»RegioNet WasserBoden«: Bilanz nach dreieinhalb Jahren Projektarbeit für Lausitz und Mitteldeutschland
06.11.2026, 11:11 Uhr — Erstveröffentlichung (aktuell)
LTV und LfULG stellen Ergebnisse vor
Der Braunkohlenabbau hat das Lausitzer und das Mitteldeutsche Braunkohlerevier in den vergangenen Jahrzehnten tiefgreifend verändert und die Umweltressourcen stark beansprucht. Der beschlossene Ausstieg aus der Braunkohlenförderung und -verstromung bringt große Herausforderungen mit sich, eröffnet aber zugleich die Chance für eine umfassende Neuausrichtung der Regionen.
Die Landestalsperrenverwaltung Sachsen (LTV) und das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) haben in den vergangenen dreieinhalb Jahren im Projekt »RegioNet WasserBoden« zahlreiche Akteure in den beiden Revieren vernetzt und interdisziplinäre Fachgrundlagen zu Wasser, Boden und Naturschutz erarbeitet.
Bei der Abschlussveranstaltung heute in Groitzsch (Landkreis Leipzig) stellen die Projektpartner zentrale Ergebnisse und wichtige Erkenntnisse ihrer Arbeit für das Mitteldeutsche Revier vor. Bereits am Dienstag (3. November) zogen LTV und LfULG in Weißwasser (Landkreis Görlitz) für das Lausitzer Braunkohlerevier Bilanz.
Im Rahmen des Projekts »RegioNet WasserBoden« wurden in den vergangenen Jahren mehr als 30 Teilprojekte bearbeitet. So erhalten Behörden, Planer und Vorhabenträger zum Beispiel eine Handlungsempfehlung, die bei Bauvorhaben tiefgreifende Veränderungen des Bodens minimieren und so dem Verlust natürlicher Bodenfunktionen vorbeugen soll. Ein weiteres Ergebnis sind neu erstellte digitale Karten zu den Böden in den Bergbaufolgelandschaften. Diese zeigen die Verbreitung der bergbaubedingten anthropogenen Böden (Kippenböden) sowie den Stand der Rekultivierung. Die Karten und die Handlungsempfehlungen sind wichtig, um den Bodenschutz in diesen tiefgreifend veränderten Regionen bei der Planung und Realisierung von künftigen Vorhaben stärker berücksichtigen zu können.
Im Teilprojekt Aquathermie wurden die technischen Besonderheiten und potentiellen ökologischen Auswirkungen von Anlagen zur thermischen Gewässernutzung analysiert. In einem weiteren Teilprojekt wurde am Beispiel des Werbener Floßgrabens eine Machbarkeitsstudie dazu erarbeitet, wie mit den umweltfachlichen und ökonomischen Herausforderungen bei potentiell trockenfallenden Gewässern umgegangen werden kann.
Für die Flussgebietsbewirtschaftung im Südraum Leipzig hat sich das »Bewirtschaftungsgremium Westsachsen« gegründet. »RegioNet WasserBoden« hat die Leitung des Gremiums übernommen und unterstützt maßgeblich mit fachlicher Expertise. Für die künftige Steuerung des Wasserdargebots im Südraum von Leipzig wurde ein Messnetzkonzept aufgestellt, mit dem die erforderlichen Daten für eine optimierte Wasserverteilung erfasst werden können. Ein weiteres Ergebnis im Mitteldeutschen Revier betrifft den Groitzscher See und das Hochwasserrückhaltebecken Stöhna: Es handelt sich um fachliche Grundlagen zur Optimierung der Wasserverfügbarkeit nach dem Braunkohlebergbau.
Im Lausitzer Revier unterstützt »RegioNet WasserBoden« unter anderem bei der Erstellung von Studien – wie beispielweise zu Wasserüberleitungen aus Fremdeinzugsgebieten oder zur Erhöhung der Speicherkapazitäten entlang der Spree und der Schwarzen Elster. Hier besteht eine enge Zusammenarbeit mit der »Arbeitsgemeinschaft Flussgebietsbewirtschaftung Spree, Schwarze Elster und Lausitzer Neiße«.
Bei anderen Projekten ging es um die Frage, ob das Abwasser von Kläranlagen für industrielle Zwecke oder in der Landwirtschaft genutzt werden kann, wie sich die Verdunstung von Bergbaufolgeseen differenzierter berechnen lässt oder um den Erhalt und die Entwicklung naturschutzfachlich wertvoller Offenlandbiotope.
Im Rahmen der Projektarbeit wurde zudem ein aktives Netzwerk aus regionalen und überregionalen Akteuren aufgebaut. Mehr als einhundert Partner sind darin eingebunden, über 40 davon standen in einem engen, regelmäßigen Austausch bei der Arbeit an einem der Teilprojekte.
Das Projekt »RegioNet WasserBoden« endet im April 2027. Bis dahin werden die noch offenen Teilprojekte abgeschlossen und weitere Ergebnisse veröffentlicht. Die erarbeiteten Arbeitshilfen werden an die Genehmigungsbehörden übergeben, um die wirtschaftliche Neuorientierung der Regionen zu unterstützen. Die einzelnen Projekte und Ergebnisse sind in den Tagungsbänden zu den Veranstaltungen sowie im Internet nachlesbar.
Die Mittel für das Projekt kommen zu 90 Prozent aus dem Förderprogramm STARK, mit dem der Bund den Transformationsprozess zu einer ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltigen Wirtschaftsstruktur in den Kohleregionen unterstützt. Die verbleibenden zehn Prozent werden durch den Freistaat Sachsen getragen.