseinander, beim Gedenkstättenbesuch begaben sie sich auf Spurensuche. Das Schweizerhaus Püchau bearbeitete schließlich mit den TeilnehmerInnen künstlerisch die Frage, welchen Wert die Freiheit für junge Menschen heutzutage hat. Dabei entstanden Kunstwerke und Filmclips. Die Jury befand: „Das spartenübergreifende kulturelle Bildungsprojekt wirkt nicht nur aufklärend und vermittelnd, es macht auch deutlich – und das ist der besondere Wert dieses Kooperationsprojektes – von welch unschätzbarem Wert es ist, in einer Demokratie zu leben, die Freiheits- und Persönlichkeitsrechte garantiert.“

Die Jurysitzung für die Auswahl der Preisträger wurde moderiert von Andrea Gaede und Kathrin Weigel vom Landesverband Soziokultur Sachsen e.V., Jurymitglieder waren Thomas Früh, Abteilungsleiter Kunst im Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, Dr. Carola Rupprecht, Abteilungsleiterin Kulturelle Bildung am Deutschen Hygiene-Museum in Dresden, Annett Geinitz, Netzwerkstelle für kulturelle Bildung Vogtland-Zwickau, Christian Thomas, Projektleiter Second Attempt e. V. RABRYKA Görlitz, Ralf Seifert, Referent für politische, mediale, digitale Bildung und Migration im Sächsischen Staatsministerium für Kultus und Bernd Heidenreich, Referent im Landesjugendamt, Sächsisches Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz.


Kontakt

Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst

Pressesprecher Andreas Friedrich

Telefon: +49 351 564 60200

Telefax: +49 351 564 60299

E-Mail: andreas.friedrich@smwk.sachsen.de

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