Umweltminister von Breitenbuch: »Schützen, was wertvoll ist – ermöglichen, was machbar ist«
16.09.2026, 13:22 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)
Fachregierungserklärung zur naturschutzpolitischen Linie Sachsens
Sachsens Umwelt- und Landwirtschaftsminister Georg-Ludwig von Breitenbuch hat am Mittwoch (16.09.) im Sächsischen Landtag seine Fachregierungserklärung zum Naturschutz im Freistaat abgegeben. Dabei führte der Minister aus, dass Naturschutz nur gelingen könne, wenn er gemeinsam mit Landnutzern, Eigentümern und Kommunen gestaltet wird – praxisnah, bürokratiearm und mit klarem Blick auf das, was in der Fläche tatsächlich wirkt.
Staatsminister Georg-Ludwig von Breitenbuch hob die besondere Bedeutung von Sachsens Natur als gemeinsames Erbe und Lebensgrundlage hervor: »Sachsens Natur ist es wert, geschützt zu werden. Die Natur in unseren Wäldern, auf den Wiesen, Auen, in den Seen und Flüssen ist der ureigenste Reichtum aller Menschen in Sachsen. Naturschutz ist Dienst an der Heimat und an der biologischen Vielfalt und an uns Menschen, die in und von dieser Landschaft leben. Mir ist eine ausgewogene Naturschutzpolitik wichtig. Wir schützen, was wertvoll ist. Wir ermöglichen Nutzung, wo sie verantwortbar ist.«
EU-Regelwerk: Überfälliger Reformbedarf
Von Breitenbuch stellte klar, dass das europäische Naturschutzregelwerk mit der Realität nicht mehr Schritt hält. Das aktuelle System der Lebensraumtypen basiert auf einer veralteten Liste aus den 1990er-Jahren. Es zwingt die Mitgliedstaaten zu erheblichem Aufwand, auch dort, wo es angesichts des Klimawandels ökologisch längst überholt ist. In Sachsen erreichen lediglich 28 Prozent der Lebensraumtypen und 27 Prozent der Arten einen günstigen Erhaltungszustand. Der laufende Natura-2000-Stresstest sei deshalb längst überfällig, um die künftigen Zielzustände stärker am tatsächlichen Machbaren auszurichten.
Zudem müsse die EU-Wiederherstellungsverordnung grundlegend überarbeitet werden. Umfangreiche Verpflichtungen träfen auf sinkende Naturschutzfinanzierung und ungeklärte Umsetzungsfragen. Das sei keine Naturschutzstrategie, sondern Verschiebebahnhof-Politik zulasten von Ländern, Kommunen und Betrieben.
Staatsminister von Breitenbuch verwies darauf, dass Sachsen als Vorsitzland der Umweltministerkonferenz 2026 diese Position aktiv einbringt, zuletzt beim Thema Wasser in Leipzig, im November in Bad Schandau bei den Themen Natur- und Artenschutz.
Bestandsmanagement für Wolf, Biber, Kormoran
Beim Wolf sei mit der Absenkung des Schutzstatus im Oktober 2025 ein Systemwechsel gelungen. Künftig ergänzt aktives Bestandsmanagement durch Bejagung den bisherigen Herdenschutz und Schadensausgleich. Dafür wird das Sächsische Jagdgesetz novelliert und ein landesweiter Managementplan aufgestellt.
Für Biber, Fischotter und Kormoran kündigte von Breitenbuch die nächsten notwendigen Schritte an. Das Schutzregime soll regional und mit Augenmaß, das heißt unter Wahrung des Erhaltungszustandes der Arten, angepasst werden. Beim Biber habe die Staatsregierung bereits gehandelt. Die maximale Förderzuwendung für Präventionsmaßnahmen ist von 20.000 auf 50.000 Euro angehoben worden. Erstmals erarbeitet Sachsen zudem eine eigene Biberverordnung, um bei hohem Schadenspotenzial einzelne Tiere leichter entnehmen zu können. Die Anhörung soll noch im dritten Quartal 2026 beginnen.
Photovoltaik im Wald lehnte der Minister weiterhin klar ab. Sachsen habe sich im Bundesrat dagegen positioniert, um den Wald als Natur-, Lebens- und Erholungsraum zu erhalten.
Großschutzgebiete und laufende Projekte
In der Nationalparkregion Sächsische Schweiz strebt das Ministerium mehr Entscheidungsverantwortung vor Ort an. Genehmigungen sollen künftig ortsnäher durch den Landkreis getroffen werden. Das Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft ist auf Wunsch von sechs Gemeinden um rund 2.250 Hektar gewachsen. 2026 wird zudem das Nationale Naturmonument Grünes Band ausgewiesen.
Nach Ansicht des Staatsministers zeigen konkrete Projekte wie das Luchsprojekt ReLynxSachsen, die Birkhuhn-Zusammenarbeit mit Tschechien und das LIFE-Projekt LIFE4HamsterSaxony, dass Naturschutz gelingt, wenn er wissenschaftlich fundiert und partnerschaftlich umgesetzt wird.
Finanzierung und Ehrenamt
Weiterhin betonte der Staatsminister, dass Naturschutz verlässliche Strukturen und Finanzmittel brauche. So sind für Naturschutzstationen und das Programm Junge Naturwächter mit rund 900 aktiven Kindern und Jugendlichen in über 80 Gruppen im Doppelhaushalt 2027/2028 zusammen rund 3,43 Millionen Euro jährlich vorgesehen.
Zudem dankte von Breitenbuch den mehr als 1.000 Ehrenamtlichen im Naturschutzdienst, die das Monitoring und die Schutzgebietsbetreuung maßgeblich mittragen. Ihnen gelte hohe Anerkennung und verlässliche Unterstützung. Mit dem Umwelt-Ehrenpreis würdigt der Freistaat Sachsen Menschen, die oft unbemerkt in diesem so wichtigen Bereich Verantwortung übernehmen.
Von Breitenbuch schloss mit einem klaren Bekenntnis: »Weniger Bürokratie, mehr Wirkung. Schutz und Nutzung nicht gegeneinander, sondern gemeinsam – nur so bewahren wir Sachsens Natur- und Kulturlandschaft für kommende Generationen.«
Hinweis: Das Redemanuskript ist der Medieninformation beigefügt. Es gilt das gesprochene Wort.