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Umbau des Dresdner Blockhauses zum Archiv der Avantgarden kommt gut voran

09.07.2020, 13:10 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)

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Archiv der Avantgarden (Blockhaus) (© Christoph Reichelt)

Draufsicht Baustelle Archiv der Avantgarden (Blockhaus), Dresden, Juli 2020 Copyright: SIB

Draufsicht Baustelle Archiv der Avantgarden (Blockhaus), Dresden, Juli 2020
Copyright: SIB

Das Blockhaus in Dresden wird derzeit zum Archiv der Avantgarden umgebaut. Das prominente Barockgebäude am Ufer der Elbe wird künftig als Ort der Forschung und Ausstellungshaus für die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden dienen. Hinter der denkmalgeschützten Fassade ist das Gebäude bereits nahezu vollständig entkernt. Im Anschluss wird es nach den Plänen der spanischen Architekten Fuesanta Nieto und Enrique Sobejano umgebaut. Ab Ende 2022 kann dann die Sammlung Egidio Marzonas mit etwa 1,5 Millionen Kunstobjekten einziehen.

Finanzminister Hartmut Vorjohann hat sich heute zusammen mit Kultur- und Tourismusministerin Barbara Klepsch und der Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Prof. Dr. Marion Ackermann bei einem Besuch auf der Baustelle einen Eindruck vom Baufortschritt gemacht. Ebenfalls anwesend war Daniel Marzona, Sohn des Kunstsammlers und Stifters Egidio Marzona.

Finanzminister Hartmut Vorjohann sprach von einem höchst anspruchsvollen Bauprojekt. »Zeitgenössische Kunst, offener Diskurs und internationale Forschung kommen künftig im Archiv der Avantgarden in Dresden im Blockhaus zusammen. Dafür entsteht ein spektakuläres Gebäude. Äußerlich wird das Blockhaus mit seiner barocken Fassade wieder so schön aussehen wie früher. Im Inneren entsteht ein moderner Raum für Forschung, Ausstellung und Bewahrung. Hier wird das Archiv der Avantgarden ein würdiges zu Hause finden.«

Barbara Klepsch, Ministerin für Kultur und Tourismus: »Das Archiv der Avantgarden ist in seiner Vielfalt weltweit einmalig. Es umfasst zahlreiche Kunstwerke und künstlerische Ideen über das gesamte 20. Jahrhundert aus den unterschiedlichsten Gattungen und Regionen der Welt. Angelegt als ‚Lebendiges Archiv’ soll es auch zukünftig für alle zugänglich sein und Ausstellungen, Workshops, Gesprächsrunden sowie weitere Veranstaltungen anbieten. Ich bin dankbar, dass wir mit dem Blockhaus einen Standort schaffen, der für alle gut erreichbar ist und das Archiv der Avantgarden sich so hoffentlich noch größerer Beliebtheit erfreuen wird.«

Prof. Dr. Marion Ackermann, Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden: »Mit dem Entwurf des spanischen Architekturbüros Nieto Sobjano Arquitectos für das neue Archiv der Avantgarden im Dresdner Blockhaus entsteht für die Öffentlichkeit ein neuer flexibler Raum zum Forschen, Ausstellen und Verweilen: Interessierte Bürgerinnen und Bürger, Wissenschaftler*innen und Kunstschaffende sind gleichermaßen als Forscher*innen eingeladen, im Blockhaus kontinuierlich mit den hiesigen Beständen des Archivs zu arbeiten. Ein besonderer Anspruch für die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden ist die Vielseitigkeit des Archivs der Avantgarden, die sich sowohl in der Verankerung mit der Stadtgesellschaft und der Region, aber auch in der intensiven Vernetzung mit der internationalen Museums- und Forschungslandschaft begründet. Für die Staatlichen Kunstsammlungen wird das Archiv der Avantgarden mit seinem Programm im Blockhaus ebenfalls übergreifend und »ent-hierarchisierend« wirken, und dabei neue Erzählweisen entwickeln und Impulse geben.«

