Einstein-Teleskop: Studie sieht Vorteil in Doppel L-Konstruktion

03.11.2026, 13:59 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)

Gemkow und Italiens Wissenschaftsministerin Bernini besichtigen Partnerstandort auf Sardinien

Auf dem Weg zur Standortentscheidung für eines der größten gesamteuropäischen Wissenschaftsprojekte der nächsten Jahrzehnte treiben Sachsen und Sardinien ihre gemeinsame Bewerbung für das Einstein-Teleskop weiter voran.

Auf Einladung der italienischen Ministerin für Universitäten und Forschung, Anna Maria Bernini, reiste Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow auf die Mittelmeerinsel. Gemeinsam mit der Präsidentin der Regionalregierung Sardiniens besichtigte er den vorgeschlagenen Standort: das stillgelegte Bergwerk Sos Enattos bei Lula.

Der Freistaat und Sardinien setzen als Partner auf eine geteilte Forschungsinfrastruktur als Doppel-L – im Lausitzer Granit und dem alten Bergwerk von Sos Enattos. Eine aktuelle Analyse sieht in dieser Variante den wissenschaftlich größeren Nutzen gegenüber einer Dreieck-Konstruktion. (Geometrie Comparison Report)

Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow: »Das bestätigt die gemeinsame Standortbewerbung Sachsens mit der italienischen Region Sardinien, die genau diesen Ansatz verfolgt. Mit einem Teil des Einstein-Teleskops in der sächsischen Lausitz und einem auf Sardinien wird zudem der länderübergreifende Charakter dieses einzigartigen Projekts im Sinne der europäischen Idee gestärkt.«

Italiens Ministerin für Universitäten und Forschung, Anna Maria Bernini, betonte: »Ich freue mich, dass Minister Gemkow meine Einladung angenommen hat, gemeinsam Sos Enattos zu besuchen – jenen italienischen Standort, den wir im Rahmen einer ‚Doppel-L‘-Konfiguration für die beste Option halten, das ET zu bauen. Dies ist zudem die von der wissenschaftlichen Gemeinschaft bevorzugte Lösung.«

Gemkow und Bernini informierten sich im Gespräch mit Sardiniens Regionspräsidentin Alessandra Todde sowie am Projekt beteiligten Spitzenwissenschaftlern über die aktuellen Entwicklungen und sprachen über die mit der gemeinsamen Standortbewerbung ein-hergehende wissenschaftliche und gesellschaftliche Kooperation.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer sagte in einer Videobotschaft: »Das Einstein-Teleskop ist vielleicht das letzte große Experiment der Physik. Es ist wichtig, dass dieses Experiment in Europa seinen Platz findet. Wir wissen, welch unfassbare Kraft von der Wissenschaft, der Wirtschaft und der Erkenntnis ausgeht, wenn man so ein Experiment bei sich in der Heimat hat. Die gemeinsame Standortbewerbung Sachsens und Sardiniens hat genau das im Blick und ich wünsche mir, dass wir gemeinsam erfolgreich sind.«

Hintergrund:
Das Einstein-Teleskop ist eines der großen wissenschaftlichen Zukunftsprojekte Europas, eine geplante Forschungsinfrastruktur der nächsten Generation zur Erforschung von Gravitationswellen, die 2015 erstmals direkt nachgewiesen wurden. Es soll sie etwa zehnmal präziser messen können als bisherige Anlagen und die Wissenschaft damit wesentliche Einblicke in das Universum und die Grundlagen der Physik liefern sowie mit seiner internationalen Dimension die europäische Zusammenarbeit stärken.

Dritter Kandidat im Wettbewerb um das Einstein-Teleskop ist die Euregio Maas-Rhein (EMR) mit Belgien, den Niederlanden und Nordrhein-Westfalen. Sachsen und Sardinien schlossen im Sommer 2026 eine wissenschaftliche Partnerschaft, wobei zugleich eine Vernetzung mit Polen und Tschechien erfolgt.

Noch bis Anfang 2027 läuft die vom Bund geförderte Machbarkeitsstudie im Granitstock der Lausitz in Regie der TU Dresden. Das Gebiet zählt zu den seismologisch ruhigsten Regionen Europas und bietet aus Sicht von Fachleuten daher exzellente geologische Voraussetzungen für das Einstein-Teleskop. Für die Pläne gibt es eine breite Unterstützung in der Region. Unterstützungsschreiben aller Städte und Gemeinden im des Landkreises Bautzen wurden am Dienstag in Berlin der Bundesregierung übergeben.


zurück zum Seitenanfang