Hauptinhalt

Handlungskonzept für Insektenschutz vorgestellt

27.06.2019, 13:30 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)

Umweltminister: Die gesamte Gesellschaft ist gefragt!

Umweltminister Thomas Schmidt hat heute (27. Juni 2019) bei Leipzig das „Handlungskonzept Insektenvielfalt im Freistaat Sachsen“ vorgestellt. In neun Handlungsfeldern werden vorhandene und neue Maßnahmen der Sächsischen Staatsregierung gebündelt, mit denen die Insektenvielfalt im Freistaat befördert werden soll. Der Entwurf des Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) wird jetzt in einem breit angelegten Konsultationsprozess zu einem Programm der Staatsregierung weiterentwickelt werden.

„Der Insektenschutz ist seit Langem ein fachpolitischer Schwerpunkt. Der anhaltende Rückgang der Insekten ist allerdings alarmierend, da die Folgen für das gesamte Ökosystem kaum abzusehen sind“, sagte der Umweltminister. „Alle Akteure der Gesellschaft sind gefragt“, stellte der Minister heraus. „Auch in Dörfern und Städten kann zum Beispiel durch insektenfreundliche Lichtquellen, blütenreiche Vorgärten oder insektenfreundlich bewirtschaftete Wiesen viel getan werden. Der Erfolg unserer 2015 initiierten landesweiten Mitmachaktion „Puppenstuben gesucht – Blühende Wiesen für Sachsens Schmetterlinge“ mit inzwischen 300 insektengerecht bewirtschafteten Wiesen macht mich zuversichtlich, dass das gelingen kann.“

Weiter sieht das Konzept beispielsweise die Förderung von Totholz im Wald, den Ausbau von Feldhecken und Ufergehölzen sowie die Stärkung insektengerechter Weidewirtschaft und Gewässerrandstreifen vor, um wertvolle Lebensräume für Insekten zu schaffen. Ziel ist es, naturnahe Lebensräume zu erhalten und aufzuwerten. Die Roten Listen sollen fortgeführt und verstärkt als Frühwarnsystem genutzt werden. Zudem sind spezielle Artenschutzprogramme, die Stärkung von Biotopverbunden sowie eine intensive Zusammenarbeit mit den Akteuren Teil des Konzeptes. Durch Umweltbildungsmaßnahmen sollen Planer, Kommunen, Privat- und Kleingärtner, Wohnungsbaugenossenschaften, Unternehmen und weitere Akteure über mögliche Maßnahmen zur Förderung der Insektenvielfalt aufgeklärt werden, wie etwa Fassaden- und Dachbegrünung, die Verwendung einheimischer Pflanzenarten oder mechanische Unkrautbekämpfung.

Im Entwurf des Handlungskonzeptes spielt die Landwirtschaft als größte Flächennutzerin eine hervorgehobene Rolle. „Es geht nicht darum, einzelne Betriebsformen an den Pranger zu stellen. Vielmehr müssen wir offene Ohren für die Ideen und Lösungen der Praktiker haben“, sagte Staatsminister Schmidt. „In den letzten Jahren haben wir große Fortschritte gemacht. Wir wollen uns aber auf dem Erreichten nicht ausruhen und streben an, den Anteil insektenfreundlich bewirtschafteter Landwirtschaftsflächen bis 2030 signifikant zu erhöhen. Mit unserer Zukunftsinitiative simul+ können wir auch technologisch im Insektenschutz wichtige Impulse setzen. Zum Beispiel erforschen wir, wie die Ausbringung von Dünger und Pflanzenschutz noch zielgenauer gesteuert und damit verringert werden kann.“

Hintergrund

Im Freistaat Sachsen sind schätzungsweise 25 000 Insektenarten einheimisch. Für 1 533 dieser Arten wurden seit dem Jahr 2007 Gefährdungsanalysen nach aktuellen Kriterien durchgeführt. Danach gelten 673 (44 Prozent) der Arten als ausgestorben oder gefährdet. Das „Handlungskonzept Insektenvielfalt im Freistaat Sachen“ liegt mit Stand 24. Juni 2019 als Entwurf des SMUL vor. In mehreren Gesprächen sind bereits Akteure und Interessenvertreter des Naturschutzes und der Landwirtschaft sowie Insektenkundler konsultiert worden. Der Prozess wird fortgesetzt. Im Herbst 2019 ist eine Kabinettsbefassung vorgesehen. Auf dieser Grundlage wird ein Programm „Erhaltung und Förderung der Insektenvielfalt im Freistaat Sachsen“ entwickelt und dabei die im Konzept aufgeführten Handlungsschwerpunkte und Umsetzungsvorschläge in konkrete, zielgruppenspezifische Maßnahmen überführt. Diese werden als Schwerpunktteil in das auch andere Artengruppen und Lebensräume umfassende Biodiversitätsprogramm („Biologische Vielfalt 2020“) integriert. Die Staatsregierung wird im Rahmen der Fortschreibung über den Status und die Ergebnisse des Programms „Erhalt und Förderung der Insektenvielfalt im Freistaat Sachsen“ dem Sächsischen Landtag sowie der Öffentlichkeit Bericht erstatten.

Weiterführende Informationen:
„Biologischen Vielfalt im Freistaat Sachsen“: www.natur.sachsen.de,
Zukunftsinitiative simul+: www.smul.sachsen.de/simul-innovationhub-25679.html


Kontakt

Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft

Pressesprecher Frank Meyer

Telefon: +49 351 564 20060

Telefax: +49 351 564 20065

E-Mail: presse@smul.sachsen.de

zurück zum Seitenanfang