Durch den Umbau unter Regie des Staatsbetriebes Sächsisches Bau- und Immobilienmanagement (SIB) entsteht ein Gebäude mit vertraut historischer Ansicht und einem architektonisch und statisch anspruchsvollen, modernen Innenraumkonzept. Die äußere Hülle des Blockhauses und die noch original vorhandene Bausubstanz bleiben erhalten. Im Gegensatz dazu wird der Innenraum mit 1.900 Quadratmetern Nutzfläche völlig neu gestaltet. Wände und Decken werden entfernt und ein offener Raum geschaffen. Im Zentrum wird ein »schwebender« Betonkubus den Raumeindruck prägen, der das eigentliche Archiv der Avantgarden beinhaltet. Dieser wird umgeben sein von weitestgehend offenen und frei nutzbaren Flächen in Form eines Galeriegeschosses und einer multifunktionalen Präsentationsfläche unterhalb des Kubus.

Damit das denkmalgeschützte Gebäude nach dem Umbau modernste Anforderungen erfüllt, werden als Schutz gegen Hochwasser im Untergeschoss eine wasserundurchlässige Bodenplatte und Wand eingebaut. Ein früherer Ausgang zur Augustusbrücke kann im Falle eines Brandes als Fluchtweg geöffnet werden. Der Außenbereich erhält an der Südseite eine neue Gestaltung mit barrierefreiem Zugang zum Untergeschoss. Der Garten bleibt in seiner Optik gemäß den Forderungen der Denkmalpflege erhalten und bekommt neue Sitzgelegenheiten, die künftig zum Verweilen einladen. Im Bereich des Blockhausvorplatzes wird zudem durch eine Rampe ein barrierefreier Zugang geschaffen, der nach dem Ende der Bauarbeiten von allen Besuchern als barrierefreie Anbindung zur Elbe genutzt werden kann.

Für den Umbau des Dresdner Blockhauses sind derzeit Kosten in Höhe von rund 25 Millionen Euro veranschlagt. Weitere rund drei Millionen Euro sind für die Neugestaltung der Außenanlagen vorgesehen. Die umfangreichen Bauarbeiten sollen bis Ende 2022 abgeschlossen sein.

Hintergrund:
Das Blockhaus wurde nach Plänen von Zacharias Longuelune (1669 - 1748) ab 1732 als Wachgebäude errichtet. 1749 - 1755 wurde das Gebäude mit einem Mezzaningeschoss und einem neuen Dach aufgestockt und in der Folge nicht nur als Wache, sondern auch zu Wohn- und Verwaltungszwecken genutzt. Infolge der Bombardierungen des 2. Weltkriegs im Februar 1945 wurde das Gebiet des Neustädter Marktes mit den umliegenden Gebäuden weitgehend zerstört. Das Blockhaus brannte vollständig aus und blieb 35 Jahre lang Ruine. In den Jahren 1978 - 82 wurde es für eine Veranstaltungsnutzung wiederaufgebaut und in seinen ursprünglichen Zustand von 1892 zurückversetzt. Das Gebäude ging 1994 in das Eigentum des Freistaates Sachsen über, der es für Veranstaltungen der Landesregierung nutzte. Zudem hatte die Sächsische Akademie der Künste, die Außenstelle Dresden der Sächsischen Akademie der Wissenschaften und die Sächsische Landesstiftung Natur und Umwelt darin ihren Sitz. Durch das Elbehochwasser im Sommer 2013 wurde das Gebäude stark geschädigt und war nicht mehr nutzbar.

Anlagen:
1) Draufsicht Baustelle Archiv der Avantgarden (Blockhaus), Dresden, Juli 2020
Fotograf: Christoph Reichelt
Copyright: SIB

2) Siegerentwurf Architektenwettbewerb
Copyright: SIB/ Nieto Sobejano Arquitectos


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