Zurück auf den sächsischen Acker – Feldhamster in Nordsachsen ausgewildert
18.05.2026, 11:31 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)
Im Rahmen des 2025 gestarteten EU-Projekts »LIFE4HamsterSaxony« sind am Montag (18.5.) bei Wiedemar (Landkreis Nordsachsen) die ersten von insgesamt geplant rund 200 Feldhamstern in diesem Jahr ausgewildert worden. Damit kehren nach einer erfolgreichen Pilotphase nun weitere Tiere der vom Aussterben bedrohten Art auf den heimischen Acker zurück. Begleitet wurde die Auswilderung vor Ort von Sachsens Umwelt- und Landwirtschaftsminister Georg-Ludwig von Breitenbuch, Prof. Jörg Junhold, Direktor des Leipziger Zoos und Dr. Eckhard Rexroth, Umweltdezernent des Landkreises Nordsachsen. Im Projekt »LIFE4HamsterSaxony« arbeiten das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG), der Zoo Leipzig und der Landkreis Nordsachsen gemeinsam daran, die Population des Feldhamsters in seinem letzten Vorkommensgebiet in Sachsen zu stärken und zu entwickeln.
Landwirtschaftsminister Georg-Ludwig von Breitenbuch: »Der Feldhamster war einst weitverbreitet in Sachsen. Doch Dürreereignisse haben um das Jahr 2019 zu einem drastischen Rückgang der Hamster geführt. Dank der Zusammenarbeit vieler Akteure in den letzten Jahren konnten erste Feldhamster wieder erfolgreich in Nordsachsen angesiedelt und so vor dem Aussterben bewahrt werden. Im LIFE-Projekt werden nun gemeinsam mit den Landwirtschaftsbetrieben innovative Anbaumethoden und Kulturen für einen klimaangepassten und für den Feldhamster nützlichen Ackerbau getestet. Das bietet die einmalige Chance, ackerbauliche Lösungen zu entwickeln, um diese, aber auch andere Tierarten in Regionen mit voraussichtlich abnehmenden Niederschlagsmengen zu schützen. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag für die Wiederherstellung einer Kulturlandschaft, die intakte Lebensräume für Tiere und Pflanzen bietet und in der sich vielfältige Ackerflächen entwickeln können. Allen Engagierten danke ich herzlich für das bisher Erreichte und wünsche dem Projekt noch viele gesunde und solide Hamsterpopulationen.«
Prof. Jörg Junhold, Direktor des Zoos Leipzig: »Für uns ist jede Auswilderung ein bewegender Augenblick: Tiere wieder in ihren natürlichen Lebensraum zurückzubringen, zeigt, dass engagierter Artenschutz konkrete Wirkung entfalten kann. Dass wir erneut Feldhamster auswildern können, ist das Ergebnis großer Leidenschaft und enger Zusammenarbeit – von den Tierpflegerinnen und Tierpflegern im Zoo über die beteiligten Landwirte bis hin zum Arbeitskreis Feldhamsterschutz und vielen weiteren Unterstützern. Dieses gemeinsame Engagement macht Hoffnung für die Zukunft des Feldhamsters in Sachsen. Der Schutz der biologischen Vielfalt braucht starke Partnerschaften – und Zoos spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie können bedrohte Arten bewahren, Populationen stabilisieren und damit einen echten Beitrag zur Verbesserung des Gefährdungsstatus auf der Roten Liste der IUCN leisten. Das Projekt ›LIFE4HamsterSaxony‹ ist dafür ein eindrucksvolles Beispiel. Mit der Förderung des Projektes durch die Europäische Union und den Freistaat Sachsen ist es gelungen, den regionalen Feldhamsterschutz entscheidend voranzubringen und die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Bestandsstützung in Sachsen zu schaffen.«
Im Rahmen von »LIFE4HamsterSaxony« werden auf Teilflächen des Projektgebietes in Nordwestsachsen schrittweise ackerbauliche Maßnahmen umgesetzt. Erprobt werden soll unter anderem der Anbau hamsterfreundlicher Kulturen, die die negativen Wirkungen des Klimawandels für den Feldhamster, wie mangelnde Deckung durch eine frühzeitigere Ernte und zu geringe Versorgung mit Feuchtigkeit in Trockenjahren, kompensieren und – soweit möglich – auch landwirtschaftlich nutzbar sind.
Ein Netzwerk aus Kern-, Entwicklungs- und Verbindungsflächen soll es den Feldhamstern ermöglichen, sich wieder anzusiedeln und auszubreiten. Mit der Erhaltungszucht von Feldhamstern aus Mitteldeutschland und den Auswilderungen auf speziell vorbereiteten Flächen leistet der Zoo Leipzig einen ganz wesentlichen Beitrag. Durch einen kooperativen Ansatz werden die im Projektgebiet wirtschaftenden Landwirtschaftsbetriebe und die Bevölkerung in die Umsetzung einbezogen.
Das LfULG ist »LIFE4HamsterSaxony«-Leadpartner und damit verantwortlich für die Projektleitung und Projektabwicklung sowie für die Umsetzung der naturschutzfachlichen und landwirtschaftlichen Aufgabenpakete. Der Zoo Leipzig übernimmt die Zucht und Auswilderung von Feldhamstern und das Landratsamt Nordsachsen, als zuständige untere Naturschutzbehörde, die administrativen Aufgaben. Dem Projekt vorausgegangen waren die Aktivitäten des im Jahr 2008 gegründeten Arbeitskreises kooperativer Feldhamsterschutz im Freistaat Sachsen. Dabei wurden im Jahr 2024 und 2025 bislang 250 Feldhamster ausgewildert.
Das Projektgebiet mit einer Gesamtfläche von 6.000 Hektar und einer geplanten Maßnahmenfläche von knapp 400 Hektar liegt in der Ackerebene Nordwestsachsens südwestlich von Delitzsch und nördlich des Flughafens Halle-Leipzig.
Die Gesamtkosten des bis Ende 2031 bewilligten Projektes belaufen sich auf 12,2 Millionen Euro. Die Europäische Union fördert das LIFE-Projekt zu 75 Prozent. 25 Prozent der Kosten übernehmen die Projektpartner Freistaat Sachsen, vertreten durch das LfULG, der Zoo Leipzig und das Landratsamt Nordsachsen.