Seltene Weitwanderung eines Luchses nach Sachsen

11.05.2026, 14:09 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)

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Luchs Bardi (Wildkamera) (© Archiv Naturschutz LfULG, S. Walther)

Luchs Bardi (Wildkamera) (© Archiv Naturschutz LfULG, S. Walther)

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Luchs Bardi (Wildkamera) (© Archiv Naturschutz LfULG, C. Blum-Rérat)

Luchs Bardi (Wildkamera) (© Archiv Naturschutz LfULG, C. Blum-Rérat)

Erste eindeutig nachgewiesene Zuwanderung aus dem Böhmerwald nach Sachsen

Seit Anfang Februar hält sich in der großräumigen Umgebung von Eibenstock/Westerzgebirge ein zugewanderter Luchs auf, der mehrmals in »Fotofallen« getappt ist. Das teilte das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) heute in Dresden mit.

Laut der tschechischen Nationalparkverwaltung Šumava handelt es sich bei dem Tier um den Luchs »Bardi«. Seine unverwechselbare charakteristische Fleckenzeichung hatte bei einem Vergleich von Wildkameraaufnahmen schnell zu diesem Ergebnis geführt.

Das Tier ist knapp zwei Jahre alt und wurde im Frühjahr 2024 nahe der nordöstlichen Grenze des Böhmerwalds geboren. Im Winter 2025 wanderte »Bardi« aus dem Territorium seiner Luchsmutter ab und machte sich auf die Suche nach einem eigenen Revier. Auf seiner Wanderung ins Westerzgebirge wurde er nur einmal im Juli 2025 in der Region Klatovy südlich von Pilsen von Wildkamerafallen erfasst. Deshalb sind weder seine genaue Wanderstrecke noch die dabei zurückgelegten Kilometer bekannt. Die reine Luftlinie von der Geburtsregion des Luchses bis ins Westerzgebirge beträgt etwa 160 Kilometer.

Die Weitwanderung von Luchs »Bardi« hat eine große Bedeutung für das Luchsprojekt »RELynx Sachsen«. Er trifft im Westerzgebirge auf die im Rahmen des Projektes ausgewilderten Luchse und wurde bereits mehrmals an Wildkamerastandorten aufgenommen, die auch von den territorialen Luchsen Alva und Chapo genutzt werden. Es ist sehr wahrscheinlich, dass »Bardi« mit dem Luchsmännchen Chapo um das Weibchen Alva konkurriert hat, denn zwischen Februar und April ist Paarungszeit bei den Luchsen. Sollte sich »Bardi« dauerhaft im Westerzgebirge ansiedeln, könnte er die lokale, noch kleine und im Aufbau befindliche Population stärken.

Weite Wanderungen sind bei Luchsen selten, aber essenziell für die Vernetzung von Populationen. Dieses aktuelle Ereignis zeigt, dass das Projektziel von »RELynx Sachsen« aufgehen kann und der notwendige natürliche Austausch zwischen mitteleuropäischen Luchsvorkommen erreichbar ist. Im Rahmen dieses bedeutenden Artenschutzprojektes soll im Erzgebirge eine Trittsteinpopulation des Karpatenluchses angesiedelt werden, die eine Verbindung zwischen Vorkommen in Tschechien, dem Harz und Thüringen schafft.

Fachlicher Hintergrund:

Die böhmisch-bayerisch-österreichische Luchspopulation zählt zu den bedeutendsten in Mitteleuropa und spielt eine zentrale Rolle für die Vernetzung anderer europäischer Bestände. Sie wurde in den 1970er- und 1980er-Jahren im Rahmen von Wiederansiedlungsprojekten auf Basis weniger Tiere aus den Westkarpaten gegründet. Damit gehört der Luchs »Bardi« derselben Unterart an wie die bisher in Sachsen ausgewilderten Luchse.

Projekt »RELynx Sachsen«:

Seit dem Spätsommer 2024 wurden im Rahmen des Projektes sieben Luchse im Eibenstocker Forst des Westerzgebirges ausgewildert, darunter Alva und Nova - beide Wildfänge aus dem Schweizer Juragebirge – sowie fünf Luchse aus Gehegehaltung: das Weibchen Freya und die vier Kuder Juno, Anton, Chapo und Charlie. Anton lebt nicht mehr, er wurde überfahren. Im Spätsommer 2026 sollen zwei weitere Luchse ausgewildert werden.


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